Unalltag 14

Mundschutzmasken sind jetzt salonfähig. Man geht ganz normal damit in die Öffentlichkeit. Frau Life Science kann das allerdings nur für das hiesige Einkaufszentrum bestätigen, denn ein andere reale „Öffentlichkeit“ kennt sie ja nicht mehr.
Lange hieß es, das mit den Masken bringe nichts. Es sollten die nutzen, die sie wirklich bräuchten, man fühle sich auch schnell zu sicher, es sei eher eine Höflichkeitsgeste und dergleichen mehr. Aus reiner Höflichkeit wollte Frau Life Science dann doch nicht damit anfangen!
Nun plötzlich wird vermehrt dazu geraten, mancherorts sogar verpflichtet, im Nahbereich wie im Einkaufsladen einen Mundschutz zu tragen. Herr Kekulé, „St. Drosten“, die Bundesärztekammer und andere sind sich auf einmal relativ einig.
Es sei kein hundertprozentiger Schutz, schon gar nicht für einen selbst, jedoch habe es zumindest eine gewisse Wirkung. Da Maßnahmen mit Wirkung bei dieser Seuche generell knapp sind, kann man ja solche ergreifen, die zumindest ein bisschen wirken und nicht viel kosten, außer den eigenen Stolz.
Intuitiv hat man es sich vielleicht schon irgendwie gedacht, dass es nicht ganz unsinnig sein kann. Wenn eine Krankheit durch Tröpfchen übertragen wird, kann es nichts schaden, etwas vor Mund und Nase zu haben.
Aufgrund des allgemeinen Mangels an verfügbaren Masken wird von den Experten dazu geraten, zu behelfsmäßig selbstgemachtem Mundschutz zu greifen. Frau Life Science hat für sich und den Lifescientisten auf Etsy heute auch ein paar genähte Stoffmasken zum Wechseln bestellt, denn in normalen Geschäften oder in der Apotheke gibt es sie ja nicht oder sie sind ausverkauft. Erst nach der Bestellung hat sie erfahren, dass eine hiesige Änderungsschneiderei jetzt ganz frisch welche im Angebot hat. Clever! 

Heute beim Telefonieren aus dem Fenster gesehen, da klatschte es plötzlich am Balkon gegenüber. Uaah! Schon 19:00 Uhr, obwohl es noch so hell war, die Zeitumstellung. Frau Life Science würgte das Telefonat ab, riss das Fenster auf und klatschte mit, aber eben am Fenster zur Straße hin. Eigentlich ist sie ja auf der Innenhof-Seite mit den handverlesenen unbekannten Nachbarn „verabredet.“ Aber interessant zu sehen, wer auf der Straßenseite mitmacht! Sieht sie ja sonst gar nicht. Vielleicht wird Frau Life Science fortan mit der Klatschrichtung abwechseln.

Apropos Klatschrichtung: Natürlich kennt Frau Life Science die Kritik am Klatschen und dass zum Beispiel Pflegekräfte eine Art Anerkennung wünschen, die ihnen und ihren Familien konkret etwas bringt: eine gerechtere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Das stimmt natürlich. Frau Life Science klatscht trotzdem für alle europäischen und außereuropäischen Pflegekräfte, die es hören wollen, und für alle anderen Berufsgruppen und Einzelpersonen, die in dieser Krise in irgendeiner Weise besonders gefordert sind. Aber auch für alle die, die sich wie auch immer solidarisch verhalten, die aktuelle Situation bescheiden aushalten und punktuell über sich hinauswachsen. 

