(418) Schweizer Messer

Die Arbeitskolleginnen von Frau Life Science sind älter als sie, zwei sind Ü 60 und sogar Ü-Rente. Patente Frauen sind das. Friedrun zum Beispiel. Als am Bobby Car der Kindergartenkinder ein Plastikteil blöd absteht, zückt sie aus ihrer Jeans ein Schweizer Messer und schneidet das Plastik durch. Daumen hoch, Friedrun! Die Kinder können weiter spielen.

Frau Life Science möchte auch so lässig wie Friedrun auf alle Lebenslagen vorbereitet sein und immer ein nützliches Werkzeug zur Hand haben.

Sie findet bei den Küchensachen ein Schweizer Messer vom Lifescientisten, das er nie benutzt. Das kommt an ihren Schlüsselbund. Jetzt ist er noch klobiger als vorher schon, weil Frau Life Science die Schlüssel zu zwei Wohnungen, drei Fahrrädern und einem Arbeitsplatz mit sich herumträgt.

Das Schweizer Multifunktionsgerät Taschenmesser, eigentlich erfunden für den Gebrauch in der Armee, bewährt sich sehr im zivilen Einsatz: Messer, Flaschenöffner, Korkenzieher, Schraubendreher. Alles dabei. Später auf Hinweis des Bruders auch noch entdeckt: Zahnstocher und Pinzette zum seitlich Herausziehen.

An den Zahnstocher denkt Frau Life Science, als die SIM-Karte in ihrem Handy neu eingelegt werden muss. In einem türkisch-deutschen Café, in dem sie öfter nach der Arbeit eine kurze Verschnaufpause einlegt, ehe sie das Kind abholt, möchte sie das schnell erledigen, um ein paar Mitteilungen absetzen zu können.

Mist, der herausnehmbare Kunststoff-Zahnstocher vom Schweizer Messer ist zu dick! Sie fragt die junge Frau an der Café-Theke, ob sie vielleicht eine Büroklammer für den genannten Zweck zur Hand hätte. Die junge Dame hat aber auch nur einen Zahnstocher, und der ist auch zu dick. Wird wohl nichts.

„Ist ein Notfall“, sagt die Tochter der Café-Inhaberin, für die offenbar jeglicher Ausfall von Mobilgeräten ein solcher darstellt. Sie kippt den Kopf zur Schulter, pfriemelt ihren großen Goldring aus dem Ohrläppchen und reicht ihn Frau Life Science über den Tresen. Der Stecker am Ohrring soll’s richten.

Tut er auch. Zhipp, flutscht die Karte aus dem Handy-Gerät.

„Schon öfter so gemacht?“, fragt Frau Life Science beim Zurückgeben des Ohrschmucks.

„Immer“, winkt die junge Frau ab.

Tja, das Multifunktionswerkzeug Goldohrring ist jetzt nicht so ihrs, denkt Frau Life Science. Aber in den meisten Fällen reicht ihr ja ihr Schweizer Messer.

 

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