Ein großer Nachteil daran, dass man in Berlin wohnt, ist die Tatsache, dass da schon so viele sind. Man muss daher drölfzigtausend Euro zahlen für eine Wohnung ohne Komfort, aber mit schimmeligen Fenstern und man muss außerdem bei Rewe dauerparken, solange das noch geht. Nicht mal korrekt mieten kann man seine winzig kleine unbehelligte Stellfläche, weil es sie nicht gibt. Car Sharing gibt es allerdings auch nicht.
Ein weiterer Nachteil am Leben in Berlin ist, dass die, die nicht dort sind, gerne vorbeikommen wollen. Wenigstens mal kurz.
“Hey! Ich bin in dann-und-dann in Berlin! Wollen wir uns treffen?“
Hey! Du bist in Karlsruhe, ich bin in Zürich! Lass uns in der Mittagspause in Basel treffen!?
Nein, einfach nein, sollte Frau Life Science sagen. Was sagt sie aber? „Lass uns nochmal schreiben. Vielleicht geht es ja und man könnte ja eventuell…“ Am Schluss ist sie völlig zermürbt und sagt doch ab. “Danke für dein Verständnis“, schreibt sie dann und fühlt sich scheiße.
Es könnte ja noch angehen, dass sie sich mal mit jemanden trifft. Am Tag. Aber neben Berlin an sich hat sie noch ein weiteres “Problem”: sie ist permanent zu dritt. Den Lifescientisten hat sie schon rausgerechnet, der ist soweit selbstständig. Aber die Kinder? Die müssen andauernd irgendwo abgeholt werden. Zu Unzeiten.
Wenn man die nicht abholt und es jemand anderes tut, muss man frau vorher alles in die Wege leiten. Es überall ankündigen (!), die passenden Dinge bereitstellen. Neulich hat sie der neuen Babysitterin die Wickeltasche hingehängt. Alles drin. Außer Windeln. Noch Fragen?
Die Kita macht um 3 Uhr zu. Stellen Sie sich vor, Sie haben jeden Tag einen Termin, den sie nicht verpassen dürfen. Mitten am Tag. So wie ein Gerichtstermin oder ein Vorstellungsgespräch. Da kommt man nichy zu spät. Oder probieren Sie es mal aus, das Kind nach 15 Uhr abzuholen (Frau Life Science rät davon ab).
Hat man da Lust auf ein Treffen? Weiß man, welche U-Bahn-Linie mal wieder ausfällt? Oder in welche falsche Bahn man einsteigt? Und ob der Anschluss-Bus kommt? Mit EINEM Verkehrsmittel ist es ja nie getan. Immer drei Stück für diese Art Treffen. Dann noch hin und zurück, also sechs! Als ob die alle fahren?! Danach noch schnell zum Gerichtstermin.
Ja, natürlich kann sie den Lifescientisten wegen des Abholens fragen, aber den fragt sie ja schon dauernd wegen der Arbeit, also ihrem dritten Problem.
Jetzt hat sich eine alte Freundin aus China angemeldet. Kein Witz. Muttersein verbindet, und in ihrer New Yorker Zeit hat Frau Life Science diese Rolle und jüngere Frau versehentlich kennengelernt.
Frau Life Science schreibt ihr wohl ungefähr so zurück:
Dear friend, this ist so nice you came all around the globe and we can meet. I’m sure you are interested in sightseeing. It would be a great pleasure if YOU could guide ME through my current home town of Berlin. So much to see! I have no idea.
Wait… it would be even better you just come over to me at Oberkiezhausenfeld by yourself. We don’t have any cafes here (you must know this is a very special tradition) but we do have a Bioladen with two or three chairs outside. Why don’t you come over from China and we have a nice chat for about 43 minutes (there might be some interruptions because my 10 year old pupils need to know their homework via Microsoft Teams – I hope you don’t mind), however, if we are done with chatting (with KiTa pick up time) you can take the bus back to your hotel. I will gladly show where it leaves.
How does that sound to you?
So ist das eben. Mit den drei „B-roblemen“ Berlin, Beruf und Betreuung kann man nur lausige Freundin, miserable Gastgeberin und schlechte Angehörige sein. Wobei sie ja eigentlich zwei Berufe hat, die Frau Life Science. Den eigenen und den vom Mann. Den muss sie ja auch irgendwie mittragen.
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Das hast du so gut beschrieben! Ich bin froh nicht mehr in der Großstadt leben zu müssen!
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Danke, ja so ist das hier wohl. Ganz beliebt ist ja auch …“ du wir sind am Wochenende in Berlin … was kann man da abends machen … hast du vielleicht eine Tipp???
Großartig.
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Ich hau mich weg! Ach, was bin ich froh, dass Du bloggst. ❤ Ich schicke Liebe nach Berlin und komme definitiv NICHT vorbei. Und Du bitte auch nicht in Dresden, Was gibt es da schon zu sehen… nichts.
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