(274) Kleine Kinder, große Arbeit – Oder: Beware of baby burnout

Die rund um die Uhr- Betreuung von unter Dreijährigen, sei es eines oder mehrerer, gehört aus Frau Life Sciences Sicht zu den am meisten unterschätzten Tätigkeiten. Ganz besonders gilt dies, wenn sie einem selbst gehören. Ein  Realschultag mit lauter 30er Klassen und Pausenaufsicht ist kaum anstrengender.

Stichwort: Baby-Burnout. Frau Life Science kennt nur wenige Mütter, die ihn nicht schon hatten.  Es gibt da  gewisse Risikofaktoren. Intelligente Frauen, gut ausgebildet, sind hochgefährdet. Frau Life Science denkt da an so eine Inselmutter, eine Anwältin aus einem Land, das keiner kennt. Also, sie war mal Anwältin  – in ihrem alten Leben. Jetzt ist sie hauptberuflich Baby- bzw.  inzwischen Toddler-Gesellschafterin mit jede Menge unbezahlten Überstunden.  Ihr Sohn geht spät ins Bett und wacht dafür früh auf. Hauptgewinn! Und sie kann es nicht ertragen, wenn er weint. Zum Beispiel, weil jemand anderer als Mutter oder Vater ihn betreut. Noch so ein Risikofaktor: „zu viel“ Einfühlungsvermögen auf Seiten der Mutter. Hochgefährlich. „I just want to wash my hair“, klagt die Ex-Anwältin  mit einem sehr speziellen Gesichtsausdruck, den man nicht so schnell vergisst.

“My husband does not feel comfortable with someone else watching her”, sagt eine andere Mutter. Hat der liebe Ehemann schon mal das Kind gewatcht, so sagen wir mal 48 Stunden am Stück!?  Wie „comfortable“ würde er sich danach fühlen? Gleich nächstes Wochenende ausprobieren, liebe Mutterkollegin! Flieg mal übers Wochenende mit einer alten Freundin in eine andere Stadt. Richte nichts. Koche nicht vor. Lege keine Kleider raus.
Danach ist das Thema durch. Versprochen.

Wer denkt, er kann die Toddler-Betreuung als kleines individualisiertes Paar alleine schaffen (warum sollte man das geliebte Kind nicht rund um die Uhr neben sich haben wollen?) , natürlich mit der Hauptlast bei der Frau, kann sich ganz schön verheben. Muss nicht, aber kann. Weiterer Risikofaktor für den Eltern-Burnout: Totalabschnitt der Herkunftsfamilie durch Migration.

Allzu hohe Ideale sind auch so ein Merkmal vom Baby-Burnout. Klar, man ist alt genug, hat die nötige Reife zum Wunschkind, man hat sich informiert und man gibt hier – wie in jedem anderen Bereich des Lebens  bisher – sein Bestes. So einiges hat man schon geschafft im Leben. Und jetzt schafft einen – ein einzelnes Kleinkind. Bisschen Spielplatz, bisschen Musikstunde, Abendessen, schlafen. Dass kann doch nicht so schwer sein. Ist es aber. Manchmal.

Und was hilft?

Die ultimative Antwort auf die totale  Bedürftigkeit von Kleinkindern scheint die Verteilung dieser Last auf mehrere Schultern innerhalb einer wie auch immer definierten Gemeinschaft.

Außerdem: Sich Ambivalenzen eingestehen: „Ich liebe dich, aber du nervst mich gerade, du Kind!“

Und: Geregelte Arbeitszeiten des Partners (scheidet beim Lifescientist aus).

Oder: KiTa – das ist im Zweifelsfall die beste Medizin.

Aber vor allem: Niemals die eigne Leistung schlechtreden.

„Was für eine schlechte Mutter bin ich doch“, schreibt noch so eine Mutterkollegin von der Insel an Frau Life Science und belegt dies mit einer Episode, die sie beim besten Willen nicht für diesen Titel qualifiziert. Da kann Frau Life Science nur noch antworten: “ Our tram is yellow if YOU are a bad mom”.

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Sticker „Du sollst nicht allein sein als Mama…“ als elftes – oder so – Gebot
(Werbung für eine soziale Plattform für Mütter)