Raus aus die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln

Im Zuge der „Grünen Woche“ in Berlin fand eine Rettungsaktion für 4000 Tonnen Kartoffeln aus Brandenburg statt – möglich gemacht von der Suchmaschine Ecosia und der Berliner Morgenpost, mehr dazu hier.

Die Kartoffeln sollten an freiwillige Abgabestellen wie Schulen, Kirchengemeinden oder auch Privatpersonen in Berlin verteilt und von dort an Bürgerinnen und Bürgern kostenlos ausgegeben werden. Mindestabnahme eine Tonne.

Das ist keine schlechte Sache und es gab gewiss schon sinnlosere Projekte. Es ist aber auch ein gefundenes Fressen für Steglitz-Zehlendorfer Gutmenschen und „Klicktivisten“.

Zugang zu rohen Kartoffeln hat an sich ja jeder ausreichend in Steglitz-Zehlendorf. REWE liefert frei Haus. Ein knappes Gut ist allerdings die Möglichkeit der Teilhabe an (digitaler) Öffentlichkeit und an den dort sichtbar vollführten Symbol- und Kulthandlungen.

Gutes Tun und dabei im Internet gesehen werden – darauf kommt es an. Beim Managen des eigenen Kühlschranks zuhause guckt meist keiner zu. Aber manch einer möchte mit der Kartoffel gleich noch schnell sein Selbstbild retten.

Die Online-Kanäle liefen darum heiß. Jede zweite Bildungseinrichtung und jede dritte Privatperson wollte einen 25-Tonner in ihre Einfahrt winken.

Auf der Nachbarschaftsplattform hallonachbar.de, wo auch gerne mal Büsche gerettet werden, war schon jede Kartoffel einzeln vorangemeldet und verteilt worden, obwohl eine Lieferzusage an Privatpersonen aufgrund zu großer Nachfrage längst unwahrscheinlich schien. Aber wenn…, dann würde ich… drei Kilo nehmen, kann aber erst um halb fünf! Sind das Bio-Kartoffeln? Sind die festkochend? Fragen über Fragen.

Die Freikirche, ein Gymnasium und das CDU-Büro gewannen letztlich das Rennen und wurden zu Vergabestellen.

So manches Interesse lief ins Leere und wo der LKW dann vorfuhr, meist früher als angemeldet, waren schon weit vor dem angekündigten Zeitfenster alle Knollen restlos verteilt. Auch dies wurde dann ausführlich besprochen und bemängelt.

Viele Postings um nichts. Aber was soll‘s. Dabei sein ist alles. Posten ist alles. Bahn frei, Kartoffelbrei!

Die nächste Online-Hilfsaktion kommt bestimmt.

2 Gedanken zu “Raus aus die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln

  1. Ich finde es sehr sinnvoll, Lebensmittel zu essen, statt sie zu verbrennen. Ist doch schön, wenn Leute sich über frisches Gemüse aus der Region freuen und nicht nur Pommes aus dem Supermarkt futtern. Dass die Kartoffeln so schnell verteilt waren, zeigt mir, wie groß der Bedarf an günstigen Waren geworden ist… Das ist es, was mir zu denken gibt.

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    1. Ich auch natürlich, hab sogar auch welche abbekommen 😁, aber ich finde immer das Haar in der (Kartoffel)Suppe…
      Es ist wohl nicht ganz deutlich geworden, worauf ich hinaus wollte, hab nun noch etwas am Text verschlimmbessert und schreibe wohl nächstes Mal lieber wieder über ein anderes Thema 🙂

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