(285) Americanized – Oder: Parents‘ Day Out

„Parents‘ Night Out“, lautet die Betreffzeile eine Email vom Child Care Center. Jetzt bieten sie auch noch Abendbetreuung in Form einer „Pajama Party“ an, zum günstigen Preis von $ 20. Der Erlös soll für jetzt in der Holiday Season einem guten Zweck gespendet werden.

In Frau Life Science steigt Freude auf. Wo sonst soll man einen vertrauenswürdigen Babysitter herbekommen, bei dem sich der Forschernachwuchs wohlfühlt? Bisher hat sie noch nie einen rekrutiert – Frau Life Science hat keinen Babysitter, sie IST höchstens einer.

„You should have this more often“, sagt sie zu den geschätzten Erzieherinnen, während sie das Kind auf der ausgehängten Liste an der Gruppentür einträgt. Die Erzieherinnen winken ab. Lieber nicht, soll das wohl heißen.

Nun hat man ja in New York recht knapp bemessene Zeitfenster. Für die „Parent’s Night out“ wurden genau zwei Stunden anberaumt: 18:30 bis 20:30 Uhr. Un das, wo der Child Care Center am anderen Ende der abgelegenen Insel steht. Bis zur nächsten Pizzeria sind es 20 Minuten Fußweg.

Das Kind um 16:00 Uhr abholen und um 18:30 Uhr im Pajama wieder hinbringen, zur Pizzeria rennen und schon bei der Bestellung nach der Rechnung fragen? Nein, danke.

Aber es gibt ja auch noch die Möglichkeit, eine Verlängerung zu buchen. So entfällt das Abholen zwischendurch und das Kind bleibt bis zum allgemeinen Dientsschluss der KiTa um 18:30 Uhr, und geht von dort direkt zur Pajama Party. Um vier Uhr werden sowieso nur die Kinder von irgendwelchen verwöhnten Expats abgeholt, deren Mütter keiner ernsthaften Beschäftigung nachgehen.

Aus einer „Night out“ wird so schnell ein „Day out“. Der Lifescientist und Frau Life Science nutzen die Zeit für eine Tour zum Outlet-Center. Es fehlt alles Mögliche in der Wintergarderobe der Life Sciences, damit sie in der New Yorker High Society nicht unangenehm auffallen. Schuhe ohne Löcher wären ein erster Schritt.

Sie fahren mit dem Bus vom Port Authority nach New Jersey und besuchen eine flughafengroße Mall, die irgendwo im Sumpf steht. (Davon, dass am Busbahnhof drei Tage später ein Anschlag verübt wird, ahnen sie glücklicherweise nichts).

Und während sie sich durch die Jeanshosen wühlen und Fast food von der schlimmsten Sorte konsumieren (Was hast du denn erwartet, Lifescientist? Der Papst ist auch katholisch), fühlen sie sich recht amerikanisch. Nächstes Mal kommen sie auch mit einem leeren Koffer zum Shoppen, wie man das hier so macht.

Auch der Forschernachwuchs wird ordentlich durchamerikanisiert. Zuerst mit einem Bildungsprogramm. Auf dem Smartphone bling-t folgende Infobotschaft zum Lernerfolg  in Echtzeit ins Shoppingparadies:

Sweet & sour:
Today our toddlers participated in exploring their sense of taste through trying sweet and sour foods. This activity enabled our toddlers to continue to develop their skills through communication, taste, grasp ingredients, cognitively trying to understand why one food tastes different from the other. Awesome job today friends and have a wonderful weekend!!!!

Süß & Sauer
Heute haben unsere Kleinkinder ihren Geschmacksinn erforscht, indem sie süße und saure Lebensmittel gekostet haben. Diese Aktivität ermöglicht es unseren Kindern, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, im Bezug auf Kommunikation, Geschmack, dem Greifen von Zutaten und dem Versuch, kognitiv zu verstehen, warum ein Lebensmittel anders als das andere schmeckt.
Ganz toll gemacht, Freunde, und schönes Wochenende!!!

Dazu das passende Bild:

Haribo

Darauf muss man erstmal kommen. Haribo-Produkte in den Mittelpunkt pädagogischer Angebote zu stellen!

Aber es kommt noch besser. Als er den Forschernachwuchs in der KiTa abholt, muss er feststellen, dass der Kleine mit seinen „friends“ aus allen Altersgruppen vor einem Bildschirm sitzt. „Wusstest du das?‘, will er von Frau Life Science wissen. „Stand doch in der Email, Lifescientist! Nicht gelesen?“

Was den Lifescientisten so schockt, ist Standard-Freizeitgestaltung hier. Film schauen und Pizza Essen für Kinder ab Null oder so. Wem es im Child Care Center nicht reicht, kann das auch bei einem anderen Anbieter buchen (siehe weiter unten). Allerdings qualifiziert sich der Forschernachwuchs dafür noch nicht. Es ist nur für „out of diaper friends“. Friend ja, out of diaper muss vorerst verneint werden.

 

 

Auf sumpfigen Wegen zur Einkaufs-Mall

 

 

Geschäftiges Einkaufstreiben mit Koffern

 

 

links: Fühlt man sich gleich viel sicherer, wenn ein Fünfundsiebzigjähriger auf dem Segway vorbeirollt.

rechts: Santa Clause hockt im Weihnachtsbaum.

 

SchlangeAuch so eine amerikanische Kulturtechnik: lining up...
Anstehen für den Bus zurück in die City

 

 

 

Kids Movie Night!
(This is 3-Hour Drop-Off program for our out-of-diapers friends.) 

Disney’s
The Muppet Movie

Date: Saturday, December 9, 2017

Time: 5:30 — 8:30pm

Admission: $40 per child, +$10 per sibling

Play Time

1st half of the movie

Pizza Intermission

2nd half of the movie

Play Time

Very Happy Children! 🙂

**You can register here**