(344) Happy Birthday, Kleiner Schatz! Oder: Hinter den Kulissen einer Kinderparty

Drölfhundertdrix Dollar???? Das machen wir nicht.

Also nein…

Alles was Recht ist…!

Das geht gaaaaaaar nicht…

Und Familie Life Science machten es doch: Sie bestellten den Musik-Onkel von der Insel zur Geburtstagsparty des Kleinen nach Hause. Irgendjemand musste ja auf der Feier für kindgerechte Unterhaltung sorgen. „Reise nach Jerusalem“ auf englisch vor 30 Leuten erklären? – Ms. Life Science cännot du sis!

Der Jim muss kommen und die bespaßen. Aber der kriegt nicht auch noch Trinkgeld bei drölfhundertdrix Dollar. Aber Hallo! Und Prosecco gibt´s auch keinen Schluck. Und keinen Kuchen. Nix da.

Wen lädt man ein? Also die deutschsprachige Insel-Community, ist klar. Dann die paar versprengten Freunde und Bekannte, die man hätte schon längst mal wieder einladen sollen. Und die Kids aus der Kita. Ups, das summiert sich ganz schön, falls die alle kommen. Macht aber auch nichts, da Jim ja ohnehin schon spielt und seine drölfhundertdrix Dollar kriegt, sollen ja viele was von haben.

Platz haben ja alle. Ach was? Und das in New York City? Zu den paar Dingen, die Familie Life Science am Leben hier vermissen wird, gehört definitiv der Gemeinschaftsraum im Haus, den man privat mieten kann. Die Hausverwaltung verlangt einen eigens dafür ausgestellten Scheck – um ihn dann später zu zerreißen. Alright!

So muss man zur Partyvorbereitung nicht einmal aus dem Haus gehen, geschweige denn die eigene Wohnung perfekt aufräumen. Es gibt im Raum eine kleine Küche samt Kühlschrank sowie – auch nicht zu unterschätzen – eine adäquate Toilette, und ein paar Sitzmöbel, die schon bessere Zeiten gesehen haben, aber durchaus zweckmäßig sind. Seit neuestem strahlen die Wände des Raumes in verschiedenen Fliedertönen. Das beste aber am Gemeinschaftsraum ist der Zugang zum Garten, sodass man sich flexibel drinnen und draußen aufhalten kann.

Frau Life Science und der kleine Schatz verteile Einladungen in die „Cabbies“, den Schränkchen der Kinder im Kindergarten. Aus Anstandsgründen lädt man selbstverständlich die ganze Kindergruppe ein, ebenso die, die schon weitergewandert sind zur nächsten Gruppe, aber deren Parties man vor Kurzem auch noch gerne besucht hatte. Wenn die alle kommen?! Frau Life Science kann es überhaupt nicht einschätzen, wie der Rücklauf sein wird.

„I did not get an invite!“, kräht die frühere Bezugserzieherin aus der alten Gruppe mit gespieltem Entsetzen über den Flur. Miss Bee hat eben immer einen lockeren Spruch drauf. Wahrscheinlich könnte sie sich nichts Schlimmeres vorstellen, als sonntags auch noch „Head, shoulders knees and toes“ zu singen. Wer könnte es nicht verstehen.

Apropos Bezugserzieherin. Als Frau Life Science die Kollegin von Ms. Bee,  Ms. Geraldine, einmal fragte, wer denn jetzt nach einer gewissen Vakanzzeit die Bezugserzieherin vom kleinen Schatz sei, ging Ms. Geraldine zur Pinnwand, las einen Zettel und sagte: „me“.

Diese Ms. Geraldine lugt gerade durch die Gruppentür, als Frau Life Science nochmals über den Flur huscht, weil sie mal wieder etwas vergessen hat und sagt auch:  „I did not get an invite.“ Nach Rückfragen stellt sich heraus: das meint sie ernst. Erklär uns einer Amerika!

Am nächsten Tag reicht Frau Life Science mit Sohn die Einladungen nach, auch für die anderen Erzieherinnen in der Gruppe. Zur Sicherheit. Diese liefern umgehend holprige Ausflüchte, aber Ms. Geraldine verspricht zu kommen. „Freizeit, Ms. Geraldine? Pause? Ausruhen?““I do not have a problem!“, sagt sie nur.

Wenige Tage später, wieder im Kindergartenflur, kommt eine Integrationshelferin auf Frau Life Science zu und fragt, womit sich der Forschernachwuchs gerne beschäftigt. Also, worüber er sich freuen würde.

Gesichtsentgleisung bei Frau Life Science. Will die Integrationshelferin eines einzelnen Kindes auch zur Party kommen? Wen hätte man noch alles einladen sollen? Die Damen aus dem Office? Oder gleich die Bezirksleitung? Die Integrationsfachfrau erklärt, sie wolle sich lediglich für eine bestimmte Mutter erkundigen. Ach so!

„Books. He likes books“, sagt Frau Life Science, denn Bücher sind flach und könnten – zumal in englischer Sprache – langfristig nützlich sein.

Und dann ist Partytime. Jim gibt sein Bestes und erweist sich der Investition würdig. Er ist halt auch einfach nett und entspannt drauf. Der Jim halt. Die halbe Party kennt ihn. Die andere Hälfte hat von ihm gehört. Ms. Geraldine schneit herein und bringt sogar ein Geschenk. Es wäre wirklich nicht aufgefallen, hätte sie den Besuch an sich zum Präsent gemacht.

Allgemeiner Geschenke-Overkill. Das beliebte Kinderfest-Prinzip „So viele Gäste wie das Kind alt ist“ hat schon was für sich! Sonst hat man schnell zu viel des Guten. Und was ist bloß von wem… Man packt noch am nächsten Morgen aus. Die Mutter, die Frau Life Science im Verdacht hat, die Integrationsfrau auf sie angesetzt zu haben, schenkte kein Buch, sondern ein ferngesteuertes Auto, das beim kleinen Schatz hervorragend ankommt. Ein Papa brachte zwei Bücher des gleichen Autors, wo eines bei Weitem gereicht hätte. Bei 25 Dollar ist die Grenze hier anscheinend noch nicht unbedingt erreicht. Und alles Hochwertiges und Bewährtes von erfahrenen Parents.

„What can I give to you?“, fragt Frau Life Science Ms. Geraldine und möchte ihr Kuchen zum Mitnehmen aufschwätzen. „No thank you!“, sagt sie, „But you know what? I really would like a sunflower. Because I love sunflowers so much.“ Frau Life Science klaubt ein paar Blumen von den Tischen und reicht sie der Erzieherin. „Thank you for coming and see you tomorrow, Ms. Geraldine!“

Es lebe die Fantasie der Spielzeug-Designer: Weiße Knete in Pressform drücken und die so gewonnenen Zähne in das Plastik-Gebiss einsetzen. Mit dem batteriebetriebenen Bohrer die Knet-Zähne bearbeiten. Das hat der kleine Schatz noch gebraucht!