Wenn Ihnen die (Klassen)lehrkraft Ihres Kindes persönlich schreibt, dann hat das Gründe. Dass sie sich 15 Minuten hinsetzt und das Verhalten oder die Leistung ihres Nachwuchses beschreibt. Sie kriegt dafür genau nix, weder Arbeitszeit angerechnet, noch Lob vom Team oder vom Chef oder ein Dankeschön. Und es kommt auch keine Kritik, wenn sie es bleiben lässt.
Sie kontaktiert Sie also zumeist aus Sorge – ums Kind oder um die Gruppe.
In dem Moment beansprucht Ihr Nachwuchs im Vergleich zu den 25 anderen Kindern einen überproportionalen Anteil der ohnehin nicht erfassten Arbeitszeit seiner Lehrperson. Das ist erstmal total ok, aber Sie sollten es wissen.
Die Lehrkraft wirft Ihnen einen Ball zu. Nehmen Sie ihn an.
Das Schlechteste, was Sie jetzt tun können, wenn Sie „so eine“ Email erhalten haben, ist, weit auszuholen, in Juristischendeutsch zu verfallen und das Vorgebrachte in einer komplexen Argumentationskette umfassend zu widerlegen, bis die Lehrkraft sich aus lauter Verzweiflung mit dem Rotstift die eigenen Zähne anmalt. (Das Schlechteste, was man tun kann, machen leider viele Eltern. Besonders an Berliner Privatschulen.)
Nein, Ihr Kind ist nicht Opfer seines Nebensitzers. Sonst ginge die E-Mail an dessen Eltern.
Nein, es können nicht alle eine 1 haben. Lassen Sie uns Lehrkräften bitte das letzte bisschen „Skala“ von 1 bis zur 3-.
Und Nein, es liegt nicht am Unterricht des Französischlehrers, dass ihr Kind nicht brilliert hat. Schülerjob ist es, im Unterricht aufzupassen, egal wie gut dieser (aus der Sicht der Eltern) ist.
Genau wie es der Job der Lehrperson ist, Unterricht zu machen, obwohl alles dagegen spricht, die Liselotte über die Tische kotzt und Oskar mit allen Streit hat und wieder mal Feueralarm war und die Raumtemperatur bereits im Mai inadäquat ist.
Es ist auch so, dass Sie als Eltern vor Ort nicht dabei sind (das wäre ja was) und der Bericht von Ihrem Kind könnte eventuell „ein Bias haben“, wie der Lifescientist sagen würde. Das heißt, er hat eine subjektive Schlagseite.
Lehren ist ein Beruf, den man irgendwie lernen sollte, und sei es durchs Tun selbst. Wenn Sie durch Ihre Qualifikation in einer anderen Branche einen praktischen Tipp haben, wie man’s richtig macht, dann behalten Sie den bitte für sich. Aber zum Trost: die Türen zum Quereinstieg stehen Ihnen sperrangelweit offen. Nur Mut! Nicht beraten, sondern ausüben. Dann sprechen wir uns wieder.
Noch einmal: den zugespielten Ball annehmen. Das ist das, was zu tun ist im Falle einer Kontaktaufnahme durch Ihre Lehrperson. „Sich schützend vors Kind werfen“ können Sie bei der Schwiegermutter oder beim Fußballtrainer. Aber bei Lehrkräften, die sich halbwegs bemühen, lassen Sie es einfach.
Sätze, die im der Eltern/Lehrer-Kommunikation auch ab und zu vorkommen und die wirklich Freude machen:
Bei uns zuhause ist es leider genauso.
Wir werden mal darauf achten.
Es ist wegen X,Y, und Z ein bisschen durchgerutscht, aber danke für den Hinweis.
Ich habe mit meinem Kind gesprochen und er/sie war sehr einsichtig. Bitte melden Sie sich, wenn es nochmal vorkommt. Vielen Dank.
Wie hat sich X und Y entwickelt? Ist es besser geworden?
Und so gemeinsam kleine Schritte der Verhaltensänderung gehen. Dann kommen wir ins Geschäft und dann macht Schule Spaß!
Sehr schön, also die Liste von x, y, z würde mich ja mal brennend interessieren
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