Lokaljournalismus am Limit

Hier geht um: Sexualdelikt in einem Erlebnisbad in Rust

Da er keinen Führerschein (mehr) hatte, kam der Geständige wahrscheinlich mit dem Bus aus Piiiiiep ins Erlebnisbad. Das würde auch zu seiner Ankunftszeit passen. Dass er in Piiiiep wohnte, hat Frau Life Science schon im August 25 versehentlich recherchiert, also Straße und Hausnummer.

Es ist einfach alles in diesem Internet drinne.

Der Mann war beruflich im Paketdienst beschäftigt, als „Beifahrer“. Der Beruf des „Beifahrers ohne Führerschein im Paketdienst“ dürfte in etwa so selten sein wie der des Einhornfrisörs. Aber vielleicht lässt man „Bei-“ einfach weg, und kommt der Sache näher? Was soll’s, ein Nebenschauplatz.

Viel spannender ist: In welcher Beziehung stand die Person, die den Täter auf den Videoaufnahmen letztendlich identifiziert hat, denn zum ihm? Wo der Täter doch zunächst alleine ins Bad kam? War es Familie, Freund, Bekannter oder Arbeitskollege? Ein Beifahrerkollege, oder was?

Warum wird nicht einfach mitgeteilt, wie sich das zugetragen hat?

Ein flüchtiger Bekannter hatte den Ermittlern schließlich den Hinweis auf die Identität des Mannes gegeben.“

Ein ehemaliger Arbeitskollege hatte hatte den Ermittlern schließlich den Hinweis auf die Identität des Mannes gegeben.“

Oder so ähnlich. Alles normale Formulierungen, die die Anonymität des Zeugen wahren würden.

Statt dessen heißt es:

„Ein unbeteiligter Zeuge, der ebenfalls auf dem Bildmaterial zu sehen gewesen war, hatte den Ermittlern schließlich den Hinweis auf die Identität des Mannes gegeben.“

(Spiegel online, 16.8.25 – dpa)

Wie kommt man denn so unbeteiligt in das Bild mit dem Täter und weiß dann gleich, wer er ist?

Es ist ja nicht verboten, unwissentlich einen Schwerverbrecher privat zu kennen, aber warum wird die Art der Beziehung des Zeugen zum Täter partout nicht erwähnt?

Und warum wird der Unbeteiligte Zeuge sogleich von der Polizei erkannt?

Badpersonal vielleicht?

Und mehr noch, warum wurde der entscheidende Zeuge inzwischen aus der Berichterstattung getilgt? Plötzlich will es die Polizei allein gewesen sein, die den Täter erfolgreich ermittelt hat. Doch ohne den mysteriösen Zeugen würde man ihn wohl heute immer noch suchen.

Eine weitere Frage:

Weshalb wurde zunächst „ein anderer Mann“ verdächtigt und vorgeladen? Wie viele Verdächtige laufen dort denn in diesem Etablissement herum und wie oft wurde das Mädchen denn in der kurzen Zeit von Fremden angesprochen? Oder wie wird man denn genau „verdächtig“?

„Bevor die Ermittler dem Mann auf die Spur kamen, hatten sie erst andere Verdächtige im Visier gehabt. Diese wurden dann aber ausgeschlossen.“

(Spiegel online, 16.8.25 – dpa)

Ach, gleich mehrere? Das wird ja immer besser.

Verdächtig oder nicht, die Mitarbeiterin des Bades hielt es für unverdächtig, dass in ihrem Sichtbereich ein bekleideter Mann um 20:20 Uhr einer vermutlich unglücklich aussehenden Sechsjährigen im Bikini aus dem Bad folgte, indem er sich unter dem Drehkreuz durchwandt, während das Kind einen (seinen) Transponder nutzte, wie es auf den Überwachungsvideos zu sehen ist. (BZ, 18.2.26)

Zu diesen Zeitpunkt wurde das Kind schon längst im Bad gesucht. Ohne jede Unterstützung der Angestellten.

Aber auch die örtliche Bevölkerung, die Badegäste oder irgendjemand sonst fand dieses bizarre Gespann nicht irgendwie verdächtig.

Oder es hatte einfach keiner Zivilcourage.

Da der Geständige ja bekanntlich keinen Führerschein hatte, es im Maisfeld keine Bushaltestellen gibt und auch Taxirufe an den Tatort eher schwierig gewesen sein dürften, blieb er nach der Tat noch bis zum nächsten Morgen im Maisfeld, ehe er zurück nach Piiieep fuhr, seinen Reisepass schnappte und die Flucht ins Ausland ergriff (BZ, 18.2.26).

Je nachdem, welchen Zeitungsbericht (in derselben Zeitung) man liest, hat die Polizei in der Nacht noch zumindest unsystematisch nach dem Täter gesucht. Oder auch überhaupt gar nicht gesucht, weil man sich um das Kind kümmerte.

Suchen sie es sich aus.

Hinterlasse einen Kommentar