(358) Lästiges mit der Bank – Oder: Holprig in die neue Woche

In den letzten vier Wochen wurde die Bankkarte von Frau Life Science zweimal gesperrt. Beide Male wegen Kinkerlitzchen und beide Male maximal nervraubend. Frau Life Science konnte plötzlich kein Bargeld ziehen. An mehreren Automaten. Ok, sie wollte viel ziehen, denn sie musste auch noch die Babysitterin bezahlen, die am Abend kommen sollte (rot markierter Tag im Kalender: Frau Life Science IST nicht, sie HAT eine Babysitterin). Ehrensache, die Babysitterin kriegt nen gescheiten Stundenlohn, damit sie auch herkommt und die Mühen mit der unsäglichen Baustellen-F-Train auf sich nimmt, aber vor allem, damit sie das Kind gut behandelt. Also guter Stundenlohn mal 5 Stunden! Oh, Mann! Und dann hat man in dem österreichischen Lokal, das die Ex-Kollegin ausgesucht hat (downtown, Anfahrt alleine schon eine Dreiviertelstunde unter den aktuellen Bedingungen) noch nichts gegessen oder getrunken. Und am Vormittag schon im Indoor-Spielplatz (Regensonntag)  27 Dollar liegen lassen plus Spesen. Amüsement in New York… Am besten man bleibt zuhause.

Beim Geldautomaten wird angezeigt, dass nicht genug Geld auf dem Konto sei. So ausschweifend hat Frau Life Science jetzt auch wieder nicht gelebt, seid der Lifescientist weg ist. Was ist jetzt, kein Geld mehr oder gesperrt oder beides? Mal wieder Identitätsdiebstahl?

Leichte Panik: In wenigen Stunden kommt die Babysitterin und es ist kein Cash verfügbar und gewisse Leute glauben, Frau Life Science sei die Hauptperson des Abends downtown in der österreichischen Bar. Der Lifescientist fliegt um die Welt und kommt erst nächste Woche. Seit Tagen miserabel erreichbar – mal keine Zeit, mal keinen Strom, keinen Empfang, keine kompatiblen Zeitzonen, Jet lag. Na, super.

Es gibt dann noch Cash über die deutsche Kreditkarte. Und die Zeche von Frau Life Science zahlen später die Kollegen, sie dulden keinen Widerspruch. Vom Bankkarten-Gedöns wissen sie gar nichts.

Mir der amerikanischen Karte kauft Frau Life Science zwischen den zwei Geldautomaten, die sie konsultiert hat, noch spontan einen Adventskranz (frei nach Luther: Wenn ich wüsste, dass ich morgen abreiste, würde ich heute noch einen Adventskranz kaufen) Na also, geht doch!, denkt sich Frau Life Science, nicht ahnend, dass die genutzte Karte zu der Zeit schon „gesperrt“ ist.

Am nächsten Tag muss Frau Life Science auf der Bank of America nach dem Rechten sehen, hierzu die MetroCard aufladen, da Bankfiliale nicht auf der Insel. Da findet sie die die Bankkarte nicht mehr im Geldbeutel. Frau Life Science ist fast die Ruhe selbst, zumindest was das Wiederfinden der Karte betrifft. Die Karte funktioniert ja offenbar ohnehin gerade nicht richtig – das einzige, was man mit der Karte tun  kann, ist ein Adventskranz zu kaufen, aber so etwas würde ein potentieller Dieb nicht unbegrenzt tun. Außerdem ist sie ja auf Roosevelt Island, da kommt so schnell nichts weg.

Zehn Minuten später erhält Frau Life Science ihre Karte aus den Händen einer Kassierin des Supermarktes, in dem der Geldautomat aufgestellt ist. In der Aufregung und dem zwanzigmal probieren, musste sie sie direkt im Automaten stecken gelassen haben.

Mit der wiedergewonnenen Karte auf zur Bank. Nun können aber Mitarbeiter der Bank of America die Karte nicht entsperren, auch wenn man leibhaftig und mit Karte vor ihnen steht. Nicht einmal die Passnummer hilft da weiter. Statt dessen muss an einer Stelle anrufen und sich dort mit einem sms-Code und der Passnummer identifizieren.

