(304) Flohmarkt unlimited – Oder: Thrift Stores in New York

Frau Life Science hatte schon immer eine Schwäche für Flohmärkte. Das Dumme an diesen: Sie finden nur samstags statt und auch da nur zu einer bestimmten Zeit. Wer erst gegen Nachmittag aufläuft, macht die Erfahrung, dass die ersten Anbieter schon zusammenräumen und die besten Sachen sowieso schon weg sind.

Da lobt sich Frau Life Science die New Yorker Gebrauchtwarenkaufhäuser für wohltätige Zwecke, genannt Thrift Stores oder Charity Shops.  Flohmarkt unlimited. Denn geöffnet sind sie jeden Tag, sogar am Sonntag, sie sind beheizt und im Trockenen. Mit Umkleidekabinen.

In New York haben solche  Wohltätigkeitsläden ganz andere Ausmaße als Frau Life Science das kennt. Die Massen an umgeschlagenen Waren verblüfft sie. Jedes Mal, wenn man hinkommt, liegt komplett anderes Zeug aus. Vielleicht liegt das am hohen Gebrauchtwarenaufkommen: Da ist die ungehemmte Shopping-Lust der Amerikaner, irgendwann muss man die ganzen Impulskäufe ja wieder loswerden. Auch haben die Leute hier einfach keinen Platz um irgendetwas zu lagern. Der Krempel muss weg! Die Babyklamotten 35 Jahre lang für die Enkel aufheben? There is no way. Außerdem sind Amerikaner oft recht großzügig und spenden gerne.
Auf der anderen Seite gibt es wieder jede Menge Kunden, die Schnäppchen lieben oder darauf angewiesen sind. Oder es gibt einfach allgemein sehr viele Menschen.

Frau Life Science bezieht bekanntlich einen Großteil ihrer benötigten Spielzeuge, Bilderbücher, Haushaltsgegenstände und Kinderklamotten in solchen Läden. Oft kleidet sie sich auch selbst dort ein, manche werden sagen: „Man sieht`s“. Das mag sein, aber man kann sich natürlich auch weitaus eleganter mit Goodwill anziehen.

Schnäppchenjagd in Thrift Stores ist Frau Life Sciences Leidenschaft, um nicht zu sagen: ihre kleine Sucht. Wann immer sie sich beim Sonntagsausflug oder zwischen ihren Besorgungen in so einen Laden abseilen kann, ist sie glücklich. Was anderen der Baumarkt ist oder der Buchladen – Frau Life Science ist in Charity Shops zuhause. Man hat so seine Macken.

Kleidunggeschäftiges Bügelgeklapper, im Radio läuft Sting. 

Frau Life Science treibt sich meist in Goodwill Stores rum sowie in den Läden der der Salvation Army (Heilsarmee) und denen der regionalen Organisation Hour Children in Astoria. Die drei Einrichtungen unterscheiden sich ein bisschen in der Ausrichtung bzw. die Art und Weise ihrer Wohltätigkeit. Die gute Tat von Goodwill ist es vor allem, alternative Arbeitsplätze zu generieren, so stellt es zumindest die Firma selbst dar. Bei der Salvation Army geht es eher um den Geschäftserlös, der christlich ausgerichteten sozialen Projekten dieser Organisation zugute kommt. Auch bei Hour Children steht der Einsatz des Gewinns im Vordergrund. Die gestandenen Frauen, die dort arbeiten, machen zumindest nicht den Eindruck, als ob sie selbst Hilfe benötigten, mögen sie auch etwas kantig auftreten. Aber mit dem Gewinn, den sie erwirtschaften, werden Mütter im oder nach dem Strafvollzug unterstützt, die Gefängnisinsel Rikers Island ist ja nur ein Steinwurf entfernt. Der Name Hour Children kommt daher, dass die Mütter nur stundenweise ihre Kinder sehen dürfen.
Die positiven Wirkungen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei allen diesen Charity Shops sind eher ungeplante Nebeneffekte, wenn auch nicht zu unterschätzende. Viele der Waren wären wahrscheinlich auf dem Müll gelandet bzw. müssten unter hohem Ressourcenaufwand ständig neu produziert werden, obwohl sie auch gebraucht noch absolut funktionstüchtig sind.

Goodwill Industries sind in den USA und in Kanada sowie in einigen anderen Ländern aktiv. In Manhattan sind sie flächendeckend vertreten, zum Beispiel auch in Yorkville (links).

 

staff.JPGIn den Goodwill-Geschäften arbeiten Menschen mit Einschränkungen, die auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben (Solche Löhne hätten allerdings auch keine Chance auf dem normalen Arbeitsmarkt: ca. 9 Dollar pro Stunde, heißt es im Internet).

 

storecardGoodwill bietet wie jede andere amerikanische  Ladenkette eine Store Card an. Lässt  man sie bei jedem Kauf einlesen, hat man irgendwann 100 Punkte zusammen und erhält 5 Dollar „off“. Yeah!

 

Die Plastikfäden halten kein Preisschild, sondern stehen für einen Farbcode.
Jeden Tag ist bei Goodwill eine andere Farbe 50% off. Welche das jeweils ist, kann man auf einer Tafel an der Kasse ablesen: Heute sind es gelb und lila.

 

Was darf´s denn heute sein?

 

Abwurf.JPGWer Waren spenden will, wirft sie einfach in die bereitgestellten Container beim Kassenbereich ab. Gesichtet und sortiert werden sie später. An der Kasse erhält man eine Spendenquittung, damit man seine abgelegten Wollpullover mit Mottenlöchern von der Steuer absetzen kann. 

Frau Life Science hofft, dass sie an ihrem neuen Life Science-Forschungsstandort ab 2019 ausreichend solche Läden vorfindet. So macht das Familienleben einfach noch mehr Spaß. Sie hofft außerdem, dass sie dem Junior noch lange anziehen kann, was sie will.