Ein Verbrecher feiert Abschied und alle feiern mit

In der Badischen Regionalzeitung findet sich wenige Tage oder Wochen nach der Gerichtsverhandlung zu dem Studienberater der Uni Freiburg, der jahrelang heimlich Klientinnen, Kolleginnen und Mieterinnen in Dusche und WC filmte, eine Meldung über eine weitere Gerichtsverhandlung, dieses Mal mit einem katholischen Priester der Erzdiözese Freiburg als Beteiligten.

Es war die Kopie eines dpa-Artikels – mehr journalistische Recherche wurde zu dem Missbrauchsfall und dem geständigen Täter offenbar nicht für notwendig erachtet.

Mit drei Klicks finden sich anderswo Name und ehemalige Wirkungsstelle des Mannes und ausführliche Berichte über seine „Verdienste“.

Mit den Wissen von heute hat Frau Life Science einen der regionalen erschienen Zeitungsartikel über den sogenannten Geistlichen von vor nahezu 20 Jahren mal eben umgeschrieben und ihm ein paar alternative Abschiedsgeschenke mit auf den Weg gegeben. Denn man kann bestimmte Dinge einfach nicht stehen lassen.

Hier der überarbeitete Zeitungsbericht (alle Namen geändert):

Gemeinde und Nachbarn nahmen Abschied von Pater Cyriacus

Nach viel zu vielen Jahren verlässt der Seelsorger die katholische Kirchengemeinde Himmelpforten

HIMMELPFORTEN. In der Himmelpforter Pfarrkirche St. Nikolaus wurde am Samstag Pater Cyriacus würdevoll und feierlich und mit ein wenig Wehmut offiziell verabschiedet. Geprägt war der Gottesdienst von Dankesworten – vom Pater an Himmelpforten und von den Himmelpfortern an den beliebten und geschätzten Seelsorger Missbrauchtäter, der zu viele Jahre lang Gemeindepfarrer war.

Des Paters besondere Grüße galten vor allem Pater Singer von Gottingen, der mit ihm den Gottesdienst gestaltete und des Weiteren den beiden evangelischen Pfarrern Horst Fromm und Georg Glaub sowie Bürgermeister Heinz Weber und den Pfarrgemeinderäten von Himmelpforten und Kirchdorf.

Pater Cyriacus schilderte seine (pädophilen) Beweggründe, warum er Pfarrer geworden ist, warum ihm dieser Weg gewiesen worden ist und dankte für alles, was alle, die er in zwölf Jahren hier erfahren missbrauchen durfte.

Franz Meyer, Vorsitzender des Hinmelpforter Pfarrgemeinderates, überbrachte Wünsche vom Dekanat und der Erzdiözese. Er verlas ein Schreiben von Pater Christle, dem Pater Cyriacus ein lieber Nachbar gewesen sei, den er als liebenswürdigen Menschen Gewaltverbrecher kennengelernt habe.

Pater Singer hob das harmonische Miteinander zwischen Himmelpforten und Gottingen, zwischen ihm und Pater Cyriacus hervor. Zur Erinnerung überreichte er ihm eine Missbrauchstudie in gedruckter Form. Pfarrer Georg Glaub bedauerte die nur kurze Zeit zwischen seiner eigenen Einführung und dessen Abschied (er hat fast gar nix mitbekommen). Die Freundschaft und gute Zusammenarbeit zwischen der evangelischen Gemeinde St. Heiligenfeld und der Pfarrei Himmelpforten hob auch dankend Pfarrer Horst Fromm hervor. (Überhaupt wurde unwahrscheinlich viel gedankt.)

Dank im Namen der Gemeinde und des Gemeinderates sprach Bürgermeister Heinz Weber für die hervorragende und fruchtbare Zusammenarbeit aus. Dies betreffe auch den Betrieb des katholischen Kindergartens, die harmonische Tätigkeit in der Grundschule und bei den Seniorenausflügen (bei letzteren dürfte der Pater sich etwas zurückhaltender engagiert haben). Zur Erinnerung an seine Zeit in Himmelpforten bekam er vom Bürgermeister eine Radierung von… Dokumentation über Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen.

Im Namen der über 20 Vereine dankte Bertram Meyr, Vorsitzender des Musikvereins, dem scheidenden vom Tatort sich entfernenden Pater und überreichte ihm eine Urkunde mit den Unterschriften aller Vereinsvorstände. Einen Rückblick auf die zehn Jahre mit allen (sexuellen) Höhepunkten, mit allen Anschaffungen und Neuerungen Grenzüberschreitungen gab Bertram Meyr als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, wobei er insbesondere die Wiederaufstellung des Hochaltars hervorhob. Zum Abschied überreichte er ihm ein Buch über alles in Bernau Erlebte die Biografie eines Missbrauchs-Betroffenen und eine im Tal geschnitzte Figur vom guten Hirten eines weinenden Heranwachsenden. Pfarrer Glaub war aus der Kirchenbank verschwunden – der Grund: in Ermangelung eines Organisten (ob dieser bereits etwas geahnt hatte…?) nahm er auf der Empore Platz und spielte die Orgel als Ausdruck lebendiger Ökumene ökumenischer Betroffenheit vom allgemeinen Missbrauchsthema.

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