(422) Wochenende New York/Berlin

Schon das zweite Wochenende ist Frau Life Science nun allein für die Belustigung des Einzelkindes zuständig, denn der Lifescientist ist auf Dienstreise nach – raten Sie mal wo: der alten Wirkungsstätte. Er residiert in einem gemieteten Zimmer in unmittelbarer Nähe von good old Roosevelt Island in einer Neighborhood, die Frau Life Science vom Rumstrohmern ebenso gut kennt wie die Hosentasche ihrer Second Hand Jeans.

Nun kann er wieder sonntags zum bengalischen Frisör, darf seine T-Shirts in Astorias Waschsalon waschen und mit der Tram zur Arbeit schweben, sobald er sie per Bus erreicht hat. Jet Set geht anders.

„In gut zwei Wochen bin ich zurück, am Sonntagvormittag“, verspricht der Lifescientist. „Sonntagvormittag, ist klar“, sagt Frau Life Science. „Als ob du den Koffer abstellst, und sofort in den Sandkasten hüpfst.“ Aber dann hat er schließlich erstmal Jetlag, East is a Beast, das weiß man ja, er ist dann generell überlastet, mit etwas Glück hat er ne fette Erkältung im Gepäck, ein Koffer voller Wäsche und im Berliner Labor muss er ganz dringend nach dem Rechten sehen. Aber klar, am Sonntagvormittag ist er wieder „da“…!

„Du meinst, ich kann ab dann auch ein bisschen im Weg rumstehen?“, fragt der Lifescientist selbstironisch. Da muss Frau Life Science dann doch lachen.

Solche Zeiten, insbesondere die Wochenenden, muss sie als Strohwitwe mit forderndem Kindergartenkind gut strukturieren, weiß Frau Life Science aus Erfahrung. Sie registriert sich und den kleinen Schatz für die „English Story Time And Sing Along“, in einem kruschteligen und wenig Lifestyle-orientierten, dafür aber authentischen englischsprachigen Buchladen und fühlt sich beim Singen von „Itsy bitsy Spider“ in interkultureller Gesellschaft schon fast wie auf Roosevelt Island in der Public Library. „I’m SO glad you all came he-re to-day!“, „I had so much fun with you, Forschernachwuchs, catching the sca-arves!!“ – hier wird wieder eine soziale Euphorie am den Tag gelegt, die Frau Life Science lange nicht mehr gesehen und gehört hat, und die im Berlin ihresgleichen sucht. Einfach awesome ist das hier! Ein Jammer, dass sie den Aushang in einer beliebigen Apotheke erst Monate nach ihrer Ankunft in Berlin gesehen hatte. Dabei liest sie doch immer alle Aushänge, sogar die von Apotheken, in die sie gar nicht geht.

Was am Wochenende auch immer ein Highlight ist: Theatervorführungen. Frau Life Science genießt es, dass es ganz in der Nähe ein stationäres Kindertheater gibt. Sie liebt es, mit dem Forschernachwuchs Seite an Seite das Interesse auf etwas Drittes zu richten, das beide gleichermaßen, aber jeden anders interessiert. Während der Kleine ganz in der Geschichte ist, sich vor Begeisterung kaum auf dem Stuhl halten kann; voll im Moment aufgeht und bei Popo- und Pupsthemen glucksend lacht, kann Frau Life das Große Ganze erfassen und sich am Künstlerischen, an Idee und Gestaltung erfreuen und natürlich an der unmittelbaren Freude ihres Kindes.

„Sind es heute Puppen oder Schauspieler?“, möchte eine Zuschauerin vor der Vorstellung wissen. Gute Frage. Die Grenzen sind fließend. Bei diesem Stück ist es so, dass einer der Darstellenden Schlafanzughosen trägt, die zur Figur gehören, den Oberkörper derselben Figur jedoch führt er als Puppe vor sich her. Zwar trägt er dabei ein schwarzes Hemd, es scheint jedoch nicht das Ziel zu sein, hinter der Puppe unsichtbar zu werden, denn neben dem flächigen Pappmaché-Gesicht der Spielfigur ist auch das Gesicht des schlafanzughosigen Puppenspielers selbst immer wieder präsent. Dieser chimäre Organismus aus Mensch und Puppe wirkt manchmal grotesk, aber Puppenspieler wissen, was sie tun: Es funktioniert. Applaus, und bis zum nächsten Mal!

Bei ausgewähltem Unterhaltungsprogramm geht auch dieses Wochenende schnell vorbei und das nächste ist auch schon verplant. Und schon am Sonntag ist der Lifescientist ja wieder da…

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