(303) Gestatten? Mein Name ist Waschlappen – Oder: Fünf Dinge, die es in New York (fast) nicht gibt

Im Prinzip gibt es in NYC alles Erdenkliche, was Menschen wünschen könnten, man muss nur wissen wo. Und man muss gegebenenfalls bereit sein dorthin zu fahren und ein wenig mehr zu bezahlen. Dennoch – ein paar Dinge sind kaum zu bekommen.

1
Der Waschlappen

Den gemeine Waschlappen, auch Waschhandschuh genannt, kennt man hier nicht. Was man verwendet, ist der sogenannte wash cloth, das ist ein meist quadratisches, nicht zusammengenähtes Stück Frottee- oder Mikrofaser-Stoff, dessen Fläche mindestens zweimal so groß ist wie der des bekannten Waschhandschuhs. Ist das praktisch? Nö. Gerade für die Kinderpflege braucht man etwas Griffiges.
Eine intensive Recherche beim Internet-Versandhandel hat aber doch noch Waschlappen zutage gefördert, sie wurden unter „wash mitts“ geführt, da muss man erstmal draufkommen. Jetzt gibt es im Hause Life Science wieder Waschhandschuhe in ausreichender Zahl, die gegen Ende dieses Jahres, wenn Familie Life Science ins Land der Waschlappen zurückkehren wird, meistbietend verkauft werden, falls Interesse besteht.

Waschlappen


2
Der ganz normale Quark

Quark kann man hier definitiv nicht kaufen. Nicht einmal bei den Freunden von Aldi oder Trader Joe´s. Greek Yoghurt leistet recht guten Ersatz. Aber echter Quark ist eben kein Joghurt, denn er wird nicht mit Joghurt-Kulturen angesetzt, sondern eher wie Käse hergestellt, heißt es. (Immer wieder spannend: wie Milch verarbeitet wird, auch international. Eine befreundete Mutter aus Aserbaidschan macht immer eine Art Frischkäse selbst, indem sie Milch mit Zitronensaft abkocht).

GreekyoghurtGreek Yoghurt ist hier weit verbreitet.
Er hat eine festere Konsistenz als normaler Joghurt
und ist ein guter Quark-Ersatz. 


3
Die Einmal-Taschentücher im Tempo-Stil

Taschentücher gibt es zwar, aber sie taugen nix. Über der Amis gestörtes Verhältnis zu Zellstoff wurde ja an anderer Stelle schon berichtet. Taschentücher heißen hier „Facial Tissues“ und sie sind einlagig. Wie wenn man, was in Deutschland als „Tissue“ gilt, dreimal falten und als Taschentuch verkaufen würde. Die vergangene Schnupfen-Saison hat einmal mehr gezeigt: Nicht empfehlenswert. Insbesondere in der samstäglichen Deutschstunde wird es schwierig, nach dem Nase putzen mit Facial Tissues noch weiter zu unterrichten. Man müsste eigentlich immer zwei US-Taschentücher auffalten und aufeinanderlegen. Dafür vor dem Niesen ausreichend Zeit einplanen!
Die patente Mutter mit dem Frischkäse reicht einem auf dem Spielplatz einfach ihre Klorolle, wenn  die Nase läuft. Hat sie für solche Zwecke immer dabei. Auch nicht schlecht.

taschentuecherDas rote Kleberchen zum „Wiederverschließen“ der Facial Tissues
reißt sowieso schon  gleich ab und die neuwertige,
aber schon zerknickten Tüchlein sind ein Hauch von Nichts. 


4
Der Vanillezucker

Vanillezucker kann man ganz leicht selbermachen, eine Vanilleschote würde man hier schon finden. Sollte man aber kleine, fertige Papier-Tütchen kaufen wollen, gibt es in NYC eigentlich nur einen einzigen Ort dafür: die deutsche Metzgerei/Feinkostladen „Schaller und Weber“ in Yorkville. Dr. Oetker-Vanillezucker wird dort mit Gold aufgewogen.
Der Amerikaner vanillisiert ansonsten mit flüssigem Vanille-Aroma, das in kleinen braunen Fläschchen verkauft wird. Schmeckt sehr intensiv.

VanillaVanille-Extrakt, gelöst in Wasser und Alkohol


5

Der Badische Wein

Natürlich gibt es in jedem größeren Liquor Store, dem Fachgeschäft für Prozente, eine Ecke mit deutschen Weinen. Aber es dominieren Rheinhessen, Pfälzer- und Moselweine. Badischen Wein konnte Frau Life Science noch nicht ausfindig machen, auch nicht online. Entweder ist das  Anbaugebiet Baden zu unbedeutend (kann das denn sein???) oder die Badischen Winzer exportieren nicht und denken schlicht: Seller Wii süffe mir grad selwer.
Wer badische Promille sucht, kann sich mit Rothaus Tannenzäpfle behelfen, das ist erhältlich, auch wieder bei „Schaller und Weber“. Damit kann man auch gut so manchen Preisschock runterspülen.

WeinWer hier auf Badischen Spätburgunder wartet, dessen Glas bleibt leer. 

 

Richtigstellung:

Es gibt Quark in New York zu kaufen! Man muss dafür nicht einmal in die U-Bahn steigen. Frau Life Science hätte einfach mal im Insel-Supermarkt nachsehen sollen. Solche Dinge erfährt man, wenn die Nachbarin auf dem Blog vorbeischaut.
Auch das mit dem Badischen Wein stimmt so nicht. Dieselbe Nachbarin will einen Liquor Store ausfindig gemacht haben, der Spätburgunder führt und  „Germany, Baden“ draufsteht. Sapperlot! Den halben Artikel umsonst geschrieben!
Ein paar Tage später bringt die Nachbarin gar noch mehrlagige Taschentücher.

Frau Life Science nimmt jetzt alle Behauptungen zurück und weiß nun: Es gibt doch ALLES in New York. Und falls nicht, hat man´s nur noch nicht gefunden.

Aber immerhin ist bei diesem Irrtum  ein geplanter Einkaufstrip zum genannten Fachgeschäft und eine Einladung zum häuslichen Topfen-Palatschinken-Essen herausgekommen. Danke, liebe Nachbarin! Frau Life Science irrt gerne wieder mal.