(434) Bittere Medizin – Geschichten vom kranken Kind III

Wie kommt man als Hersteller eines Medikaments für Kinder (!) eigentlich auf die Idee, dass das Produkt grauenhaft schmecken darf? Badreiniger mit Niveacreme? Als Geschmacksrichtung? Im Ernst? 

Der kleine Patient verweigert sich völlig. Die verzweifelten Eltern halten Vorträge über kleine Tierchen, die krank machen und  aus dem Hals verscheucht werden müssen. Sie bitten und betteln. Sie streichen Medienzeit und Vorlesen, UNO spielen hat sich auch erledigt. Im Falle erfolgreicher Einnahme jedoch winken tolle Belohnungen. Ins städtische Hallenbad könnte man auch mal wieder gehen , wenn der Husten endlich weg wäre. Hallenbad oder Krankenhaus? Was willst du lieber? Nimm doch jetzt die Medizin.

„Bhäääääää!“ sagt das Kind. „Never ever“. Das hat es in einem Cartoon gehört.

Nach mehreren Stunden erfolglosem Überzeugen und Überreden greifen die Eltern zum Äußersten: Sie flößen dem Kind die Medizin ein und halten es fest. Es würgt und spuckt alles wieder aus. Die Mitwirkungsbereitschaft ist nun vollständig  zum Erliegen gekommen. Kein Wunder!

Frau Life Sience geht bei EDEKA Eis am Stiel kaufen, als Nachtisch. Das Teufelszeug von Medizin wird unter Cola gemischt, was dazu führt, dass eine noch größere Menge sehr schlecht schmeckenden Gesöffs dem Kind zugeführt werden muss.

Die Studenten, die zu Besuch sind, kommen vom Ausflug zurück. Sie zeigen Bewunderung für das Eis. Das hätten sie ja auch gerne! Die restliche Cola wird für Nichtpatienten ausgeschenkt. Sie prosten dem Forschernachwuchs zu. Sie stellen ein Geschenk in Aussicht, das sie offenbar bei sich haben. Wissen viele Dinge, die sie „nachher“ so gerne noch spielen würden. Doch bei aller Sympathie für die Studenten, die Abneigung gegen die verdorbene Cola ist größer.

Der Lifescientist ergänzt weiteren Zucker, das Volumen nimmt dadurch nicht ab.

Es gibt noch Knallteufel von Silvester. „Nach jedem Schluck darfst du werfen, okeeeee?“ Sie ziehen Jacke, Schal und Mütze an und gehen vor die Tür. Das Kind nimmt nach und nach drei Schluck. Zheng, Zheng, und nochmals Zheng.  Dann zieht das Knallen nicht mehr. „Bhääääääääää!“ macht das Kind. 

Die Mutter schleckt das gekaufte Eis selbst. Das Kind tobt. Aber die Medizin trinkt es nicht.

Am nächsten Tag geht die ganze Familie erneut zur Ärztin. Die weiß ein alternatives Präparat, das man zwar öfter und länger einnehmen muss, das aber schmeckt wie Erdbeerbonbons und in schickem Neonrosa daherkommt. Warum nicht gestern schon.

Egal wie genießbar sie ist, das Kind nimmt jetzt überhaupt keine Medizin mehr. Und sei es nur um die fiesen Eltern zu bestrafen. Aber es trinkt gerne Multivitaminsaft. Der Lifescientist schenkt den bereitwillig alle acht Stunden aus. Er muss dazu immer nur kurz in die Küche.

„Glaubst du echt, er hat es nicht gemerkt?“, will Frau Life Science vor dem Einschlafen  wissen. „Na, ich weiß nicht“, sagt der Lifescientist. „Ich habe da so ein Gefühl….“

 

Bald geschafft…

 

 

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