Unalltägliches 3

Dass eine Moderatorin im Deutschlandfunk eher eine Beerdigung hielt als dass sie eine Radiosendung moderierte und dass sie beinahe zu weinen schien, hat Frau Life Science so runtergezogen, dass sie es gestern nicht verbloggen wollte. Es war ein einziger Abgesang. Die Wirtschaft, die Börsenzahlen und überhaupt. Wo soll das noch hinführen.

Aber heute war kein schlechter Tag. Das Besuchskind war da von 9:00 Uhr bis 15:30 Uhr und der Tag gerettet. Nicht zu jeder Tageszeit war klar, ob Spielplätze noch „erlaubt“ sind. Da der Spielplatz im Innenhof ausdrücklich als „privat“ beschildert ist, nutzte Frau Life Science die Gelegenheit, und ging ohne schlechtes Gewissen wenigstens eine Weile mit den Kids raus. Dient schließlich ihrer Gesunderhaltung und der Stärkung des Immunsystems.

Sie trafen keinen, obwohl ja Ferien sind, nur Menschen auf dem Weg zum Einkaufen waren zu sehen, als wäre jetzt schon eine Ausgangssperre verhängt, nicht nur für Spielplätze. Am Nachmittag füllte sich dann der Innenhof wieder, die Nachbarschaft hatte wohl Nachrichten gehört. Man darf in Berlin noch auf den Spielplatz! Jetzt doch! Also heute jedenfalls! Blickt eigentlich noch irgendjemand durch?

Ein Frisörtermin für das struppige Kind war auch noch drin, allerdings in einem anderen Etablissement als das, in das sich Frau Life Science gestern verirrt hatte. Es war ein kleiner Salon, der an seinem wahrscheinlich letzten Arbeitstag alles tat, um sich selbst, die Kunden und die Menschen an sich zu schützen. Die Mitarbeiterinnen traten nacheinander an den Tresen, praktisch wie am Bankschalter, die Frisörin bat Frau Life Science Abstand vom Schneidevorgang zu halten. Sie wischte das Display des Kartenlesegerätes mit Desinfektion und, und, und. Dabei war sie durchgehend freundlich und professionell, obwohl sie wahrscheinlich maximal unter Druck stand. Betriebsferien für unbestimmte Zeit! Von heute auf morgen. Das muss man erstmal wegstecken. Das jedenfalls ist ein Betrieb, den Frau Life Science nach den Ferien unbedingt weiter unterstützen möchte. 

Im Baumarkt war sie auch noch, ein paar Balkonpflanzen erwerben, denn es könnte ja sein, dass Balkon bald das neue Draußen ist. Und für die Kinder ist es ein tolles Projekt, wenn sie was einbuddeln und gießen können.
Frau Life Science fragte mit dem vorgeschriebenen Anstand äh Abstand, welche Balkonblumen der Mitarbeiter empfehle, wenn man wie sie nicht so das Händchen dafür habe. Nach einer bedeutungsvollen Pause sagte der Angestellte: „Kunstblumen!“ Dann ergänzte er noch, Frau Life Science solle doch lieber die Kollegin fragen, er selbst wisse über Pflanzen auch nur, dass das Grüne nach oben müsse.

Ein  Kunde im Baumarkt schob einen Einkaufswagen, während er kaute. Mit ein und derselben Hand hielt er zugleich den Einkaufswagen und die Laugenstange fest. Er presste das Gebäck praktisch AN den Haltegriff. Erkenntnis und Verhaltensänderung: Fehlanzeige. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es schon besser, dass der Baumarkt jetzt auch zu ist.

Brauchen wir die Ausgangssperre? Man könnte ja fast meinen! Es gibt zu viele Nichtchecker und oft genug gehört man selbst dazu. Frau Life Science hofft dennoch, dass sie nicht kommt.

Sie vermisst eine Ansprache der Bundeskanzlerin, am besten regelmäßig ab sofort. Der Bundespräsident gleich mit dazu, in gebührendem Abstand voneinander sitzend und mit dem deutschen Fähnchen. Also Ansprache, nicht Pressekonferenz, nicht Podcast! Fünf bis zehn Minuten reden, ungeschnitten, direkt ins Angesicht, auf allen Radiosendern und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen um 12.00 Uhr. Liebe Bürgerinnen und Bürger: Die Hütte brennt. Die Kacke ist am Dampfen. Oder was immer man im Ansprachen-Deutsch dazu sagt. Dann allen noch einmal erklären warum es nicht nur um die eigene Gesundheit oder das eigene Leben geht, und sagen, dass verdammt nochmal JEDER sein tägliches Verhalten überdenken muss, welche Schwierigkeiten jetzt außer im Gesundheitssystem künftig zu erwarten sind und wie, mit welcher Geisteshaltung, wir da am besten durchkommen.
Oder gab´s das schon und Frau Life Science hat´s verpasst? Man sollte mal Steffi aus Ottenheim fragen, ob sie etwas weiß.

Die sozialen Netzwerke sind voller spontaner Hilfsangebote für alte Menschen. Aber die Sozialen Netzwerke nicht voller alter Menschen.

Apropos soziale Netzwerke: Um 21:00 Uhr hat Frau Life Science geklatscht. Für die Helden, die alles am Laufen halten. Um 20:58 Uhr stand sie auf dem Balkon, um 21:00 Uhr wollte sie schon wieder reingehen, da öffnete sich gegenüber in großer Entfernung eine Balkontür. Und da klatschte Frau Life Science und die Person gegenüber klatschte mit und von oben klatschte es plötzlich auch. Gänsehaut!
Frau Life Science wollte gar nicht mehr aufhören, wenn man halt gerade so drin ist! Am Schluss öffnete sich noch Fenster mit dem Wortbeitrag „Lass doch den Krach!“ Geschenkt. Er wusste es halt nicht.

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