(266) Carrying on – Oder: sein Päckchen tragen

Ganz schön viel Kunst kann man entdecken in den miefigen U-Bahn-Sationen dieser Stadt. Die besten „Ausstellungen“ abzufahren in einer Subway-Kunst-Tour, dafür waren Frau Life Science und ihre Besucherin gleich Feuer und Flamme, als ihnen die Idee kam. Koscht nix und ist höchst inspirierend.

Ganz typisch für Subway-Kunst sind Mosaike. In der 23. Straße flattern lustige Hüte, allesamt von einst mehr oder weniger berühmten New Yorkern, die Untertitel verraten es.  Wenn man sich geschickt hinstellt, kann man den einen oder anderen Mosaikhut „aufsetzen“ – zumindest fürs Foto.

Wilde Mosaiktiere versammeln sich an der Haltestelle zum Museum of Natural History. Da beginnt der Museumsbesuch schon unter der Erde.  Die „Perfect Strangers“ an der neuen Second Avenue Subway -Linie sind Mosaik-Portraits von New Yorker Individuen von heute. Vom Polizisten bis zum Ballonkind, alle in Lebensgröße. Und sehr, sehr bunt.

Ein Highlight für Frau Life Science und die Besucherin war allerdings die Installation „Carrying on“ in der Prince Street in Lower Manhattan. „Carrying on“ –  weitermachen, oder eben etwas weiter schleppen, das Päckchen, das man zu tragen hat, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Es sind bemerkenswerte kleine Figuren, die als Wandfries in die weißen Kacheln eingelassen sind, rund 200 Stück. Jeder schleppt irgendwas, eine Tasche, einen Christbaum oder ein Surfbrett. Es gibt ja nichts, was man nicht in der U-Bahn transportieren könnte…

Dargestellt werden die Individuen als Silhouetten in drei Farben, die sich aus den verwendeten Materialien Stahl, Marmor und Schiefer ergeben. Dass sie so lebendig erscheinen, ist erstaunlich, obwohl sie doch so klein sind. Man würde sich als Betrachter nicht wundern, wenn die Männchen einfach wegmarschierten. Vielleicht liegt es daran, dass die Figuren anhand von Fotos entstanden sind, die im realen New Yorker Alltag im Public Transport entstanden sind. Situationen aus dem Leben.

Aus Familie Life Sciences Alltag könnte man auch ein nettes Wandfries erstellen. Wie sie dereinst mit fünf Koffern und Baby hier ankam. Der Lifescientist mit der Laptoptasche auf dem Weg zur Arbeit, Frau Lifescience mit Haushaltsgütern aus zweiter Hand die Wohnung bestückend, die Groceries heimschleppend, mit Rucksack zur Samstagsschule. Der Forschernachwuchs mit einem Rucksack voller Matchboxautos und was man als Toddler sonst noch so durch die Weltgeschichte befördern „muss“. Das Kinderwagengeschleppe (man macht sich ja kein Begriff) ist bereits im Indexbildchen dieses Blogs verewigt.

Carrying on, ein wunderbarer Titel. Es wird auch weitergemacht, hier auf diesem Blog. Wenn auch unter neuer Adresse. In diesem Sinne: Tapferes Weitermachen, Weitertragen, allen Lesern hier in New York und anderswo.

Janet Zweig:   Carrying on         http://www.janetzweig.com/public/CarryingOn.html

 

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