Ob sie denn nicht die App hat, fragen die Angestellten mitleidig. Eine solche helfe beim Entsperren von Karten ungemein.

Ja, die App, das ist auch so eine Sache. Frau Life Science wollte immer diese App. Sie wollte auch mal wie ihr smarter Kollege die Gehalts-Schecks noch in der Schule abfotografieren um sie einzulösen, anstatt sie physisch zu einem Geldautomaten zu transportieren und einzulesen. Aber für die App muss man sich mit Steuernummer und all solchen Dingen identifizieren. Diese Identitätsbeweise hatte Frau Life Science erst lange nach Erstellen der Kontokarte erhalten und die waren nie mit dem Konto verknüpft. Vermutlich dürfte es Frau Life Sciences Bankkarte sowieso gar nicht geben.

Frau Life Science kann nicht fassen, dass sie schon wieder beim Fraud Department anrufen muss. Aus Mitleid übernimmt das eine Bankangestellte für sie. Bei eingeschaltetem Lautsprecher in ihrer Büro-Ecke. Aber die Stimmung ist eisig, weil Frau Life Science ein bisschen zu direkt und in zu schlechtem Englisch gefragt hat, warum jemand am Telefon etwas entsperren kann und Bankangestellte vor Ort mit exakt denselben Informationen das nicht können. Der Schwager von Frau Life Science ist bei einer deutschen Bank beschäftigt und der kann ALLES!
Als es bei der Hotline heißt, die Wartezeit betrage 10-30 Minuten, die Angestellte will das ernsthaft durchziehen, gibt Frau Life Science auf. 10-30 Minuten mit der kratzigen Bankangestellten und ihrem Trainee in einem Büro in der Hotline hängen. Nein danke.

Frau Life Science versucht es zwei Blocks weiter, in einer Nachbar-Filiale, denn sie kann nicht glauben, dass es nicht geht und erhält wieder den Hinweis, man könne ausschließlich telefonisch entsperren und reicht ihr hierzu nochmals eine spezielle Nummer. Das Telefon von Frau Life Science hat jetzt plötzlich nur noch 2%. Der Akku ist auch noch kein Jahr alt, aber schwächelt gewaltig.

Da fragt Frau Life Science nochmal an, ob es keinen anderen Weg gebe, in Anbetracht des schwächelnden Telefons, und wird in ein leer stehende Büro geleitet, wo sie das Festnetz benutzen darf. Das war jetzt nicht, was sie wollte, aber auch gut. Die Bankangestellte wählt die Entsperrungs-Nummer. Ob sie die spanischsprachige Hotline nehmen soll? Aber Frau Life Science ist ein wirklich hoffnungsloser Fall, da hilft auch kein Spanisch mehr. Die Angestellte verschwindet und lässt Frau Life Science alleine im gläsernen Büro.

„What is the reason for your call?“, fragt die Computerstimme.

„Blocked debit card“, sagt Frau Life Science  laut und überdeutlich.

„Ok! Lost debit card!, antwortet die Maschine.

„Nooooo!“ , schreit frau Life Science, aber nutzt ja nix.

Beim Einsprechen der Kontonummer wird eine Fantasie-Nummer „erkannt“. Keine Ziffer stimmt überein. Es ist zum Mäuse melken. Diese Hotlines!!! Die verstehen nur amerikanischen Slang! Nummer eintippen klappt auch nicht.

Die Passnummer liest Frau Life Science von ihrem zweiprozentigen Handy ab,das ein Foto ihres Passes gespeichert hat und überträgt sie sicherheitshalber mit einem gemopsten Kuli auf eine Visitenkarte. Wer zum Teufel führt denn einen Pass mit, außer zum Reisen?

Die Anrufzeit zieht sich endlos in die Länge. Thanks for holdig. We appreciate your patience. Nutzen Sie doch die App und dergleichen mehr. Bachs wohltemperiertes Klavier. Endlos und von vorn. Bald kann Frau Life Science mit den „Kollegen“ aus den Nachbarbüros Mittag machen.

Die Bankangestellte kommt zurück in das für Frau Life Science bereitgestellte Büro. Eine halbe Stunde Wartezeit noch? Es gäbe noch eine Servicenummer, die in der Regel schneller sei, wisse sie inzwischen. Sie legt auf und wählt erneut.

