(335) Fußball im Corona Park – Oder: Voller Einsatz, schlechter Platz

Spanferkelgfrillen im Corona Park

Der Corona Park in Queens ist mindestens so groß wie der Central Park, und überwiegend in lateinmerikanischer Hand. Hier wird nicht gepflegt flaniert oder blindwütig gejoggt, hier wird gelebt. Das ganze Wochenende über raucht der Grill und man findet sich zu generationsübergreifenden Picknicks zusammen. Wann immer sich Frau Life Science aufrafft, den Trip mit der  F-Train und der Linie 7 auf sich zu nehmen um mit ihrer Familie durch den Corona Park zu streifen, bleibt etwas von der Lebensfreude und Entspanntheit der Lateinamerikaner an ihr hängen und versetzt sie in einen Zustand von Gelöstheit, der sie in die neue Woche trägt.

Während im Corona Park demnächst die US Open im zeitgemäßen Tennis-Stadion ausgetragen werden, findet parallel dazu an den Wochenenden ein ganz anderes Sportereignis statt: Lateinamerikanischer Fußball auf dem Acker.

großes Feld

Fußball, hierzulande Soccer Ball genannt, ist generell eher unter US-Einwanderern beliebt.  Die Amerikaner an sich begeistern sich ja bekanntlich häufiger für Baseball, Football und Basketball. Jedem Kulturkreis seine Ballsportarten.

Der Lifescientist aber liebt Fußball und betreibt ihn mit ähnlicher Leidenschaft wie seine Forschungen – nur eben von der Couch aus. Sonntags über einen Platz zu hechten und auch noch unter der Woche zu trainieren, das war einmal, dafür hat er schon lange keine Zeit mehr. Und erst die Verletzungsgefahr! Undenkbar, wenn er auf der Arbeit länger ausfiele. Soll dann etwa Frau Life Science die Pipette schwingen, oder was?

guter Platz
Sonntagskicken im Corona Park. Im Hintergrund: die Unisphere Skulptur

„Da ist ganz schön Schmackes dabei“, pfeift der Lifescientist durch die Zähne, nachdem ein dumpfer Schlag aufs Leder in unmittelbarer Nähe ertönt. „Das würde man gar nicht erwarten!“, meint er, spielen die doch auf einem Kunstrasenplatz, der zudem kleiner als ein normales Spielfeld scheint. Aber schnell wird klar: Hier spielen keine Anfänger.

Das Kunstrasenfeld ist außerdem noch das beste, es gibt hier noch weitaus schlechtere, auf denen nicht minder enthusiastisch gekickt wird. Während der Forschernachwuchs mit einem langen Ast in Pfützen stochert, verfolgen Herr und Frau Life Science ein Spiel auf einem denkbar schlechten Feld. Der Rasen ist abgetreten, das Feld zu klein, die Tore wirken lächerlich.

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„Die geben echt alles“, sagt der Lifescientist anerkennend, und mit einem Hauch von Feierlichkeit: „Da sieht man auch schön, was die Faszination von Sport eigentlich ausmacht.“  Das war das Wort zum Sonntag, Lifescientist! Und hoffentlich kein Fall für das Phrasenschein.

Torhüter

Maximal engagiert kicken auf dem schlechtesten Platz im Corona Park; das Hintergrundgeräusch bilden einfliegende Boeings in Richtung LaGuardia Flughafen.

Obstverkauf
Obstverkauf aus dem umfunktionierten Kinderwagen