(308) Highlights der Woche

Es sind die kleinen Dinge, die das Leben in New York so speziell machen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendetwas Unerwartetes geschieht, das Frau Life Science lächeln oder losprusten lässt, sie zum Staunen oder Stolpern bringt.  Auch in dieser Woche war das so.

Am Montag von der Daycare folgende Email bekommen:

Dear All Families,

There is one light bulb out in our hallway, this situation has been reported to the building management and should be repaired soon. We will give you an update when it get resolved.

Thank you

XXXX

 

Knapp zwei Stunden später die nächste Mail:

Dear all Families,

The light bulb in the hallway is now fixed. 

​Good day

XXXX

Transparenz wird hier großgeschrieben! Frau Life Science möchte da nicht zurückstehen und teilt der werten Leserschaft auf diesem Wege mit: Im Hause Life Science ist der Briefkasten geleert, die Spülmaschine ausgeräumt und sie meldet sich wieder, sobald die Wäsche aufgehängt ist. Dankeschön!

(Anmerkung: Frau Life Science möchte nicht lästern, Sie mag die Frau, die das geschrieben hat sehr. Lustig findet sie´s trotzdem…)

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Am Dienstag war Babysitten. Auf der Rückkehr vom Central Park mit den beiden müde gespielten Kids im Wagen die 72. Straße runtergegangen. Da ist ein leichtes Abwärtsgefälle, das der Große besonders liebt. „Can you go really, really fast?“, fragt der Vierjährige. Frau Life Science ist sich ja für nichts zu schade. Klar, rennt sie mit zwei Kindern im Wagen die Straße runter. Dann muss sie eine Vollbremsung hinlegen, weil gerade mitten auf dem Gehweg Tiere in einen PKW verladen werden. „Warum habt ihr so viele Tiere?“ , fragt Frau Life Science. Sie hätten gerade eine Party mitgestaltet, sagen die Jungs. Ein Alligator sei im Kofferraum.
Einen Präriehund hatten sie gerade eingeladen, ein Kaninchen steht noch draußen. Der Typ gibt Frau Life Science die Business Card. Der Vierjährige kann´s nicht fassen. „Do they really have an alligator? How big? „Ich glaube schon“, sagt Frau Life Science, „aber sicher nur einen kleinen…“
Einen Alligatoren. Präriehunde, Kaninchen und anderes Viehzeug im PKW von Party zu Party karren – das muss ´ne Goldgrube sein in dieser verrückten Stadt.

 

 

Ein Zoo auf vier Rädern auf Zwischenstop in der 72. Straße

 

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Am Mittwoch Badischen Wein in New York gefunden. „Ich geh dann mal nach Österreich“, sagte die Nachbarin und wandte sich der gegenüberliegenden Regalseite zu.
Es ist berührend,  Badischen Wein aus einem ehemaligen Nachbarort im Regal vor sich liegen zu sehen, dafür fährt man gerne mal ins East Village. Frau Life Science nahm zwei Sorten Badischen mit nach Hause, die dritte lag mit 35 Dollar doch etwa über der Schmerzgrenze. Schmerzgrenzen in Sachen Weinpreise sind allerdings relativ:

WeinUm diese Weinsorte aus dem Regal zu entnehmen, möchte an doch bitte das Verkaufspersonal um Hilfe bitten. (Wenn Sie sechs Flaschen davon mit nach Hause nehmen, erhalten Sie übrigens fast 300 Dollar Rabatt und zahlen nur noch $ 2645,64)

Frau Life Science lässt es sich nicht nehmen, Emailgrüße an das Weingut aus dem Badischen abzusetzen (Heimatverlust macht bis zu einem gewissen Grad irrational).  Sie bekommt allerdings nur einen schlichten Einzeiler vom Praktikanten (?) zurück. Schade.


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Auf dem Weg in die Kita am Donnerstag beim sogenannten Rattenhügel vor der U-Bahn-Haltestelle ein Team von Landschaftspflege-Personen gesehen, die Roosevelt Island frühlingsfein machten. Es waren derer neun – auf engster Fläche. Drei von Ihnen hatten Laubbläser zum um die Schulter hängen, zwei hatten dieselbetriebene Laubbläser, die man am Boden schiebt, der Rest hatte Rechen. Es war ein Wirbeln, ein  Tosen. Ein Tanz von altem Laub und Verpackungsmüll inmitten von  Knattern und Schnauben der Maschinen. Der Forschernachwuchs und Frau Life Science sahen der Performance mehrere Minuten atemlos zu. Man hätte es unbedingt filmen müssen.  Selbst Landschaftspflege kann man auf amerikanisch machen. Wirklich sauber war es danach nicht. Kann man auch nicht verlangen von den neun.

Rattenhügel

Das eigentliche Highlight vom Donnerstag aber war „Oma Annette“. Die schickte der Leiter der früheren Krabbelgruppe mit seinem Sohn vorbei, da er gerade selber keine Zeit hatte. Umzug!
Annette, die Frau Life Science noch nie zuvor getroffen hat, hatte Pizza und Frau Life Science noch den Wein. Geselliges Abendessen für alle mit gelegentlichen Spielunterbrechungen. Für die Erwachsenen Zeit zum Schwätzen. Von der großzügig berechneten Pizza blieb wieder mal nur wenig übrig. Dann ruft der Lifescientist an, er komme später. „Ach Lifescientist, mach doch was du willst, ich sitze hier mit Oma Annette…“ Wobei diese Frau weit mehr ist als „nur“ die Oma. Genau das machte das Treffen so unterhaltsam.

Das Highlight vom Freitag ist, dass endlich der Frühling begonnen hat. Ms. Sally von der Kita trug ein kurzes Sommerkleid zu ihren Doc Martens-Halbschuhen, während Frau Life Science noch mit der Winterjacke herumstolperte. Die nächsten paar Tage werden wieder intensiv Smartphones in Baumkronen gehalten. Schönen Frühling!