Denken; kritisch nach-, quer-, mit-, an sich und überhaupt

Frau Life Science neigt nicht dazu, sich über die pandemische Lage bei YouTube zu „informieren“. Dieses endlose Gelaber fragwürdiger Protagonisten ist ihr viel zu unübersichtlich. Man weiß nie, worum es in so einem Video überhaupt geht und was auf einen zukommt, ehe man sich nicht mindestens 10 Minuten hat zuschwallen lassen. Etwas grob überfliegen geht ja nicht beim Medium Video. Bhakdi, Wodarg und Konsorten wollen dann schon Ihre Lebenszeit persönlich aus Ihnen heraussaugen.

In Frau Life Sciences nahen Umfeld wurden nun Videos von Sahra Wagenknecht, der ehemaligen Parteivorsitzenden der Linken, geteilt. Es ging um Intensivbetten.

Sahra Wagenknecht, die Frau Life Science früher nicht unbedingt unsympathisch war, ist unter die Rattenfänger gegangen.

Klar, ist sie keine Corona-Leugnerin. Ihr Glaubensbekenntnis beinhaltet das Vorhandensein eines krank machenden, potentiell tödlichen Virus, die generelle Wirksamkeit von Impfungen und die Legitimation von PCR als Nachweis einer Infektion. Soweit so anschlussfähig an die gesellschaftliche Mitte.

Dennoch gibt sie Querdenkern Zucker. In ihrer Wochenschau auf YouTube deckt sie einen vermeintlichen Skandal von „6000 aus der Statistik verschwundenen Intensivbetten“ auf. Doch in ihrer Position und mit ihren intellektuellen Mitteln müsste es ihr eigentlich möglich sein, in diesem Zusammenhang an Erklärungen zu gelangen. Zum Beispiel, indem sie einfach mal bei der DIVI (die Vereinigung für Intensivmedizin) nachfragt. Andere haben das getan.

Wo kommen wir eigentlich hin, wenn jede Sibylle und jeder Stefan zuhause mitzählen muss, wie viele Intensivbetten es gerade in Deutschland noch gibt? Echte Betten, oder solche auf Papier, Betten mit und Betten ohne Pfleger, Betten, die frei sind, weil Leute auf OPs warten. Betten, die im Keller stehen. Betten, Betten, Betten. Immer hört man Betten!

Währenddessen wird gestorben. Aber Hauptsache, Sibylle und Stefan haben das mit den Betten noch einmal hinterfragt.

Sahra Wagenkecht hat auch Gedanken zum Impfen. Wieder Scharnier-artig: Immer noch am Common Sense dran, aber den ganzen anderen Flügel auch bedient. Ja, Impfen ist irgendwie nicht ganz schlecht, aber: doch bitte nur die Risikogruppen. Impfstoffe wirken schon irgendwie, aber Professor Stöhr hätte halt das bessere Zeug gehabt.

Wer Impfgegner ist, hört ihr gerne zu, weil sie etwas sagt, das wenigstens ein bisschen in seine Richtung geht. „Hey, die Wagenknecht, die war doch immer im Fernsehen!“

Warum sind Impfstoffe denn jetzt plötzlich genbasiert? Wundert sich Frau Wagenknecht. Und Frau Life Science wundert sich, warum letztere per Video zu ihrer Community spricht und ihnen nicht kopierte Briefe nach Hause schickt oder anruft? Früher hat man doch auch kein YouTube gehabt!

Im nächsten Satz dann wieder: Nichts gegen Impfung, sollen sie sich doch impfen, die Risikogruppen! Kann sich doch jeder selbst schützen.

Herzmädchen können es nicht. Sie sind darauf angewiesen, das andere sie huckepack mit ihrem Impfschutz mitnehmen.

Eine Impfung schützt das Umfeld überhaupt nicht. Null Anhaltspunkte, meint Frau Wagenknecht. Wenn es um so einen zentralen Punkt geht, sollte man sich dringend besser informieren, ehe man es in der Öffentlichkeit erzählt! Aber solche Menschen kennen nur schwarz-weiß. Schützt oder schützt nicht, dazwischen gibt es nichts – schützt weitestgehend, zum Beispiel.

Was bei Sahra Wagenknecht auch schwer zu ertragen ist: Die eingestreuten Verstärker für Likes und Kommentare: Es interessiert Sahrah Wagenknecht, die ihre Zuschauer mit „Euch“ und „Ihr“ anspricht, offenbar PERSÖNLICH, was ihre Follower so an Gedanken und Gefühlen zu den Vorgängen haben und was sie alle sonst noch so wissen. In jedem Video bittet sie mehrmals, dies zu posten. Es bringt Sahra ja weiter! Sie kriegt da so viele geschätzte Anregungen!Klar, bringt es sie weiter, wenn der x-te Hanspeter59 Ivermectin als verkanntes und rettendes Allheilmittel in der Pandemie empfiehlt. An anderer Stelle: es baut sie, Sahra Wagenknecht, PERSÖNLICH so richtig auf, wenn sie positive Rückmeldungen bekommt. Dadurch kann sie sich Anfeindungen besser entgegenstellen.

Frau Life Science ist sich auch sicher, dass Klicks und Kommentare Sahra Wagenknecht weiterbringen, und mehr Klicks und mehr Kommentare noch weiter. Ganz bestimmt. Das war schon immer so bei YouTube.

3 Gedanken zu “Denken; kritisch nach-, quer-, mit-, an sich und überhaupt

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