(313) Das Katzencafé Brooklyn – Oder: Wo Ratten sich nützlich machen


Hach, die New Yorker und ihre Spleens! Ein Katzencafé, das ist wieder typisch!
Ist es nicht, denn Katzencafés sind zunächst in Taiwan entstanden und dann in Japan sehr erfolgreich geworden. Aber inzwischen gibt es nicht weniger als fünf Katzencafés in New York City.

Eines davon liegt in Brooklyn. Es ist von Roosevelt Island gut mit der Astoria Fähr-Route zu erreichen, umsteigen bei Downtown Wall Street/Pier 11, und weiter mit der Bay Ridge-Linie, die Frau Life Science scherzhaft „Schläfenlocken-Express“ nennt  (auch jüdische Familien machen gerne Sonntagsausflüge), zur Atlantic Avenue. Barrierefrei und kindgerecht, ganz ohne Auto – super!

Katzencafé? Da ist er Lifescientist gleich dabei. Vorreservierung wird empfohlen. Sechs Dollar die halbe Stunde pro erwachsener Person – „Da machen wir doch ´ne Stunde“, schlägt er vor. „Gibt es dann auch ein Getränk?“, will er wissen. „Ich glaube nicht,“ sagt Frau Life Science. „Aber wenn es doch „Café“ heißt?!“, insistiert der Lifescientist.

Direkt Ort kann man zunächst mal nicht ohne Weiteres eintreten. Durch ein Guckfenster spricht die Angestellte mit den potentiellen Gästen. Man möge doch so einen „Waiver“ signieren, den man aus einem Körbchen an der Hauswand entnimmt. No problem! Seitenweises englisches Blabla ungelesen zu unterschreiben, ist eine der leichtesten Übungen für Frau Life Science.

Beim Betreten des Cafés wird man noch einmal näher aufgeklärt, was hier zu beachten ist: Nicht schreien, schlafende Katzen in Ruhe lassen, erst die Hand zum Beschnuppern reichen,  kleine Katzen nicht hochnehmen und noch ein paar mehr Regeln.Der Forschernachwuchs hält sich an keine. Er ist auch viel zu aufgeregt. Overexcited, wie der Amerikaner sagt.


Die Mitarbeiter, die sich hier um das Wohl der Fell-Freunde kümmern, tun dies ehrenamtlich. Sie nehmen das Ganze sehr ernst. Ein  bisschen zu ernst, meint der Lifescientist. Aber wer nur halb bei der Sache ist, wird wohl kaum seine kostbare Freizeit für die Café-Aufsicht opfern.

links: alles , bloß kein Kaffee?!             rechts: „Treats“ für Katzen

In Brooklyns Katzencafé werden zum Teil Ratten eingesetzt, um verwaiste Katzenbabys aufzuziehen. Das soll gut funktionieren, sagt die Mitarbeiterin. Aber auch Adoptionen von bereits aufgenommenen Katzen durch menschliche Bezugspersonen sind hier möglich und gewünscht. Das ist bei amerikanischen Katzencafés so üblich. Der Kuscheldienst der Katzen im Café ist sozusagen das Praktikum für deren zukünftiges Leben in einer neuen Menschen-Familie. Es sorgt angeblich für die nötige Sozialisierung der Katzen.

 

„Meinst du wirklich, hier gibt es keine Getränke?“, fragt der Lifescientist, als er es sich im Katzencafé bequem gemacht hat. „Siehst du denn irgendjemanden mit Kaffee?“, entgegnet Frau Life Science. Aber beide Eltern sind ohnehin viel zu beschäftigt, das Kind im Zaum zu halten. „Ihr Kleiner hat mit der Katzenstreu gespielt“, warnt die Mitarbeiterin und reicht das Desinfektionsmittel. Da haben wir´s wieder, Bad Mom Syndrome,  Frau Life Science hat das erst nicht gleich gesehen und dann – noch schlimmer: auch nicht reagiert!

Katzenklo
Katzenklo…

Der Forschernachwuchs fährt total auf die Katzen ab, bleibt aber nicht länger als drei Sekunden bei ein und demselben Tier, um es so zu bearbeiten wie er denkt, dass es streicheln wäre. Manchmal bekommt er für seinen ungebremsten Überschwang auch gleich die Quittung und eine Katze schnappt nach ihm. Nicht schlimm, zum Glück! Aber natürlich lernt er nicht daraus. Er ist einfach noch ein bisschen zu jung und vom Wesen her zu  temperamentvoll. Andere Kinder wären vielleicht erstmal vorsichtiger. Aber beim nächsten Besuch wäre er bestimmt schon ruhiger, da ist Frau Life Science optimistisch.

Nach einer Stunde verlässt Familie Life Science das Etablissement. „Bye, Thank you!“, rufen die zwei Mitarbeiter, das heißt in dem Fall wohl „Danke fürs wieder Gehen“. Wahrscheinlich atmen Katzen, Ehrenamtliche und weitere Besucher gleichermaßen auf. Nicht umsonst gibt es auch kinderfreie Besuchszeiten in Brooklyns Katzencafé. Wer Familie Life Science hier erlebt hat, der weiß warum.

Hinter der Ausgangstür des Katzencafés, gegenüber von den Unterschriftszetteln, sieht Frau Life Science einen Kaffeeautomaten und einen für Soda. Hier wäre übrigens der Kaffee gewesen, Lifescientist!
(Lebensmittel dürfen aus US-rechtlichen Gründen nicht im Café selbst serviert werden).

https://squareup.com/store/BrooklynCatCafe/

Fenster.JPGFoto mit freundlicher Genehmigung vom Forschernachwuchs

 

Dieser Blog Post ist Kater Pepe gewidmet, der einst die Eheleute Life Science als seine Katzeneltern adoptierte, sie unversehens von Katzen-Ignoranten zu Katzen-Nerds umpolte, und der später nach einem langen und katzengerechten Leben starb. Niemals hätte sich Pepe für die Mitarbeit in einem Katzencafé vor den Karren spannen lassen. Sei´s drum.
Er schnurre in Frieden.