Wie geht es dir mit meinen Viren?

Schule ist Abbild der Gesellschaft. Was sonst.

Quasi über Nacht ist das Lehrerkollegium vom „Team Vorsicht“ zu Team „Pandemie ist vorbei“ gewechselt, wobei bemerkenswert ist, dass dies ganz ohne wahrnehmbaren Kommunikationsprozess geschehen ist. Kein: „Wie geht´s dir damit, wenn wir das so handhaben?“ Mehr so: „Lass mich bloß in Ruh“.

Frau Life Science ist noch nicht so weit.

Diejenigen, die einst am engagiertesten den Kampf gegen Viren angetreten hatten, die jedes Einfallstor der Bazillen als Erste dingfest gemacht hatten, sodass man sich beinahe schämte, nicht so konsequent für den Gefahrenabwehr bei Schutzbefohlenen eingetreten zu sein, waren vor ein paar Wochen plötzlich ebenso schnell dabei, die Maske zuhause zu lassen.

Hatte man sich denn nun due ganze Zeit um den Schutz von anvertrauten Menschen und deren Umfeld bemüht, oder hatte man nur eine amtliche Verordnung befolgt, die ab einem Stichtag nicht mehr galt?

Es geht ja anscheinend auch nur „immer Maske“ oder „immer keine“. Entweder man hat sie im Gesicht kleben, oder sie ist im Mülleimer entsorgt. Dazwischen? Nichts.

Es ginge ja auch situatives Maske tragen, dass man sich mit der Zeit als souveräne Gewohnheit erarbeiten könnte. Es gibt Gelegenheiten, die sind eine Ansteckung einfach nicht wert.

Kolleginnen mit Erkältungssymptomen schleppen sich auch schon wieder aus Pflichtbewusstsein an die Schule wie in den 2020ern. Erzählen das dann auch. Das Pflichtbewusstsein schließt das Tragen einer Maske – bei gegebener Atemwegs-Symptomatik – allerdings nicht ein.

Auch die vorsichtigsten Eltern haben aufgegeben und die Allermeisten schicken ihr Kind ohne Maske. Viele davon nicht aus Überzeugung, sondern aus dem sozialen Druck heraus, dass das Kind nicht das Einzige sein soll.

Die Raumluft interessiert auch überhaupt nicht mehr.

Menschen mit geringerer Risikobereitschaft oder anders gelagertem Grundrisiko wird die kalte Schulter gezeigt.

Zum Ende des Schuljahres gab es Verabschiedungen im Lehrerteam. Es gibt Konstellationen und Zusammenkünfte, die sind nicht wiederholbar. Da wird Schulgeschichte geschrieben, wenn die Ursel und der Bernhard und andere gleichzeitig in Ruhestand gehen. Als die zum Dienst angetreten sind, war manch Referenadarin noch gar nicht auf der Welt. Tja.

Auf so einer Abschiedsfeier wurden nun drei KollegInnen und ein leerer Stuhl besungen. Der Kollege war krank zuhause.

Privat macht Frau Life Science sowas gar nicht. Sich in Restaurants, Cafés etc. indoor mit vielen Leuten treffen. Gibt genug Alternativen. Nur zwei Familienfeiern in 2022 bisher, das war´s. Paar seltene begründete Ausnahmen. Zwei davon waren im beruflichen Zusammenhang.

Als Beamtin hatte sie früher mal eine Gesundhaltungspflicht. Aber hat man die nicht immer?

Frau Life Science hat auch ihre eigenen Widersprüche, das weiß sie und sie weiß, dass es allgemein alles schwierig ist. Was Frau Life Science aber fehlt:

Austausch und Gespräch. „Mir ist dies oder das wichtig, ich hab den und den pädagogischen Anspruch ich trage aus dem und dem Grund k/eine Maske, wenn… und wie siehst du das?“

Dass bei betrieblichen Veranstaltungen das Risiko benannt würde: “Liebe Kolleg:innen, die Feier findet im Biergarten Hopfenglück statt. Es ist ein Indoor-Bierrgarten, nur falls das jemand anders erwartet hatte. Wir öffnen nach Möglichkeit die Fenster. Wer möchte, kann draußen sein Essen einnehmen. Wir bitten alle nach Möglichkeit um freiwillige vorige Testung, vielen Dank. Wir freuen uns!“

Somit wäre eine Teilhabe für verschieden geartete Persönlichkeiten entspannter möglich. Es wäre inklusiv.

Natürlich sollte sich Frau Life Science an die eigene Nase fassen und das ansprechen.

Das ist sehr schwer.

3 Gedanken zu “Wie geht es dir mit meinen Viren?

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