(353) Washington DC – Oder: Wochenend-Notizen

Auf der To do – Liste der Familie Life Science steht schon lange ein Trip nach Washington DC. Wie hinkommen?

Die Preise fürs Zug fahren sind unverschämt. Da hat man schon gleich keine Lust mehr. Selber fahren? Nach dem Kenntnisstand von Familie Life Science sind die Eheleute nicht berechtigt, in New York ein (Miet-)Auto zu steuern, da sie zwar dauerhafte New York Residents sind, jedoch keinen lokalen Führerschein besitzen. Sie haben es bisher auch konsequent aufs aktive Autofahren verzichtet. So eng muss man das doch nicht sehen, mag man denken. Aber es gibt noch weitere Gründe, die dagegen sprechen, dazu gleich mehr.

Familie Life Science hat sich letztendlich für den Fernbus entschieden. Sie findet sich auf getrennten Wegen am Abfahrtspunkt beim Aufgang der High Line ein – der Lifescientist kommt vom Institutsviertel, Frau Life Science und das Kind von der Insel. Noch bevor der Bus die Stadt verlassen hat, ist der Lifescientist schon eingeschlafen. Man stelle sich das einmal hinter dem Steuer vor…

Die Fahrt läuft wunderbar. Bald schlafen beide Jungs. Es hat sich aber in jedem Fall gelohnt, Plätze am Panorama-Fenster zu reservieren, vor allem, wenn man einen dreijährigen Verkehrsexperten mit sich führt. Mit ordentlicher Verspätung, die bereits eingeplant scheint, trifft der Fernbus in Washington DC, Union Station ein, wo bereits rote Taxis im Regen warten.

Das Bed and Breakfast liegt in einem ruhigen Wohnviertel einer von Bäumen gesäumten und von Herbstlaub bedeckten Straße. Es ist längst dunkel. Am Treppenaufgang zum Haus erinnert ein Grabstein an den tragischen Tod eines früheren Gastes dieses Hauses. Leichenteile weiterer Personen liegen verstreut. Die Ratten sind auch schon da. Aber so etwas schreckt Familie Life Science schon lange nicht mehr, auch nicht Tage nach Halloween. Ist doch reizend. Hier gibt man sich Mühe mit der Gartengestaltung!

So viel Liebe zum Detail, nicht nur, was die Halloween-Dekoration angeht. Hier bin ich Gast, hier darf ich sein! Hier ein Schildchen, dort ein Täfelchen, hier ein Wegweiser, dort eine Info. Hola, Salute, Shalom, Bonjour, Hallo. Es wird an alles gedacht. Man soll sich wohlfühlen, und man tut es auch. Selbst wenn nicht alles das Neuste ist und manches „out of order“. Die Gastfreundschaft ist definitiv in Betrieb.

Womöglich ist diese Unterkunft dazu geeignet, das Trauma der Familie Life Science in Sachen Auswärtsunterbringung schrittweise abzubauen. Frau Life Science erinnert sich noch gut an die Abgründe ihres Bahama-Urlaubs, an das (unübertrieben) einsturzgefährdete Hotel in Philadelphias Altstadt und an die Schwägerin, die im Sommerurlaub im Garten saß und regelmäßig wiederholte: „Das Haus ist so schön. Aber. Es ist soooo schade.“ (Ein jemand aus Paris war irgendwie zu einem stilvoll eingerichteten Ferienhaus auf Long Island gekommen und pflegte fortan ausschließlich seinen Airbnb-Account, nicht aber das Haus. Trostlos, sich vorzustellen, wie das Haus Sommer für Sommer an Seele verliert).  Da 2018 das Jahr der Dienstreisen war, hat das Vertrauen des Lifescientisten in unbekannte Herbergen noch mehr gelitten. Was soll´s.

Geglückte Anreise, eine schöne Unterkunft und der perfekte Indian Summer in Washington DC. So ein Wochenende gehört zweifelsohne zu den Punkten auf der To do-Liste, an deren Abhaken man gerne arbeitet.

Und nicht zum ersten Mal erscheint es anderswo in diesem Land wieder schöner als New York City. Aber sagen Sie´s keinem.

 

Vom Panoramafenster aus, ein Stockwerk über dem Busfahrer, hat der kleine Schatz die ganze Straße im Blick