(301) Perfect Strangers – Oder: Stück für Stück New York

Es gibt ja hier die tollsten (Kunst-)Museen. Man sollte viel öfter hingehen.

Wer im Alltag nicht die Muse findet, sich ein paar Stunden Zeit für einen Museumsbesuch zu nehmen, hat die Möglichkeit, mal eben schnell Kunst zu genießen so zwischendrin, mitten in seinem täglichen „commute“. Eintritt zweifünfundsiebzig, inklusive Beförderung.

Ein gutes Beispiel für so ein unterirdisches Museum ist die 2nd Avenue-Subway-Linie, ganz besonders an der Haltestelle 72. Straße. Perfect Strangers heißt das Mosaik des brasilianischen Künstlers Vik Muniz. Dargestellt sind rund 40 Ganzkörper-Portraits von Individuen, wie man sie täglich in der New Yorker Subway treffen könnte. Das Ganze erinnert ein bisschen an die geliebte Installation „Carrying on“ in der Prince Street, aber die Figuren sind hier viel größer und so bunt.

Wen man sich die vielen kleinen Steinchen ansieht, aus denen die etwas mehr als lebensgroßen  Portraits zusammengesetzt sind, fragt man sich, wie das wohl gemacht wurde. Hat der Künstler monatelang in der U-Bahn-Halle gestanden und Glassteinchen mit der Pinzette aufgedrückt? Oder gibt es mittlerweile vielleicht computergesteuerte Maschinen, die das ganze automatisch entsprechend einer Vorlage zusammensetzen?

Eine Recherche bringt Interessantes zutage. Die Mosaike sind tatsächlich handgemacht, allerdings nicht unmittelbar vom verantwortlichen Künstler selbst. Er hat die Original- Portraits erst einmal fotografiert. Dazu stellte er mithilfe von Freunden und Familie die jeweiligen Szenen nach. Auch er selbst ist im Bild, als stolpernder Koffermann, sowie sein Sohn im Tiger-Kostüm. Also ein bisschen Fake, diese „typischen New Yorker“. Vik Muniz hätte ja auch echte Pendler in realen Situationen nehmen können. Aber lassen wir ihm seine künstlerische Freiheit.

Wie sind nun die Fotos zum Mosaik geworden? Wer hat das denn gemacht?

Es waren die Mayers aus München. Franz Mayer of Munic, Inc. nennen sie sich over here, in Deutschland titulieren sie sich mit Mayer´sche Hofkunstanstalt GmbH. Die Mayers kennen sich aus mit Glassteinchen, sei es im kirchlichen oder im profanen Bereich.
Sie haben weltweit und auch bei weiteren New Yorker Mosaiken ihre künstlerisch versierten Finger drin. So auch bei einem der schönsten U-Bahn-Mosaiken, dem in der 42. Straße, wo meterlange goldene Wurzeln den Korridor entlang ranken.

Berufsmäßige Mosaikleger waren es, die  Vik Muniz´Figuren ausgestaltet haben. Man kann den Kunsthandwerkern leibhaftig beim Arbeiten an genau diesem Kunstwerk zusehen, wenn man die unten stehenden Links anklickt. Frau Life Science empfiehlt dies wärmstens. Entschleunigung. Jetzt.

Eine Million Dollars hat die Mosaik-Installation in der 72. Straße gekostet. Und bei jedem commute in die Ecke ist sie einen Blick wert.

Bei der Entstehung von „Perfect Strangers“ zusehen (aus rechtlichen Gründen begrenzt auf Deutschland), alternativ auf  Youtube (kann man überall gucken)

 

 

paperPortraits des Künstlers selbst

bauarbeiterAuch der hier ist aus Glassteinchen.

Frau Life Science hätte gerne mehr Motive gezeigt und ist heute extra schnell mit der U-Bahn auf Foto-Tour gefahren, allerdings war wegen eines Stromausfalls kein Ausstieg aus der U-Bahn möglich. Bleiben Sie sitzen, Sie können hier nicht raus!
Sorry for the inconvenience!
Die „Strangers“ mögen perfekt sein, das New Yorker U-Bahn-System ist es nicht.

Mehr Bilder gibt es hier...