(351) Ich bauch die hauch – Oder: Entwicklungssprung

Schuhladen am Wochenende, Kinderabteilung. Herr und Frau Life Science sehen die Regale durch. Was gibt’s denn so in Größe US 10?

Auf einmal hat das Kind klobige Plastikschuhe in der Hand, solche, die beim Auftreten leuchten.“Lightning McQueen“, steht auf dem Klettverschluss. Nie gehört. Aber das scheußliche Auto ist Frau Life Science schon ein paar mal begegnet.

Mac Queen
Auto mit Augen und einem grinsenden Kühlergrill – mehr braucht es nicht im die Herzen von dreijährigen  Jungen höher schlagen zu lassen.

„So was darfst du ihm nicht zeigen“, nuschelt Frau Life Science dem Kindsvater zu. „Das hat er sich selber geholt“, erklärt dieser. Auch das noch.

„Wie wärs mit DENEN?“, fragt der Lifescientist und hält ein paar schöne Sneaker in gedeckten Farben hoch.

„Aber ich will DIE“, eifert das Kind. „McQueen!“

McQueen?! Kann der Junge jetzt lesen, oder was?! Oder weiß er etwa mehr als seine Eltern? (Über Disney und Co wohl schon, der Kita sei Dank.)

„Diese Schuhe kaufen wir nicht“, sagt Frau Life Science energisch. Aber dann kommt ein Satz, von dem Frau Life Science nicht wusste, dass ihr Sohn ihn sagen kann:

„Aber andere Kinder haben auch („hauch“) diese Schuhe.“

?!

Mist, jetzt kann der auch noch argumentieren! Einfach mal schnell gelernt! Vor kurzem konnte er nicht einmal richtig sprechen. „Hauch“ jetzt hapert´s noch mit manchen Lauten…

„Die Schuhe gefallen der Mama nicht.“ (Sie sind hässlich wie die Nacht).

„Aber die GEFALLEN mir. Die sind aber söön!“ Das Kind lässt seinen Blick über die Autoschuhe gleiten.

„Die sind zu teuer.“ (Besonders in Anbetracht ihrer Hässlichkeit)

„Sind aber nicht teuer!“

„Wie kommen wir aus der Nummer wieder raus?“, raunt Frau Life Science dem Ehemann zu. „Leuchtschuhe?! Das ist alles Elektroschrott am Ende! Und sieht unmöglich aus“. Sie lässt doch nicht zu, dass sich ihr schönes Kind in ein hässlich blinkendes Plastik-Unwesen verwandelt. Wenn er sie das ein oder andere Mal anziehen würde – ok! Aber wenn er sie erst zuhause hat, dann trägt er sie rund um die Uhr und nimmt sie noch mit in Bett. Und sobald er rausgewachsen ist, fordert er gleich das Folgemodell. Bloß nicht.

Hin und her. Nein. Doch. Nein.

Auf einmal ist das Kind bereit Schuhe anzuprobieren, die den Eltern gefallen. Sinneswandel?! Bereitwillig schlüpft es hinein.

„Passen nicht“, behauptet er ernst. Man ahnt, was er vorhat. Die Autoschuhe werden sich bestimmt äußerst bequem anfühlen!

„Aber nicht mit uns“, sagt Frau Life Science.

Diese Schuhe blieben im Laden. Dafür hat der kleine Schatz jetzt ein neues Spielzeugauto aus der Drogerie nebenan.