Es war einmal die Unbefangenheit

Nach fast einem Vierteljahr hat Frau Life Science die niedlichste aller Virenschleudern wieder zum Kindergarten gebracht und jetzt hat sie ihn, den Blues.

In ihrer Naivität hatte sie ja noch gedacht, sie könne ihr Kind ins Haus begleiten, mit ihm Hände waschen und die neuen Wechselkleider im Bad verstauen. Hallo sagen. Mal reinschauen, sich ein Bild machen. Aber natürlich ist es ganz anders: Man klingelt unten an der Tür, sagt, wer da ist, nämlich der Forschernachwuchs und… ein anderes Kind… …wie heißt es doch gleich? Vergessen. Dann nimmt der herbei gelaufene Erzieher die zwei mit – und weg sind sie. „Tür- und Angel-Gespräche“, die in jedem Kindergartenpädagogikbuch als konstituierend für die Erziehungspartnerschaft gepriesen werden, sind out. Schwätzen ist infektionsträchtig, man kann ja anrufen, außerdem muss der Erzieher zurück zur Gruppe.

Wer ist überhaupt zurzeit im Dienst? Ist das Kind noch auf seiner alten Gruppe? Welche bekannten Gesichter sind da? Ist der Garten jetzt in ätzende Kompartimente abgetrennt? Im allgemeinen Chaos sind die Eckpunkte des neuen Konzepts noch nicht bis zu Frau Life Science durchgedrungen. Es gibt bestimmt irgendwelche Zettel, die sie noch nicht bekommen hat. Gut, dass ihr Vertrauen beinahe grenzenlos ist. Aber was machen sie jetzt den ganzen Tag dort, außer Hände waschen und nicht singen?

Turnen jedenfalls auch nicht, dass hatte ihnen die Mutter des fremd gewordenen Kindes gleich schon im Hof mitgeteilt, als sie den Turnbeutel des Forschernachwuchses erblickte. Wie konnte Frau Life Science das nur vergessen: dass das Coronavirus vor allem beim Purzelbaum schlagen übertragen wird. Ist doch nahe liegend! Stellen Sie sich vor, man machte eine wissenschaftliche Untersuchung: Die Mäusegruppe turnt jeden Montag und die Bärengruppe nicht (die popeln in der Zeit mangels Beschäftigung in der Nase). Wetten, dass die turnende Mäusegruppe ruck-zuck zum Corona-Hotspot wird? Drosten würde sagen: „Es gibt keine Hinweise, dass kindliches Turnen Infektionen nicht häufiger ermöglichen könnte als nur Nase bohren.“

Am Turnen hängt´s jetzt nicht allein, aber an allem zusammen: wenn der Infektionsschutz im Mittelpunkt steht, tut es das Kind nicht mehr. Willkommen in der schlechtesten Pädagogik der letzten 50 Jahre. Es ist die Pädagogik des Verschanzens. Von und mit Leuten, die es im Grunde ihres Herzens besser wissen und besser machen könnten, wenn sie dürften. Scheiß Corona!

Frau Life Science könnte k… . Oder weinen. Weil das unsägliche Virus ihrem Kind eines der kostbarsten Dinge nimmt, die es besitzt: seine Unbefangenheit.

Turnschläppchen der Unschuld

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