(348) Das ideale Souvenir für zukünftige Ex-New Yorker – Oder: Häkelmaschen für Frau Life Science

Heute war Frau Life Science mal wieder wieder bei Kassy, der griechischen Seniorin vom bengalischen Barber Shop. Kassy nutzt ja bekanntlich die Wartezeiten im Laden gerne, um sich beispielsweise die eigenen Haare zu waschen. Carpe diem! Und Frau Life Science schreibt jetzt auch mal endlich die längst fällige Kurznachrichten in die Heimat, während die Haarfarbe einwirkt.

Da hört sie es auf einmal hinter sich knistern und rascheln. Was ist das? Frau Life Science hält sich die Brille vors Gesicht. Bloß nicht die Brillenbügel hinters Ohr klemmen! Sonst wird alles voller Farbe. Die Brille so halb vor Augen, erkennt Frau Life Science: Kassy häkelt. Auf ihrem Schoss eine bunte Decke aus in Streifen geschnittenen amerikanischen Einkaufstüten. Frau Life Science kennt das. Sie weiß, dass das geht, und es ist genau ihr Ding. Also nicht so sehr das Häkeln, aber die Upcycling-Decke!

Mit einer dicken, goldenen Häkelnadel werden Masche für Masche Plastikstreifen verarbeitet.

Kassy freut sich, dass Frau Life Science sich freut. Kramt umständlich Fotos von plastikverhäkelten Sitzmöbeln auf ihrer Terrasse auf dem alten I-Phone heraus. Stricken kann sie natürlich auch, mit Wolle dann. Hier, schau, die Hundejäckchen! „I made them all.“

Ein, zwei Tage häkelt Kassy an einer Plastiktüten-Decke. So nebenbei halt. Diese Art Decken seien wetterfest und waschbar, verkündet sie.

Das ist das, was Frau Life Science noch braucht: Eine vielseitig einsetzbare (Tisch-)decke, ein Badvorleger oder was auch immer, für die neue Wohnung, die noch zu finden wäre, gehäkelt mit original Einkaufstüten aus Astorias Geschäften des täglichen Bedarfs, zu denen Frau Life Science die letzten drei Jahre so oft gepilgert ist.

Darum hat Frau Life Science sie der Häkelkünstlerin gleich abgekauft, sobald die einen Preis ersonnen hatte. Kassy häkelt jetzt noch einmal rum und dann kann Frau Life Science die Decke im Frisörladen abholen. Was für eine schöne Erinnerung an die bunte Geschäftswelt in Astoria, an den schrulligen Frisörladen, an die Griechin mit dem rauen Charme und an den amerikanischen Tüten-Irrsinn, denkt Frau Life Science. Und auch an so mache Einzelkämpferin in New York, die hier aus Nichts was machen muss. So eine war sie ja auch.

Häkeln geht immer, sagt Kassy. Aber das Schneiden der Streifen aus Tüten, das nervt.