Weil die Schwimmhalle nahe liegt, liegt es ebenfalls nahe, dass die Schule vom Forschernachwuchs eine schwimmbetonte ist.
Eventuell haben Berlinerinnen und Berliner generell einen ziemlichen Schwimm-Fimmel, sodass die Schulen das Schwimmen gar nicht unbedingt selbst zielführend lehren, sondern es eigentlich nur noch bewerten müssen. Feine Sache!
Es ist ein bisschen so wie beim Musik-Unterricht, wo der Lifescientist schwört, dass das Notenlesen nie systematisch gelehrt, aber stets vorausgesetzt wurde; und wer nicht familiär musikalisch gefördert wurde, war raus. So wie er damals. (Er hat es überlebt).
Der schulische Schwimmunterricht geht ja grundsätzlich mit wochenlangen Trockenübungen einher (Baderegeln und Blabla), und sobald die „nasse Phase“ beginnt, mit zahlreichen Ausfällen. Heute schwimmt nur die a-Klasse, nächste Woche nur die b. Weil wegen krank. Schwimmbetont, ausfallbetont.
„Generation C“ (C für cancelled)
Eventuell vergisst das Kind auch mal das Schwimmzeug. Könnte sein. Oder es hat Bauchweh.
Im vorletzten Schuljahr gelang es jedenfalls nicht, zielführend das Projekt Schwimmabzeichen anzuschließen, sodass in den Sommerferien ein Brandenburger Schwimmbad zurate gezogen werden musste.
Der Jordan, vollkommen unerschrocken, mit ausgebleichter UV-Kleidung und als Schwimmlehrer offenbar zuständig für halb Südwestberlin und für die brandenburgische Kleinstadt, in der das Schwimmbad steht, gleichermaßen, der musste es richten. Er lernte nicht den Namen des Kindes, aber das Kind das Schwimmen. Also gut!
Das auf diese Weise erlangte Bronze-Abzeichen nähte Frau Life Science sorgsam auf die Badehose des Kindes. Dennoch wurde es bei der Ermittlung der Sportnote im folgenden Sommer vergessen, weil nicht schulisch, sondern in Brandenburg erworben und nicht in die Liste aufgenommen, darum gab es die schlechtere der guten Noten.
Kurz nachgefragt; mittelmäßig glaubwürdige Antwort erhalten, aber ach, was soll’s.
Im 4. Schuljahr verlangte dann die schwimmbetonte Schule bereits ein silbernes Schwimmabzeichen für eine Note 2.
Man hätte es ahnen können, das selbiges mitzubringen wäre wie die Brotbox und der Foto-Zettel, weil es letztendlich gar nicht zuverlässig in der Schule abgelegt wird.
Die Disziplinen dieses silbernen Abzeichens (Turmspringen, Tauchen, Bahnen Schwimmen) wurden zunächst an einzelnen Terminen abgeprüft. Als der Forschernachwuchs gerade das Streckenschwimmen ablegen wollte, trieben Fäkalien im Wasser und die Prüfung musste abgebrochen werden.
„Kein Problem, wir holen das nach auf der Klassenfahrt“, hieß es.
Dazu kam es nicht, wohl aber zur schlechteren Sportnote.
Schlechtere Note im ganzen Fach Sport wegen Kacka und Terminproblemen beim Schwimmen? Und schon wieder? Kann man ja mal bei der Lehrerin nachfragen.
Man muss wissen, dass Sport ein Hauptfach ist. Für den Forschernachwuchs.
Eine Vorstufe des Machtmissbrauchs ist ja immer das wochenlang nicht antworten.
Der Forschernachwuchs hatte in der Zwischenzeit die Schwimmprüfung bereits unter Zuhilfenahme eines weiteren Bundeslandes (BaWü) abgelegt, inklusive Streckenschwimmen, mit ausreichend Zeitpuffer und ohne nochmal geübt zu haben.
Auf weiteres Nachfragen bei der Lehrerin wurde Frau Life Science nach zwei Wochen im Unterricht angerufen und sie rief wiederum im Unterricht der Schwimmlehrerin zurück.
Es war dieser problemlos möglich, Fragen der Benotung während es Unterrichts (!) telefonisch zu verhandeln, so wie Frau Life natürlich auch Autofahren und Häkeln kann, während sie die Steuererklärung ausfüllt.
Es täte ihr ja so leid, aber die Fachschaft habe es eben so festgelegt, dass für die Note das silberne Abzeichen vorliegen müsse.
„Aber Sie bewerten doch die Leistung, die Sie als Lehrkraft sicherlich einschätzen können und nicht das Vorhandensein eines Papiers.“
„Aber die Fachschaft…“
„Also ist es so, dass das Kind wegen des von ihm nicht verursachten fehlenden Nachweises der eigentlich beherrschten Teildisziplin eine ganze Note schlechter für das ganze Halbjahr erhält?
„Ja, weil der Beschluss in der Fachschaft… da sind mir die Hände gebunden, so leid mir das tut.“
Das ist ja interessant, so eine Fachschaft. Es war Frau Life Science bisher nicht bekannt, dass diese die Gesetze der Logik und der Fairness verbindlich außer Kraft setzen kann.
Auf weitere Eskalation verzichtet Frau Life Science, die Anfrage war wahrscheinlich schon zu viel gewesen. Wobei es irgendwie ums Prinzip geht. Aber sie ist noch auf die Kooperation des Lehrergespannes im Klassenteam angewiesen und es muss auch noch ein Kind aus der Familie zum Schwimmunterricht. Daher muss es reichen, nur kurz Sand im Getriebe der Nachlässigkeit gewesen zu sein.