L-Ehrenamt

Wussten Sie schon? An jede Lehrer:innenstelle (hier im Angestelltenverhältnis) ist automatisch ein Ehrenamt angegliedert. „Ich mein’s ernst“, sagt der Forschernachwuchs immer, um seinen Aussagen Nachdruck zu verleihen.

Frau Life Science meint es auch ernst: Eine Lehrerin beginnt ihre Arbeit hauptamtlich, und macht sie ehrenamtlich fertig.

Die Klassenarbeit setzt sie auf, bereitet die Klasse darauf vor, beaufsichtigt die Arbeit und beginnt die Korrektur, die sie dann ehrenamtlich abschließt.

Ja, die Ferien sind rausgerechnet.

Es sind in der Grundschule gar nicht Unterricht und Noten, die zu viel Arbeit machen, es ist das Außerunterrichtliche, gesetzlich verpflichtende Einzelgespräche mit dutzenden Kindern, Sitzungen, Konferenzen, Zwischenfälle mit Schülern , dies und das. Nichts davon ist wirklich überflüssig, alles muss getan werden.

Ein Kollege sagt, es sei wie im Supermarkt einen Euro an der Kasse abzugeben und nach Lust und Laune einzukaufen. Weil man ja bezahlt hat. So darf bei Lehrern alles einfach dazukommen. Noch DIE Einzelgespräche und DER Förderplan und DIE Vorschrift. Ohne Anpassung der Personalstärke oder des Gehalts.

Die wirtschaftliche Verwertung des Ehrenamtes ist im Bildungswesen so erfolgreich, weil die gesetzlich beschlossenen Pflicht zur Zeiterfassung aus dem Jahre 2019 einfach nicht umgesetzt wird. Wozu auch Gesetze umsetzen in einem Rechtsstaat?

Und wen interessiert schon Arbeitsrecht, wenn es um LehrerInnen geht?

Besserung ist nicht im Sicht.

Es wäre mal interessant zu erfahren, an welchem Tag des Monats durchschnittlich so der Kipppunkt ist. Den Ehrenamts-Übertrittstag quasi. Also ähnlich wie der traurige Tag, ab dem wir gesellschaftlich die Ressourcen überstrapazieren (Earth Overshoot day) oder der Equal Pay Day, der markiert, wie lange Frauen schon unentgeltlich arbeiten, würde der selbe Lohn wie bei Männern zugrunde liegen. Den Tag könnte man sich direkt in den Lehrerinnenkalender eintragen.

Und dass auf dem Vertretungsplan immer ein bisschen zu viele Namen stehen, wundert einen dann auch nicht mehr.

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