(295) Valentinstag – Oder: Something nice

Frau Life Science hat es geschafft, morgens alleine einen  Kaffee zu trinken, während das Kind noch schläft. So fangen gute Tage an.

Dann das Kind in die Kita gebracht, ein kleines einstündiges Play Date liegt sozusagen auf dem Weg (einen eigenen Bericht wert ist Ulis monatliches Play Date von 9.00 bis 10:00 am) . Wieder zuhause. Noch schnell ein Desert richten für eine Lunch-Einladung. Ups, keine Schokostreusel vorhanden, schnell ein wenig IKEA-Milchschokolade zerhackt, ziemlich schief. Aber  es ist so herrlich, in internationalen Runden: Man muss ich so gar keinen Kopf machen. Man serviert einfach irgendetwas, und so seltsam misslungen es auch sein mag, man kann immer sagen, es sei eine deutsche Spezialität. Glaubt einem jeder!

Dann beginnt das Telefon zu bimmeln. Frau Life Science, can u work tomorrow, fragt LeAnn angesichts einer Not-OP, die sie zu betreuen hat. Frau Life Science setzt die Maschine in Bewegung, d.h. den Lifescientist befragen, KiTa-Möglichkeiten abklopfen, etc. Will let you know asap, schreibt Frau Life Science.

Noch schnell Hochzeitsfotos raussuchen zum Sharen bei der internationalen Lunch-Runde. Ist ja schließlich Valentinstag und die japanischen hat Frau Life Science schon betrachten dürfen. Traditionelle japanische Hochzeitskleidung ist das speziellste, was Frau Life Science seit langem gesehen hat. Frauen tragen auf dem Kopf etwas, das (Pardon!) wie eine Trockenhaube aussieht und darunter verbirgt sich eine kunstvolle Frisur. Es ist unglaublich. Moderne Frauen verzichten übrigens weitgehend  auf kalkweiße Gesichtsbemalung (googeln lohnt in diesem Fall. Noch verblüffender aber, wenn man die Person kennt).

Noch beim Fotos auswählen („typisch deutsch“: sich in einem billigen Kleid ohne Trockenhaube im Schwarzwald vom eigenen Bruder verheiraten lassen?) klingelt es schon wieder.

Frau Life Science can u come over today.

Die Not-OP ist vorverlegt worden und LeAnn hat ein Betreuungsloch von 6:00-7:00 pm. Also, das ist jetzt wirklich kein Problem, lieber heute kurz als morgen lang, eine Stunde kriegt Frau Life Science hin, den Junior nimmt sie nachher einfach mit, das ist dann noch ein lustiges Play Date, oder sie parkt ihn im Labor. LeAnn hat ja schon lange was gut bei ihr. (Huch fast vergessen, Familie Life Science  wollte ja eigentlich Essen gehen, ach egal, das geht auch noch um 7:00 Uhr. Alles klar. See you at 6:00 pm! )

I really appreciate that, sagt LeAnn und danke auch an den Lifescientisten und so.

Noch während dem Lunchtreffen (wie unhöflich, dauernd mit dem Handy rumzufuchteln) sagt LeAnn das kurzfristige Babysitten schon wieder ab, denn die OP wurde gecancelt. Der Patient ist wohl doch nicht stabil genug. LeAnn möchte Frau Life Sciences genaue Postadresse wissen. Frau Life Science kann sich schon denken, wo das hinführt. Sie kennt LeAnn.

Familie Life Science kann nun ohne weitere Terminverpflichtungen zum Abendessen ausgehen. Sie landen in einem Barbecue-Restaurant, das Rippchen serviert, wobei „chen“ eine glatte Untertreibung ist. Bei Frau Life Science jedenfalls liegt eine halbe Kuh auf dem Teller. Sie ist geschockt. Eher martialisch als romantisch, trotzdem sind alle in Valentins-Stimmung. Viele Besucher im Restaurant tragen rot. So sind sie, die Amis. Sie geben alles an solchen Tagen.

Beim Heimkommen sagt der Doorman, er habe etwas für Frau Life Science, „something nice“. War ja klar. Frau Life Science nimmt drei herzförmige Gasballons entgegen sowie einen „Strauß“ aus frischem Obst und in Schokolade getauchte Erdbeeren. Und natürlich wärmste Dankesworte von LeAnn. Nicht dass sie das alles selbst vorbeigebracht hätte, man hat so seine Dienstleister.

In Anbetracht dreier pinker Gasballons in der Wohnung dauert das Einschlafen des Kindes länger. Bei Frau Life Science geht es umso schneller mit all den Rippchen schläft sie versehentlich mit ein. Als sie wieder aufwacht, hat LeAnn schon wieder aufs Telefon geschrieben und erkundigt sich nach der Lieferung. Bei etwas so Verderblichem wie aufgeschnittenem Obst durchaus angebracht.

Frau Life Science sendet Beweisfotos, preist die Überraschungs-Lieferung und kritisiert ihre generelle Unangemessenheit so gut es ihr Englisch hergibt.

 

 

Blumen

My husband´s flowers are looking boring compared to that,
witzelt Frau Life Science gegenüber LeAnn.

I like them, yellow is a great color on a day of boring red, schreibt LeAnn.
(Ähnliches hätte sie sicher auch geschrieben, wenn es Disteln gewesen wären)