Life is what happens while you are busy making other plans I

In einer Zeit, in der man nicht weiß, ob man nächste Woche noch zur Arbeit geht, die Kinder in die Schule und ob Termine überhaupt noch stattfinden und wann, schien es ein ungeheures Privileg, Tag und Ort der eigenen Niederkunft Wochen zuvor in den eigenen Kalender eintragen zu dürfen, mehr oder weniger mit Uhrzeit.

Eine Adoptionsstelle für den Forschernachwuchs mit Dienst zu ungünstigen Zeiten (Übergabe 6:30 Uhr) war auch gefunden. Alle waren bereit.

Frau Life Science lies sich am angegeben Tag ins Krankenhaus fahren. Sie tauschte Schwangerschaftsjeans und bauchgerechten Pulli gegen die einteilige Klinik-Kollektion mit den Bändchen, hatte schon zwei Infusionen in sich und harrte mit dem später hinzugestoßenen Ehemann der Dinge. Der operierende Arzt hatte bereits den Kopf zur Tür hineingesteckt und den Stand der Vorbereitungen beschrieben, was Brechreiz bei der nüchternen Frau Life Science auslöste; also nicht der Oberarzt, sondern der Stand der Vorbereitungen.

Als der genannte Mann das nächste Mal den Raum betrat, brachte er eine Nachricht mit, die wie ein Witz klang: Diese Geburt würde nicht heute, sondern eher morgen stattfinden. Das sagte er nicht, weil er gerade gemerkt hatte, dass der 13. einfach ein hübscheres Datum war, sondern weil es einen technischen Defekt gab, den man im Notfall umgehen könnte, aber ein gut versorgtes Baby im Bauch ist eben kein Notfall. Im Hause Life Science ist man nicht abergläubisch.

Also morgen wahrscheinlich. Bis dahin bleiben oder gehen? Frau Life Science entschied sich für Letzteres. Ein paar Stunden blieben sie noch, empfingen noch ein illustres Gespann von Ärzten aller beteiligten Fachrichtungen und Hierarchieebenen, die den heutigen Ausfall noch einmal in aller Würde erläuterten und Entlass-Formalitäten mussten erledigt werden. Einen vorab Besichtigungs-Besuch auf der Neugeborenen-Intensiv konnten sie auf eigenen Wunsch auch noch rausschlagen. Etwas, das sie ohne Corona längst gemacht hätten dürfen.

Frau Life Science holte das Kind bei der Adoptionsstelle ab, übertrat dort einmal mehr und für alle Nachbarn hörbar die aktuelle Corona-Verordnung und kann nur hoffen, die Adoptionsstelle bleibt von Nachprüfungen verschont.

Am nächsten Tag das Ganze von vorn.

In der Geburtsklinik war nicht nur die Klingel kaputt.
Die Salzkristall-Lampe aber ging.

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