Mit der „schnelleren“ Nummer wird nach dem erneuten Verifizierungsprozess (Name, Kontonummer, neuer sms-code aufs zweiprozentige Handy, Passnummer) eine Wartezeit von „One hour seven minutes to one hour fortifive minutes“ angegeben. Wäre man bloß vorhin in der Leitung geblieben! Frau Life Science gibt auf. Ein anderer Mitarbeiter versucht auch noch zu helfen, macht aber dieselbe Erfahrung. „I really wish we could unlock it here“, sagt der Angestellte. „It would be so much easier“.

Ist klar. Wenn man jedem Kunden zweimal im Monat die Karte sperrt, dann  häufen sich eben die Anrufe im Fraud Department, wo offenbar nur eine handvoll Mitarbeiter die Kunden des ganzen Landes bedienen.

Völlig entnervt geht Frau Life Science nach Haue. Sie hätte wirklich gern die Umsatzliste eingesehen, es gab da einige unklare Buchungen, die sie recherchieren wollte. Und vor allem hätte sie gerne die Karte entsperrt und sei es nur um irgendetwas von der wachsenden Liste abgearbeitet zu kriegen.

Zuhause macht sie eine dringend anstehende Schreibarbeit und arbeitet gleichzeitig den Anruf bei der Hotline ab. Verschleierte Frauen in der Stadt schieben sich oft das Handy ins Kopftuch, um die Hände frei zu haben, wenn sie telefonieren. Das kann Frau Life Science auch. Sie macht ihre PC-Arbeit mit umgebundenen Telefon. Sie findet nämlich den Lautsprecher am Handy  nicht, legt stattdessen versehentlich auf und muss sich nochmal einwählen (Verifizierung mit Name, Kontonummer, neuer sms-code, Pass-Nummer). Auch der Lifescientist ruft plötzlich noch an und auch hierfür muss sie wieder die angesparte Wartezeit verfallen lassen und neu anrufen. Neue Verifizierung mit Name, Kontonummer, neuem sms-code, Pass-Nummer.

Nach  einer guten Stunde endlich ein Operator in der Leitung: Mündliches Durcharbeiten von gebuchten Umsätzen, einer banaler als der andere (ja, Ferry bot $ 2,75 das war sie, Frau Life Sience, und sie hat auch bei Gristedes für 6 Dollar eingekauft und sie war im Indoorspielplatz und und und). Alles normal! Alles ok! Dann ist die Karte entsperrt. „Is there anything else that I can hep you with today?“  „No. Thanks! I can´t be helped with anymore. In general. “

Ebenso ist der Grund für die Sperrung erkannt: Ein bestimmter Online-Anbieter löst die Blockade aus, wenn Frau Life Science mehr als einmal versucht, mit ihrer amerikanischen Bankkarte zu bezahlen. Dieser komische Dienstleister, auf den Frau Life Science sie angewiesen ist, nimmt nur Paypal. Wenn man aber in Unkenntnis mehrmals die normale Bankkarte versucht, interpretiert das die Bank einen Tag später als „komischer Vorgang“ und sperrt den Account.

Völlig unausgeglichen und mit dem Gefühl wieder nichts geschafft zu haben, holt Frau Life Science am Nachmittag das Kind vom Kindergarten ab. Aber die Nachwehen der Party mit der Babysitterin am Vorabend sorgend dafür, dass es sich noch vor 19:00 Uhr bei „Conni in dem Bergen“ an die Mama lehnt, dann in die andere Richtung seitlich wegkippt und einschlummert bis zum nächsten Morgen um 8.00 Uhr. Chapeau!

 

Fazit: 

Frau Life Science ist emotional doch mitgenommen vom Umzug und kann auf Verwaltunsgshürden nur noch eingeschränkt geistig flexibel und zielführend reagieren.

Dass Frau Life Science mitgenommen ist, zeigt auch die zunehmende Verlieritis.

Auf Roosevelt Island kommt nichts weg.

Die Bank of America wird Frau Life Science nicht vermissen, insbesondere nicht die Fraud Departement Hotline und das Verwalten von mehreren Girokonten.

 

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Viel vor. Nervös?