Unalltag Siebenundzwanzig

Heute sprach plötzlich ein ganz anderer Mitarbeiter vom RKI. Frau Life Science dachte immer, Professor Lothar Wieler sei für die überkomplexe Gesamtituation in Deutschland alleine zuständig. Aber sie sind wohl doch zu zweit dort.

Eine Stichprobe auf der Steglitzer Einkaufsmeile ergab gestern Nachmittag , dass außer den üblichen Verdächtigen, den Bumenläden, Apotheken und Drogerien keine weiteren Geschäfte geöffnet hatten. War natürlich ganz entsprechend der örtlichen Rechtslage, Frau Life Science hatte nur kurz den Überblick verloren gehabt und wollte am Nachmittag nach erfolgreicher Kinderbetreuung versuchen den einen oder anderen Artikel im Non-Food-Bereich zu besorgen. Erst am Mittwoch ist es wohl soweit.

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Überhaupt muss man ständig Tagesschau gucken, Push-Nachrichten zur Kenntnis nehmen und dergleichen mehr. Man weiß ja nicht, was man wieder verpasst. Da war am gestrigen Morgen noch zu hören, man benötige ab sofort wieder realen Arztkontakt für eine Krankschreibung, doch zu einer anderen Uhrzeit desselben Tages galt das schon wieder nicht mehr. Wen es es an dem Tag gerade real betrifft, der sieht ganz schnell alt aus.

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Haben sie schon eine Virenschleuder (Kanzlerin, 4.4.2020) besorgt? Eine „selbstgehäkelte“ Maske (Sandra Maischberger, 2.4.2020 ) beschafft oder gar eine solche „selbst geklöppelt“ (Herr Schumacher, MDR Corona-Kompass, 2.4.2020)? Tragen Sie den „Staubsaugerbeutel“ schon vor dem Mund (Spezial-Tipp von Karl Lauterbach bei Lanz, 9.4.2020) ?
Bei so viel lächerlichen machenden oder lachhaften Informationen rund um dieses Thema muss man sich nicht wundern, dass sie ohne eine Vorschrift keiner hierzulande freiwillig trägt: die selbstgeklöppelten Häkel-Virenschleudern aus Staubsauergbeuteln.
Und jetzt: Die Maskenpflicht kommt – oder sie ist da. In Berlin, in Baden-Württemberg und in vielen anderen Bundesländern und Kommunen.
„Wenn´s schee macht….!?“, wie bei der Buttermilch kann man in diesem Fall nicht gerade sagen. Aber sie nützt. Das war einfach nicht länger zu ignorieren.

So wie mit den Masken ist es auch mit den Kindern. Es will halt gerade noch keiner richtig zugeben, dass es so nicht geht. Dass kleine Menschen vielfältige menschliche Kontakte brauchen um zu gedeihen, ebenso wie soziales Spielen und dass man diese Dinge nicht abschalten kann. Das heißt, kann man schon, aber dann hat man eben auch die Folgen.
Erfolgreiche Berufstätigkeit und zugleich Kinderbetreuung ohne KiTa oder Betreuungsalternativen zu bewerkstelligen, kann langfristig nur mit folgenden Hilfsmitteln „gelingen“:
übersteigertes Medienangebot, Ruhig stellen mit Süßigkeiten, psychische Gewalt im Sinne von Schreien, Schimpfen, unter Druck setzen, körperliche Gewalt (eventuell auch vom Kind ausgehend), Vernachlässigung, Aufsichtspflichtverletzung, Überbeanspruchung der Erwachsenen bis hin zu gesundheitlichen Schäden, Alkoholismus und andere Suchterkrankungen, Übergewicht, Burnout.
Für die Kinder bedeutet das – vielleicht öfter als wir denken – Ängste, innerer Rückzug, Wiederaufnehmen längst abgelegter Verhaltensmuster, Zurückbleiben in der Bildungserwartung, Schwierigkeiten im Sprache lernen, Bewegungsmangel, Fehlernährung (Kinder essen oft nur gut, wenn sie fröhlich sind), Schlafstörungen.
Frau Life Science spricht hier von Durchschnittfsamilien, nicht von solchen, die eh schon schwere Probleme haben. Dazu möchte sie sich lieber gar nicht äußern. Und nein, sie hat dafür keine Belege, leider. Es spricht hier nur ihre Lebens- und Berufserfahrung nebst unser aller Bauchgefühl.

Der Ausweg kann nicht sein, dass man morgen Kitas öffnet als wäre nichts gewesen. Das sieht Frau Life Science auch ein. Aber häusliche Kleingruppen im nachbarschaftlichen Bereich in einer Art Wechselmodell, mit bestimmten Regeln und Personenbegrenzung von zum Beispiel 2-5 Kindern pro Haushalt müssten erlaubt und empfohlen werden. Man könnte dem Gesundheitsamt online melden (notfalls faxen, wenn denen das lieber ist), wer sich wann und wo trifft und warum (weil 3-6 Elternteile versuchen, abwechselnd zu arbeiten). So wären Ansteckungsketten gegebenenfalls nachvollziehbar.

Klingt nach einem Top-Modell, oder? Mit heißer Nadel genäht von Ihrer Frau Life Science! Und sicher besser als alles, was jetzt gerade gilt.

Wenn es bis August die ganze Zeit über keine halbwegs akzeptable Lösung gibt und diese unsägliche Kontaktsperre noch länger gilt oder gelten muss, garantiert Frau Life Science für nichts. Dann wird man im Nachhinein über diese heutigen Vorgänge vielleicht beinahe so reden wie früher einmal über die traurigen Contergan-Folgen: „Man hätte das verschriebene Mittel nie eingenommen, wenn man geahnt hätte, wie schädlich es ist“.

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