Unalltag 7

Das alles hat erst angefangen, aber man hat schon so seine Tiefs.
Wie lange das? 
Tag rumkriegen, wie?
Wie viel Geld kann man drucken um den weltweiten Schaden zu begleichen?
Aber vor allem: 800 Tote in Italien an nur einem Tag. 

Da muss Frau Life Science an ihre ehemalige Vermieterin denken, die ihr ganzes Leben lang an einer chronischen psychischen Erkrankung leidet und gestern mal wieder am Telefon war. Festnetztelefon ist ja das neue Leute Treffen. Erkundigung nach dem Befinden. „Weißt du, Frau Life Science“ sagte die ehemalige Vermieterin, „ich verzweifle sowieso jeden Tag dreimal“.
Wer viel Übung im Verzweifeln hat, kommt möglicherweise besser durch die Krise.

„Ich muss eine Runde Fahrradfahren, sagt Frau Life Science zum Lifescientisten. Mir fehlt die Zerstreuung – schon jetzt, schon ohne Ausgangsbeschränkung“. Steglitz-Zehlendorf war Frau Life Science bereits ohne Social Distancing ein Stück zu reizarm, jetzt natürlich erst recht. Das Stadtviertel übertrifft jegliche Erwartung an antipandemischem Bürgerverhalten um ein Vielfaches. Alle sind im Haus – wie sich das gehört.

Gehört es sich wirklich? Frau Life Science hat auch schon zum Zuhausebleiben aufgefordert, aber es war eher im Sinne von Ungeselligkeit gemeint und sie glaubte auch, es reiche, wenn man das „eine Weile“ mache. Vielleicht so eine Woche?!
Zuhausebleiben ist inzwischen dauerhaft angesagt. Doch Frische Luft, strahlende Sonne und sprossender Frühling mit sich allein oder mit der haushaltlichen Infektions- und Schicksalsgemeinschaft muss doch dringend empfohlen werden, oder versteht Frau Life Science da etwas falsch?
Woher sonst soll man die physischen und psychischen Widerstandskräfte für den Marathon hernehmen, der gerade erst angefangen hat?

Heute wieder Balkon-Applaus, Hinweise hatten sich auf 19.00 Uhr verdichtet, statt wie beim letzten mal 21.00 Uhr. So konnte auch der Forschernachwuchs mitklatschen, was er gerne tat. Anderswo in Deutschland wurden um 20:00 Uhr Kerzen ins Fenster gestellt, auch schön. Morgen soll um 18.00 Uhr am Fenster musiziert werden. Mal hören, ob man´s hört.

Zwei Lichtblicke des heutigen Tages:

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Lichtblick 1: Pailletten-Steckbild, Kakadu. Empfehlenswerte Beschäftigung für Menschen ab vier Jahren und ihre haushaltliche Infektionsgemeinschaft

 

Lichtblick 2: Das kommt für Frau Life Science wie gerufen: Ein junges Paar rief heute auf der Nachbarschaftsplattform zum sogenannten „Tischlein Deck Dich“, einem Verschenkflohmarkt in Abwesenheit des Anbieters. Das Paar grüßt in der Anzeige mit dem Spruch „Abstand ist das ganze Leben“. Waren nette Sachen dabei, die gewaschen und gereinigt in den Life Science Haushalt wandern. Dankeschön für die wunderbare Aufmunterung.

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