Unalltägliches 4

Das Kita-Schließzeit-Besuchskind kam heute nicht, es hat H. und musste zum Arzt. Es hat eigentlich immer H., schon seit man es kennt, daher wäre es fast besorgniserregend, wenn es etwas anderes als H. hätte. H. war früher ja auch nicht schlimm, es war einfach H.. So wie S. halt, nichts Besonderes. Wenn man heute H. oder S. hat, muss man immer gleich an C. denken. Ein Mist ist das.

Der Tag begann mit Balkongestaltung, außerdem standen Fahrradfahren, Kicken, etc. auf dem Plan. Auf die Küchenuhr für die Medienzeit schaut man in diesen Zeiten auch nicht mehr sehr genau. Punktuell hat sich Frau Life Science über ihre eigene Geduld gewundert. Mit einer Nachbarin Nummern ausgetauscht. Falls mal was wäre.

Wenn man nicht stündlich auf den sozialen Netzwerken vorbeischaut, ist man gar nicht in der ständig wechselnden Kenntnis, ob die Spielplätze offen sind oder nicht. Frau Life Science glaubt inzwischen verstanden zu haben, dass öffentliche Spielplätze in Deutschland eher geschlossen, in Berlin generell offen, aber in Steglitz-Zehlendorf geschlossen sind. Der geschlossene Spielplatz in Lichterfelde war aber offen. Also, wenn er geschlossen wäre, müsste man doch ein winziges Schild oder ein Flatterband anbringen. Vielleicht machen sie das morgen. Wichtiger als geschlossen oder offen ist aber sowieso das eigene Verhalten.

Vielleicht sollte man andere auch einfach ansprechen. Also, falls man in diesen Tagen noch Menschen trifft oder sieht und wenn diese dann immer noch komische Dinge täten. Warum hat Frau Life Science den Mann gestern mit der Laugenstange am Einkaufswagen eigentlich nicht angesprochen? Man kann das ja auch mit einem Lächeln tun. Oder einem witzigen Spruch, wenn einem einer einfällt. Echte Berliner wären da natürlich klar im Vorteil.

Schmeckt‘ s?
Gibt’s schon ne Impfung oder warum drücken Sie die Laugenstange gegen den Einkaufswagengriff?
Pandemie, schon mal gehört? 

Ist doch ein bisschen wie Hupen im Straßenverkehr. Muss halt manchmal sein. Wobei es meistens Frau Life Science ist, die angehupt wird, wenn sie mal fährt.

Jedenfalls hofft Frau Life Science, dass man durch soziales Hupen und durch eigene Anstrengung vielleicht die Ausgangssperre abwenden könnte.

Es gab eine Zeit, da hat man einfach Klopapier gekauft, ohne dass jemand Notiz davon nahm. Heute vier Gespräche mit distanten Fremden im Geschäft:

  • „Darf man das Klopapier hier einfach nehmen?“
    (Ja, im sonst wohlgeordneten und ausdekorierten REWE wird es nicht mehr eigens ins Regal eingeräumt, wo es ohnehin keine Liegezeit hätte, sondern die Palette einfach in den Mittelgang abgeladen).
  • „Ich brauch tatsächlich Klopapier, weil meines leer ist“ (Man muss sich rechtfertigen)
  • „So langsam hat man das Gefühl das man WIRKLICH Klopapier bevorraten muss! Wenn´s mal kein Wasser gibt?“ (Ängste sind nie rational, sonst wären es keine)
  • Auf der Straße: „Ach haben die drinne noch Klopapier?“

Die Kanzlerin hat offenbar den Blog gelesen und sich endlich in einer Ansprache an die Bürger gewandt. Frau Life Science, der Lifescientist und das Kind saßen rechtzeitig um 19:20 Uhr am Lifestream von ZDF. Nur die Kanzlerin war nicht da.
Bis 19:33 Uhr sahen die drei Werbesendungen für folgende Produkte:
Anti-Faltencreme, Mascara, Hornhautcreme, Abnehmpillen, Gelomyrtol, Sinupret, Bräunungscreme, Apollo-Optik, Dunstabzugshauben, ein Schlafmittel sowie ein Mittel gegen Reizdarm und Blähungen. Wenn das überhaupt alle Produkte waren. Wer sich dann noch konzentrieren konnte oder wollte, hörte der Kanzlerin zu.

Es war ok, aber es kam spät und es fehlte der Wumms.

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