(279) Frau Life Science (she/her) – Oder: pc

„Look at here“, sagt LeAnn, die Babysitting-Mama, und hält mir ihr I-Phone unter die Nase. Sie will mir eine digitale Signatur zeigen, von einer Kollegin aus dem medizinischen Bereich. Die Signatur enthält Name und Titel der Person und einige weitere Informationen sowie das Pronomen, mit der diese Person wünscht, angesprochen zu werden: „she/her.“ Wie ich das denn fände und ob es in Germany auch schon so weit sei. Man übertreibe hierzulande mit der Political correctness, fand LeAnn.

Der Lifescientist wäre manchmal durchaus dankbar, wenn er wüsste, ob er eine Person namens „Jing Li“ in dienstlichen Mails lieber mit „Mr. Li“ oder mit „Ms. Li“anschreiben soll. In einem solchen Fall wäre ein vorgegebenes Pronomen durchaus eine hilfreiche Stütze.

Aber LeAnn ist schon genervt von der Thematik, seit an der Schule ihrer Tochter bestimmte bathrooms der Kinder (niemals würde ein Amerikaner je „Toiletten“ sagen) als geschlechtsneutral ausgewiesen wurden. Funny thing: es ist eine Mädchenschule.

Bei Trader Joe’s stand neulich an der Kassenschlange ein Einweiser. So dachte man zumindest, ein alternativ gekleideter, langhaariger Mann mit einem Button auf dem Shirt „she“. Also eine „Sie“, na klar! Kapiert man sofort, den Hinweis. Sehr praktisch in der konkreten Situation.

Aber oft geht es nicht um den konkreten Fall, sondern um ein theoretisch mögliches Ereignis. Im Elternnetzwerk der Insel achten manche Individuen auch sehr auf political correctness. Eine Mutter, die eine Pfadfinderinnengruppe gründen will, schreibt:

New Daisy Troop on Roosevelt Island!
If you have a child that identifies as female, is between the ages of 5 and 7 years old, please fill out this short survey so we can get you started!

Wenn der Forschernachwuchs, der sich soweit als männlich identifiziert, aus irgendeinem biologischen oder psychologischen Grund nicht in die vorgesehene Schublade passte, würde sich Frau Life Science als Mutter weniger Gequatsche und hölzerne Formulierungen wünschen, sondern einfach jemanden vor Ort, der das Herz am rechten Fleck hat und sagt: „Willkommen bei den Pfadfinderinnen! Schön, dass du bei uns mitmachen willst.“

Es gibt kaum ein Lebensbereich, wo das Thema adäquate Geschlechtsbezeichnungen keine Rolle spielt. Auch in der U-Bahn. So hat der Betreiber der New Yorker Subways MTA diesen Monat die Vorschrift herausgegeben, dass die Fahrgäste nicht länger mit „Ladies and Gentlemen“ begrüßt werden dürfen. Tonbandaufzeichnungen würden überspielt und die Einhaltung der Vorschrift werde überwacht, so heißt es.

New York City transit riders won’t be called „ladies and gentlemen“ any more,
schreibt die New York Times,
— but they’ll still be expected to act like it.

bathroom
„Under New York City Law, all individuals have the right to use the single sex facility consistent with their gender identity or expression. „