(354) Bachelor 2037 – Oder: Vorsorge

Dass ein Kindergeburtstag heutzutage zwangsläufig ein Rausch von Konsumgütern mit sich bringt, war bei der Geburtstagsparty des Forschernachwuchses festzustellen. Erst bei der Feier des eigenen Kindes stellte Frau Life Science fest, dass sie bei den letzten Party-Besuchen möglicherweise das übliche Schenk-Level etwas unterboten hat – in diesem Fall weniger aus Geiz oder Sparsamkeit, sondern aus schlichter Unkenntnis.

Unter 30 Dollar pro Präsent geht offenbar nichts mehr und der Trend geht auch zum Zweitgeschenk. Ein ferngesteuertes Auto UND Tierstempel, eine kleine elektrische Eisenbahn UND ein Lern-Spiel-Buch. Die Schenkerei hat natürlich auch eine kulturelle Komponente, glaubt Frau Life Science. Sie persönlich stimmt jedenfalls der Aussage ihrer deutsch-österreichisch sozialisierten Mütterfreundin zu: viel mehr als 10 Dollar pro Geschenk sollte es doch in dem Alter eigentlich gar nicht sein.

Auch in diesen Tagen flattert wieder eine elektronische Einladung eines Kita-Kindes ins Postfach. Ein Foto des nun drei gewordenen Leandro wurde an den Lasthaken eines Baustellenkrans montiert, die Software der Online-Party-Plattform macht es möglich. Mit einem Klick landet man als Empfänger auf der digitalen Gästeliste – „attending“. Die Party steigt von halb elf bis zwölf Uhr in einer Kinderspielhalle in Astoria, von deren Vorhandensein Frau Life Science etwa drei Jahre zu spät erfährt, aber das ist ein anderes Thema.

Nun zieht sie bei strömenden Regen mit dem Forschernachwuchs los um noch schnell ein Geschenk zu besorgen. Ein Feuerwehr-Set UND ein Stickerbuch. Man lernt ja dazu… Das Feuerwehr-Set kann nicht so schlecht sein, denn das schenkende Kind möchte es am liebsten selbst behalten. Aber hat Leandro genau das vielleicht schon? Oder 17 ähnliche? Das weiß keiner.

Am Abend vorher wird der Kindergeburtstag noch einmal im Familienrat durchgesprochen. Welches Elternteil übernimmt die „Schicht“, wie kommt man hin? Gibt´s da gar noch was zum Lunch? Die notwendigen Informationen findet man auf der Party-Plattform, von der auch schon zwei automatische Erinnerungsmails abgesetzt wurden. Dort entdeckt Frau Life Science nun auch eine Nachricht, die sie bisher übersehen hat:

If you wish to bring a gift,
books or a contribution to
Leandro´s college savings plan
are most appreciated! 

Leandros Eltern wollen also hat keine made in China – Spielsachenflut ins Haus gespült bekommen, sondern bevorzugen Bücher oder ein Beitrag zu Leandros Colllege-Sparvertrag. Es gibt einen Link, der von der Online-Party-Plattform direkt zur Online-Geldgeschenk-Plattform führt und die Möglichkeit bietet, einen individuellen Beitrag zum steuergeförderten Ausbildungskonto von Leandro zu leisten.

Jetzt schon ans College denken? Ist das nicht übertrieben?

„I sold some organs“, hat man dieser Tage eine Institutsdirektorin sarkastisch sagen hören, als sie über die Ausbildung eines ihrer Kinder sprach. Bei den Kosten hierzulande muss man anscheinend kreativ werden und notfalls als Eltern an bezahlte Organspende denken. Oder schon beim Kindergeburtstag die Weichen stellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie von Leandro Frau Life Science auffällt – positiv! Das Feuerwehrset jedenfalls wird wieder ausgepackt und gestückelt im Adventskalender des kleinen Schatzes landen.

Happy Birthday, Leandro! Und alles Gute für deine Zukunft.

 

Its just love