Ein Sonderapplaus gibt es außerdem für ein Familienmitglied von Frau Life Science, das  wegen seinem Pflegeberuf in vierzehntägige Quarantäne geraten ist – und die fünfköpfige Familie gleich mit. Nach einem beruflichen Kontakt zu einem Erkrankten ist der ganze Haushalt verpflichtet, ausschließlich zuhause zu bleiben; in einer nicht zu großen Stadtwohnung und mit sehr agilen Kindern. Einen C-Test gibt es nicht. Erst bei auftretenden Symptomen.
Der Arbeitgeber entbehrt dadurch nicht nur eine weitere Vollzeitkraft, sondern organisiert noch einen persönlichen Einkaufsdienst für ebendiese. Bitte nochmal klatschen. 

Beim Hören der täglichen Pandemie-Berichte fällt man ja wieder und wieder vom Glauben ab. Oder man beginnt plötzlich, Unglaubliches zu glauben.
Der Lifescientist, der nicht übermäßig für Naivität bekannt ist, glaubte dieser Tage, „Helikoptergeld“ sei Helikoptergeld. Man würde also, in bestimmten amerikanischen Regionen, wo es möglicherweise nicht anders ginge, Schecks aus Helikoptern fallen lassen.
„Aber lieber Lifescientist, wie soll das gehen? Dann kriegt ja einer fünf Schecks und der andere gar keinen“. Das mit dem Einlösen könne man ja irgendwie regeln, meinte der Lifescientist.
Natürlich ist Helikoptergeld, das wissen Sie, nur ein sprachliches Bild. Aber egal, ob es sich um einen methaphorischen Helikopter oder einen mit wirbelnden Rotorblättern handelt, die erforderliche Masse der Geldverteilung ist tatsächlich gigantisch. Insofern liegt der Lifescientist nicht ganz falsch.

Eine andere Nachricht war aus Sicht des Lifescientisten un-glaublich und seiner Einschätzung nach als Satirebeitrag zu verstehen:

„Die katholische Kirche will allen mit dem Coronavirus infizierten Gläubigen die Sünden erlassen“ – sie müssen dazu nur an einem online übertragenen Gottesdienst teilnehmen oder in der Bibel lesen, das allerdings „mindestens eine halbe Stunde“. Das sollte zu schaffen sein.

Das war aber eine echte Meldung von einer realen Tatsache, wenn auch süffisant formuliert.

3 Gedanken zu “Unalltag 14

  1. Hier bin ich mit meinem Mundschutz immer sehr alleine unterwegs. Ich freue mich aber über jeden, der einen trägt, denn selbst wenn ich damit alleine bin, fühle ich mich gleich nicht mehr so! 💪

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    1. Der online bestellte Mundschutz ist noch nicht eingetroffen und in der pfiffigen Änderungsschneiderei im
      Viertel ist die Ware schon wieder ausverkauft.
      St. Drosten ist heute auch schon wieder zurückgerudert…
      Trotzdem: Schaden kann es nichts!

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      1. Es darf sich halt keiner auf den Mundschutz verlassen. Es gibt bestimmt irgendwelche Vollhonks, die dann denken, dass es keinen Mindestabstand mehr braucht und Händewaschen ist auch überbewertet, und mit Mundschutz kann man dann auch zur Cororna-Party gehen, solange man den Schnaps durch einen Strohhalm trinkt. 🤦‍♀️.
        Und man soll mit seinem Kauf den medizinischen Bedarf keine Konkurrenz machen, und auch hier gibt es bestimmt ein paar Schlaue, die den besseren Eigenschutz möchten und notfalls eine Atemschutzmaske mit Gold aufwiegen. Deshalb kann ich schon verstehen, dass diese Aussage für Masken auch ganz eigene Gefahren birgt.
        Aber selbst, wenn es noch den einen oder anderen Ansteckungsfall verhindert, wirkt sich das exponentiell nach hinten gewaltig aus. Und mich beeindruckt die Tschechische Republik mit ihrer Maskenpflicht und dem Tempo, mit dem die Menschen mit Mundschutz versorgt wurden schon.
        Aber das schreibe ich hier gerade ja der Falschen in den Blog 😉. Ich suche mir besser jemanden, der es anders sieht…

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