Zum Wochenende hin stellte eine Kollegin im Online-Kanal eines Fachbereichs eine Art informellen Antrag, einen schulischen Ablauf künftig anders – aus ihrer Sicht besser – zu handhaben.
Eine andere Kollegin war von der bisherigen Vorgehensweise überzeugt und tat dies ebenfalls in sachlicher und freundlicher Weise kund.
Frau Life Science war auf der Seite der ersten Kollegin, stellte aber fest, dass das angesprochene Thema a unmittelbar mit Thema b zusammenhing – einer Diskussion, die die Kollegin aus organisatorischen Gründen bisher noch gar nicht verfolgen konnte. Darum erklärte Frau Life Science lang und breit, wie sie das ganze sah.
Es war fachlich eine kleine Herzensangelegenheit von Frau Life Science, noch dazu hatte es mit Mitarbeitervertretung zu tun (Gesundheitsschutz) und so wurde ihr Beitrag, der das Anliegen der ersten Kollegin bestärken, in einen thematisch weiteren Diskurs einbinden und langfristig zu einem schon lange Jahre vermissten Konsens in der Sache führen sollte, etwas länger. Länger als die beiden ursprünglichen Beiträge.
Er war etwa so wortreich was die Wörterzahl angeht, wie der Blogbeitrag bis an diesem Punkt.
Als man sich später in der Schule sah, verwies die Kollegin mit der abweichenden Meinung auf den online-Kommentar. Er sei so lange gewesen, ob Frau Life Science denn nichts zu tun hätte.
Die Kollegin mit dem flotten Spruch auf den Lippen ahnte ja nicht, dass es schon die Kurzfassung des Beitrages war. Einen erheblichen Teil des hatte Frau Life Science noch markiert und gelöscht, ehe sie auf „Senden“ klickte.
Frau Life Science hat am Wochenende durchaus zu tun, z.B. hinter der Couch saugen, die Fenster putzen, ihre Unterlagen sortieren und Wäsche falten. Mensch-ärgere-dich-nicht auf einem Elsa und Anna- Spielfeld spielen.
Für Herzensangelegenheiten lässt sie diese Tätigkeiten aber gerne mal liegen.
Frau Life Science ist es völlig bewusst, dass sie sich bei bestimmten Dingen einfach nicht kurz genug fasst. Das kommt einfach nicht gut an und schadet ihren Anliegen.
Frau Life Science nervt oder das Anliegen nervt, Frau Life Science nervt mit dem Anliegen. Komplexität nervt. Und wenn man sie nicht in Worte fasst, dann geht sie weg.
Es geht gar nicht um Inhalte und objektive Sachverhalte, sondern darum, ob sich diese in kurze sprachliche Häppchen packen lassen. Wer zu viel labert, ist verdächtig. Bzw. Labern wird noch halbwegs durchgewunken, Schreiben, obwohl naturgemäß meist besser strukturiert und überlegt, ist nicht sehr angesehen.
Weil wenn man… Stopp! Fasse dich kurz!
Frau Life Science lernt es noch. Das Gleiche in weniger Worten auszudrücken oder die Häppchen geschickt zu verteilen, um ihre Anliegen besser zu vermitteln.
Sie wird kalorienarm kommunizieren, solange die allgemeine Lesebereitschaft auf Diät ist.