(341) Wenn es bald Zeit wird – Oder: Es holpert, knirscht und fault

Dinge ändern sich. Nicht immer nur zum Besseren. Die Miete ist teurer geworden. Die Kita auch. Unnötig zu erwähnen: der Fabriklohn ist noch gleich. Die Stimmung dort könnte auch manchmal besser sein. „Ein oder zwei faule Äpfel verderben den ganzen Korb“, sagt der Lifescientist, der gerne in Metaphern spricht.

Wochenendausflüge, die Entspannung bieten sollen, holpern mitunter. Gerade samstags und sonntags werden U-Bahnen ständig umgeleitet. Wartungsarbeiten. Wenn nicht, herrscht irgendwo anders Chaos. Zum Beispiel bei der Fußgängerbrücke zu einem Park, die man endlich, endlich erreicht hat. Sie ist gesperrt. Die Erholung suchende Bevölkerung wird mit kryptischen Hinweisen über alternative Zugangswege informiert. Da steht man dann am Absperrgitter und betreibt Schilder-Hermeneutik: Wie. Könnte. Das. Gemeint. Sein. Heißt das, man muss wieder den halben Weg zurück gehen, um den Park zu erreichen? (Und warum darf man diesen einen schmalen Streifen Gras an der Autobahn überhaupt „Park“ nennen?) „Das ist nicht das, was ich am Wochenende haben will“, meckert der Lifescientist.

Das neue Fruchtjoghurt schmeckt auch nicht. Brauchst du nicht mehr bringen, Frau Life Science. Überhaupt, das Essen. Immer das Gleiche. Immer aufgewärmt. Aber das Fast Food im Fabrikviertel ist auch keine Lösung.

Apropos keine Lösung: Frau Life Science kann und will nicht ewig als Tagelöhnerin bei LeAnn rumjobben.
Als Lehrerin schon eher, aber samstags ist auch nicht gerade der ideale Tag zum Arbeiten. Da muss man ja schon den Park suchen. Aber die Arbeitsgenehmigung läuft ohnehin aus.

Und zuhause…? Hat der Fußboden schon immer so abartig geknirscht, wenn man ganz normal drüber geht? Das ist ja lachhaft. Quiäunk, Quiäunk, Quiäunk.  Auch optisch hat er sehr gelitten. Seit nach einer Reparatur der seit Jahren schwächelnden Klimaanlage Wasser aus dem „reparierten“ Gerät lief, schlug der Holzboden auf einmal Wellen. Weil er keiner war. Nur millimeterdünnes Holzfurnier auf Trägermaterial aufgeklebt. Die Stelle mit dem Wasserschaden wurde später in einem „ähnlichen“ Farbton ersetzt. Dankeschön.

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Frau Life Science hat wirklich nichts gegen Patchwork, nur die Preise sollten dann halt auch etwas alternativer sein. $ 50 pro Quadratmeter knirschendes Furnierpuzzle? Seriously?

Flickschusterei nicht nur beim Fußboden. „Es ist hier immer ein bisschen so, wie wenn man an einer Bettdecke zieht, aber sie ist immer irgendwo zu kurz“, sagt der Lifescientist, der gerne in Metaphern spricht.

Und in Berlin wird alles besser?

Nope,

würde der Kleine sagen.

In Berlin kennt Frau Life Science keinen. Schon gar nicht zwanzig coole Mütter in fünf Häusern. In Berlin fährt (wahrscheinlich) kein Ferry Boat mehr vor der Haustür. Man kann (wahrscheinlich) nicht mehr vom Esstisch aufs Wasser gucken. Und weniger Sonne, dass muss man dann auch verkraften.

Und wenn man dem deutschen Kindergarten mailt, man bräuchte morgen zwei Stunden mehr am Nachmittag, dann kommt NICHT innerhalb einer viertel Stunde eine Antwort und sie heißt sowieso nicht und niemals „no problem“. Also „no“ schon, aber das „problem“ behält man dann selber. Hier ist man mit ein paar extra Dollars so manches Problem los.

Die Life Science Familie freut sich auf Deutschland. Es wird mit der Zeit weniger Reibung geben. Aber die Geschichten liegen am beschaulichen Rand der neuen Stadt vielleicht nicht mehr auf der Straße. Was soll man denn dann bloggen? Doch besser noch bisschen hier bleiben!

Steinskulpturen am Hudson River; Fort Washington