Unvollkommen

Herausforderung Kinderbeschäftigung: Frau Life Science kann wirklich nur bestimmte Dinge mit den Kindern spielen, vieles nervt sie bald ganz intensiv. Erschwerend kommt hinzu, dass Herzmädchen (5) und Forschernachwuchs (10) selten dasselbe spielen möchten.

Das Herzmädchen steht auf Rollenspiele… Es lädt zum Teekränzchen mit Elsa-Anna-Geschirr (was davon noch heile ist). Da kommt man doch gerne mal vorbei mit ein paar Plastikdartpfeilen als Blumenbuket. Es gibt Birnentee, und übrigens auch Suppe dazu. Auf eine Einladung folgt natürlich auch eine Gegeneinladung mit Apfeltee und neuen Blumen. Das ist echt nett, so eine freundschaftliche Begegnung – bis sich zeigt, dass die Tee-Freundinnen sich wegen Berentung ab sofort täglich treffen können und sich die wechselseitige Teekränzcheneinladung im Minutentakt fortsetzt.

Frau Life Science möchte aus dem Rollenspiel abgeholt werden.

Bei Brett- und Kartenspielen mit dem Großen gehen auch nur manche. Rummycup geht, oder Scrabble, mit ein paar Sonderregeln für Viertklässler (er wird das Spiel später nie mehr mit anderen spielen können ohne sich über die Regeln zu streiten). The Mind holt jeden Spielemuffel ab, aber man muss dabei ungestört sein. Also klappt es auch eher selten.

Der Lifescientist wagt sich ganz unerschrocken an lange Brettspiele mit anstrengenden Regeln und ist sich auch nicht zu schade, bei jedem Wetter rauszugehen und irgendeinen Spielplatz unsicher zu machen.

Was er dagegen wirklich ablehnt, ist Puzzeln. Es ist ja auch bescheuert, ein absichtlich in 1000 Einzelteile zerlegtes, meist kitschiges Bild im mühevoller Kleinarbeit wieder zusammenzusetzen. Was soll das überhaupt?

Frau Life Science wundert sich selbst, dass sie das wirklich mag. Es tut einfach gut: das Ruhige, die genaue Betrachtung der Farbschattierungen, die kleinen Erfolgserlebnisse. Der langsame, aber stetige Fortschritt und das Arbeiten auf ein Ziel hin. Dem kann sie etwas abgewinnen.

Der Forschernachwuchs ist voll dabei und lässt großzügig falsch gepuzzeltes der kleinen Schwester liegen, um es zu einem späteren Zeitpunkt unauffällig zu korrigieren.

In der Ferienwohnung zieren inzwischen mehrere großformatige Puzzlebilder (nicht ganz gerade) mit Darstellungen von Las Vegas, dem Unterwasserreich, der internationalen Tierwelt und diverser Planeten die Wände.

Bis nur alle aufgeklebt waren… es empfehlen sich übrigens Puzzlefolien.

Bemerkenswert ist: die ersten 1000er-Puzzles waren im Wohltätigkeitsladen gebraucht gekauft worden. Bis zu den letzten Teilen war das immer ein kleiner Nervenkitzel, doch alle waren am Ende vollständig. Das aktuelle Puzzle ist nagelneu, vom örtlichen Spielwarenladen. Und jetzt fehlen vier Teile… selbst im aufgeschnittenen Staubsaugerbeutel war keines davon zu finden.

Mysteriös, mysteriös….

Bleibt nur Kintsugi, also wie bei der japanischen Keramik-Reparaturtechnik Unvollkommenes mit Gold aufzufüllen. Das scheint nicht nur für Porzellan und Puzzles ein gutes Vorgehen.

Planetenpuzzle mit (noch) 996 Teilen

Ein Gedanke zu “Unvollkommen

  1. Die Endlosschleife Teekränzcheneinladungen stelle ich mir tatsächlich
    als Horrorfilm vor … Und habe sehr lachen müssen! Meine Mutter hat uns
    immer rausgeschmissen, bei jedem Wetter, in jedem Alter ab vier oder
    fünf. Dann mussten wir uns Spielkameraden suchen, und da andere Eltern
    das offenbar ebenso gemacht haben, hat es geklappt. Aber die waren auch
    Kriegskinder-Generation und nahezu angstfrei oder schicksalsergeben, was
    mögliche Gefahren anging.

    Sylvia Schmieder

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