Frau Life Science ist ja aus femininen Gründen für alle Geschenke von den/an die Kinder(n) und von dem/an den Mann verantwortlich. Sie ist Christkind, Weihnachtsfrau, Osterhäsin und Geburtstagswichtel zugleich, spielt der Schwiegermutter, Schwägerin und anderen in unzähligen Chats ganzjährig immer neue Schenkideen zu, und bestellt sie Zweifelsfall auch gleich für diese und erhält im Gegenzug Hinweise, was sie selbst eben schnell noch besorgen muss.
Man könnte meinen, Frau Life Science habe ein Händchen für Geschenke. Hat sie aber nicht! Wohl eher haben andere eines, diese Dinge auf sie abzuwälzen. Es ist ihr alles ein Graus und ohne ihre kämpferische Freundin Amazone würde das alles gar nicht funktionieren.
Da sie dieser Tage Geburtstag hatte, geschah es, dass sie für ihr eigenes Geschenk auch wieder verantwortlich war. Wer sonst?
In Absprache mit dem Ehemann bestellte sie eine Kaffeemaschine, da sie ja diejenige war, die den Vertrag mit der Kriegerin innehatte.
Sie selbst war mit Instant-Kaffee glücklich, aber das kommt bei Gästen ja nicht gut an. Immer, wenn Besuch kam, benutzte sie darum einen Filterhalter und brühte den Kaffee von Hand auf auf. Das war schon immer so. Obwohl es immer hieß, sie solle keine Umstände machen, machte sie das mit dem Kaffee maximal umständlich, so wie sie es von Elternhaus kannte. Sie musste beim Aufbrühen immer daneben stehen, es war wacklig, dauerte ewig, am Schluss schmeckte es keinem und die Gäste wollten das Gebräu wahrscheinlich am liebsten heimlich in den Blumentopf schütten.
Das sollte nun ein Ende haben! Ein Vollautomat musste her!
Sie packte also alle Teile aus dem großen Paket aus, das sie an der Tür entgegengenommen hatte, entfernte Schutzfolien und Klebefilmstreifen, setzte Bauteile zusammen, wässerte den Filter und bestellte ein geeignetes Verlängerungskabel. Dann ging sie ganze Bohnen holen.
Der erste Kaffee war lauwarm, krümelig und ungenießbar, ein zweiter war die Maschine nicht mehr bereit auszuschenken. Stattdessen gab es einen lauten Knall, sodass die Bohnen wackelten.
Frau Life Science las Foren über Kaffeemaschinen, die nen Knall haben, kontaktierte mehrfach den Support-Chat (der auch klemmte – Sind Sie noch im Chat??, hieß es laufend) und sie probierte und probierte. Knallpeng, aber kein Kaffee.
Hatte sie beim Aufbau etwas falsch gemacht? Wo doch die Ableitung bebildert war und ganz ohne Text auskam? Ein Klebestreifen vergessen abzunehmen, der sich jetzt möglicherweise irgendwo verfangen hatte? Hatte sie den Karton eigentlich noch? Wie lange konnte man umtauschen? Wo hatten sie noch Reste von Pfeifenputzerdraht für Reinigung von Ausläufen, wie auf YouTube beschrieben? Oder lag es am Wasserfilter? Oder gar an der Brühgruppe? Wo im Gerät saß die überhaupt?
Doch ihr Bedarf am Kennenlernen neuer Gruppen, auch Brühgruppen, war eigentlich längst gedeckt. Sollte sie das Ding ganz zurückgeben oder gegen ein äquivalentes Gerät umtauschen?
Fragen über Fragen.
Sie hatte zum Geburtstag Mental Load bekommen.
(Zur Ehrenrettung der Familie ist noch zu sagen, es gab auch Gebackenes, Gebasteltes, Geschriebenes und Florales als Geschenk und das ist an sich genug).