(312) Die Achterbahn am Fluss – Oder: Living next door to Alice`s Roundabout

Roundabout Inselperspektive

Was ist das bloß auf dem roten Gestell unterhalb der Queensboro Bridge auf Manhattan-Seite? Familie Life Science hat sich das von Anfang an gefragt. Eine ausrangierte Achterbahn? Der Überrest einer amerikanischen Kirmes? Ein kaputtes Werbeschild? Auch Inselbesucher wunderten sich stets. Es blieb ein ungelöstes Geheimnis.

Bis im Elternnetzwerk jemand ein Plakat mit einer Veranstaltungseinladung postete. Nirgendwo sonst ist Frau Life Science dieses Plakat je aufgefallen. Aber jetzt weiß Frau Life Science endlich, was diese Achterbahn ist. Sie hätte es selber merken müssen: Es ist Kunst.

„East River Roundabout“, so heißt die Installation von der Künstlerin Alice Aycock, eine mittlerweile 71-jährige Bildhauerin, die am selben Tag geboren ist wie Frau Life Science. Sie gehört der Land Art -Bewegung an – Christo und Jeanne Claude lassen grüßen.

Tastes differ – die Geschmäcker sind verschieden. Aber man kann vielleicht schon sagen, dass der East River Roundabout nicht das auf den ersten Blick schönste Werk der Künstlerin ist. Da gibt es sicher andere.

Zugegebenermaßen keine leichte Aufgabenstellung, an einem stillgelegten Gebäude der New Yorker Abfallwirtschaft auf einem entkernten Stahlgerüst ansehnliche Kunst aufzurichten. Was soll da schon gut aussehen? Muss Kunst überhaupt gut aussehen?
Was passt in die unmittelbare Umgebung der selbst so ausdrucksstarken Queensboro Bridge ?

Die Fläche unterhalb des roten Pavillons nennt sich „Andrew Haswell Green Park“. Man muss dazu sagen, dass „Green“ sich nicht auf das Stückchen Englischen Rasen bezieht, sondern Teil des Nachnamens der namensgebenden Person ist. Die Bezeichnung „Park“ scheint eine kleine Übertreibung. Es ist eher ein kleiner Platz. Ebenso könnte man auch einen begrünten Gullideckel als Park ausweisen.

Die auffallend rote Farbe der Stahlträger, ausgewählt von der Künstlerin selbst, wurde nach Kenntnis von Frau Life Science erst im Jahre 2014 angebracht. Nun passt das Ding farblich zur Tram, die darüber hinwegschwebt, hat aber an Schönheit kaum gewonnen. Vielmehr dominiert nun das Gerüst optisch und die Alu-Skulptur, das eigentliche Kunstwerk, verliert sich da ein wenig.

Noch ein Problem gibt es an diesem Ort: Es ist laut. Das Rauschen der vierspurigen und doppelstöckigen Queensboro Bridge, der FDR Drive, ebenfalls vierspurig, das Surren der Tram. Wie abgestumpft müssen die Großstädter sein, um hier im Andrew Haswell Green Park Erholung zu suchen?

Wie auch immer. Vielleicht taugt Alice Aycocks Kunstwerk als Sinnbild für internationale Inselmütter. Frau Life Science kennt kaum eine, deren Insel-Leben nicht auch Züge eine Achterbahnfahrt hat. Traum und Wirklichkeit des New Yorker Expatlebens, ewige Ungewissheit und kurzfristige Richtungsänderungen. Das alles gehört hierher.

Diesen Sonntag wird im Andrew Haswell Green Park die Wiedereröffnung der Anlage nachgefeiert. Es gibt Musik, Kinderbelustigung und Eis. Alice Aycock kommt auch.

https://www.esplanadefriends.org/events/

 

 

 

 

Unter dem Pfeiler der Tram-Seilbahn, links vorbei am Bauschutt-Container, geht es hinauf zum Pavillon, der hinter der Kurve erscheint.

 

Besucher
Allem Surren zum Trotz sitzen hier Städter auf der Suche nach Naherholung. Auch eine sehr gesprächige chinesische Nanny mit einem 8 Monate alten Baby wurde bei der Stippvisite angetroffen.

 

stairway to heavenAchterbahnfragment und Stairway to heaven

 

 

 

Für den trostlosen Ausblick zur Rechten und zur Linken kann Alice nun wirklich nichts.

 

Alice_Aycock's__East_River_Roundabout_,_New_York_CityAnsicht von oben; noch ohne Begrünung.
Kein Geringerer als der Schauspieler und Tänzer Fred Astaire hatte die Künstlerin zu den Alu-Formationen inspiriert (Ist klar, Alice! Fred Astaire! Sieht man gleich an der Art wie sich das Blech rollt!)

 

Alice Aycock
gefunden unter:
https://crystalbridges.org/blog/what-
are-those-sharp-pointy-things-in-the-
additional-parking-area/