Kinder, kommt zur Sitzung!

Bei Frau Life Science ist die Hälfte der Kleinfamilie täglich mit Grundschule beschäftigt, bald sind es Dreiviertel.

Schule auf der einen Seite aktiv mitschaffend und auf der anderen Seite passiv nutznießend ist Frau Life Science in diesem Schuljahr Mitglied einer Schulkonferenz geworden.

Die Schulkonferenz ist oberstes Mitwirkungs- und Beschlussgremium an einer Schule. Richtig wichtig, was?

Das 14-köpfige Gremium folgendermaßen zusammengesetzt:

  • eine Schulleitung
  • vier gewählte Elternvertreter:innen
  • vier Schüler:innen
  • vier Lehrkräfte bzw. Mitarbeitende
  • eine externe Person

So soll es das Gesetz. Dieses Setting ist hochspannend. Wenn die Schüler:innen bei richtig-wichtig zu stimmberechtigten Mitgliedern werden. Die Umkehr der üblichen Rolle. Plötzlich Augenhöhe, oder was?

Die erste Sitzung fand im Klassenzimmer statt. Frontalsituation. Die Schulleitung stand vorne, der Rest saß hintereinander. Keiner hatte an der Zimmertür seine übliche Rolle abgelegt. Das ist nur allzu menschlich. Und darum wurden anwesende Schüler:innen auch während der Sitzung ein bisschen weitererzogen. Ob die das merkten?

Hut ab vor den Kindern und Jugendlichen! Sie kommen (pünktlich), reden adäquat (für ihr Alter) und stehen selbstbewusst ihren Teenager.

Allein um das zu beobachten hat sich das wählen lassen schon gelohnt.

Schulische Gremienarbeit hat nicht den besten Ruf. Lästige Termine, nervige Themen. Nur Blabla. Immer noch viel zu wenig werden diese Gremien als echte Gestaltungsorte wahrgenommen. Als Orte der Beteiligung und der konstruktiven Machtkontrolle – denn so sind sie gedacht.

Demokratie wird immer großgeschrieben, gerade in der Schule. Man verteidigt sie, bedauert, wo sie fehlt. Redet viel darüber. Einen selbst ins Schwitzen bringen oder den Betrieb unnötig aufhalten soll sie aber möglichst nicht.

Und ein ungebetener Gast hat sich auch schon wieder in die Sitzung geschlichen. Altbekannt, auch aus der MAV-Arbeit: Die Informalisierung. Hallöchen! Was macht die schon wieder hier und wer hat die eingeladen? Sie hat ein hübsches Gesicht, ist gut geschminkt und wirkt immer total entspannt. Lacht viel. Im Stillen weiß sie aber genau, was sie will: nichts Gutes.

Als Lehrkraft (keine Zeiterfassung trotz gesetzlicher Pflicht) kriegt man die Teilnahme an der Schulkonferenz übrigens nicht angerechnet. Das sind vier Abende im Jahr zusätzlich ohne Freizeitausgleich. Wer ist so blöd und macht das freiwillig?

Das muss man sich ja auch leisten können. Dieses verrückte Hobby muss der Partner zuhause auch mittragen.

Dennoch kann Frau Life Science nur ermutigen: Ducken Sie sich nächstes Mal nicht weg, wenn es um Ämter geht, wie in Perscheids legendärem Cartoon. Nehmen sie die Gelegenheit selbst wahr oder ermutigen Sie ihre Kinder dazu, sich in schulischen Gremien zu beteiligen.

Und wenn Sie dann schon mal dort sind, ordnen Sie die Stühle kreisförmig an.

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