(325) Terrible Two – Oder: Nichts hilft mehr

Frau Life Science fährt nach dem Drop off mit Inlinern von der Kita nach Hause. Sie will schnell zum Müttersport am anderen Ende der Insel. Der Inselmütter-Sport ist eine Einrichtung, die sie – wenn überhaupt noch – am allerliebsten OHNE Kind besucht. „Please join us tomorrow“ hieß es in der Rundmail. Nur dumm, dass es die Email vom Sonntag war. Heute ist morgen schon gestern.

Bei der Fahrt zum vemeintlichen Müttersport entlang der Uferpromenade sieht sie schon von Weitem eine Mutter und Kind in merkwürdiger Haltung. Ist das ein Spiel? Oder weint die Mutter? Sie ist in die Hocke gegangen und hält beide Hände vors Gesicht. Und Frau Life Science wird  unversehens Zeugin einer körperlichen Misshandlung – des Kindes an der Mutter.

Der Junge  – etwa zwei bis drei Jahre alt – steht neben dem Mac Larren Kinderwagen und zieht schreiend mit beiden Händen an den langen blonden Haaren der Mutter. Sie kann sich nicht mehr wehren. Sie weint nur noch und fleht ihn an aufzuhören. Aber er hört nicht auf.

Diese Situation kennt Frau Life Science. Es wundert sie nicht im Geringsten. Die besten und liebsten Zweijährigen sind zu so etwas fähig. Auch Frau Life Science hat das eigene Kind schon mit beiden Händen an den offenen Haaren gezerrt. Auch sie wurde schon vom eigenen Kind zum Weinen gebracht (allerdings nicht wegen der Sache mit den Haaren – in dem Moment war sie nur sauer).

Hier kann sie unmöglich weiterfahren. „My son does excactly the same“, sagt Frau Life Science mehrmals und sie versucht auch das Kind anzusprechen. „Stop it!“ „Let mommy go!“ Das interessiert das Kind nicht im Geringsten. Frau Life Science legt sogar die Hand auf den Rücken der fremden Frau und versucht sie zu beruhigen.

Nichts hilft in so einem Moment. Vielleicht hätte Ablenkung geholfen. Ein Spielzeug, eine vorbeifahrende Feuerwehr, ein Schnellboot auf dem East River. Noch besser: Jemand, den man gut kennt anrufen zu können oder er käme zufällig vorbei.

Die fremde Mutter (im Allgemeinen überhaupt nicht labil oder inkompetent wirkend)  entschuldigt sich für ihren Zusammenbruch. Und für ihr Kind, das sonst gar nicht so ist. Klar nicht! Die Mutter schämt sich – noch mehr, weil Frau Life Science hinzugekommen ist. Niemand hat gerne Zeugen in so einem Moment.

Sie setzt ihr schreiendes Kind zurück in den Buggy und Frau Life Science skatet weiter ohne wirklich geholfen zu haben.

Nächstes Mal lieber weiterfahren und die Frau einfach machen lassen? Andererseits: Ein solches Problem wie diese Mutter hier hat, entsteht aufgrund einer Art Isolation. Da kann sich abwenden kaum die Lösung sein.

Packliste für Frau Life Sciences nächste Spazierfahrt am East River:

  • Taschentücher
  • Schokoeis
  • Gummibärchen
  • Wasserspritzpistole
  • Kaffee, Zigaretten, Prosecco
  • Telefonnummer von Dr. Grimm

 

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