Stockbett mit Türcode

Der diesjährige Deutschlandurlaub brachte Familie Life Science eine Übernachtung in einer Jugendherberge ein. Dies geschah zum Zwecke der Teilung ihrer langen Autofahrt quer durchs Land. Sie hätten auch ein Hotel wählen können, aber das hätte ja gar kein Stockbett gehabt – langweilig!

Jugendherbergen scheinen zu Corona-Zeiten besonders unterstützenswert, sogar die „ZDF Heute Show“ machte in ihrer letzten Folge vor der Sommerpause auf die besondere Notlage dieser Einrichtungen aufmerksam. Aber auch ohne Corona sind Jugendherbergen keine zweite Wahl, gerade als Familie – nur falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte.

Man muss in so einem Familienzimmer auf nichts verzichten, außer vielleicht einem eigenen Fernseher am Bett und letzteres bezieht man natürlich selbst. Dafür gibt es einen Spielplatz vor der Haustür und viel Platz zum Rumseggeln ohne dass es irgendjemanden stört.

Eine Jahresmitgliedschaft im Herbergsverband ist schon bei einer einzigen Übernachtung fällig, aber wenn man wie Familie Life Science eh schon vergessen hat, die Mitgliedschaft von 2019 rechtzeitig zu kündigen, ist das unerheblich.

Das einzige, was den Berlinern in der Herberge fehlte, waren Seife und Handtücher. Diese wären am Urlaubsort reichlich vorhanden gewesen, nicht aber beim Zwischenstopp. An die Zahnbürste hatten sie gerade noch rechtzeitig gedacht. Da in der Jugendherberge alle öffentlichen Waschräume abgesperrt (Corona- Erschreckungsversuch) und nur die im eigenen Zimmer zugänglich waren, musste der Lifescientist noch spätabends zur Tanke und ein Stückchen Seife kaufen, sonst hätten sie sich nicht einmal die Hände waschen können.

Am nächsten Morgen ermöglichte die Tankstellen-Dove sogar noch das Duschen. Abtrocknen konnte man sich mit dem Bettbezug, den abzuziehen man ohnehin verpflichtet war, und seine Trockenwirkung war besser als erwartet.

Nach dem tadellosen Frühstücksbuffet entlang der aufgeklebten Bodenpfeile checkte Familie Life Science aus, also eigentlich auch erstmal ein, denn sie hatten sich am Vorabend nach Rezeptionsschluss via telefonisch übermitteltem Türcode Zugang zur Herberge verschafft, in Zimmer 10 hatte man ihnen einfach Zimmerschlüssel und Bettwäsche bereitgelegt.

„Können wir wieder einmal hier übernachten?“, bettelte der Forschernachwuchs auf der Weiterfahrt. Es braucht nicht viele Dinge, um einen Vierjährigen glücklich zu machen.

Bleibt nur zu hoffen, dass solche Häuser irgendwann einmal wieder nicht nur halb, sondern ganz so genutzt werden können, wie sie – auch baulich – gedacht sind: als Orte der Begegnung. Es macht traurig, wenn Sitzecken verrammelt sind, wenn das Kicker-Zimmer verschlossen ist, wenn Folien und Flatterband aus einer offenen Architektur eine Übernachtungsabfertigung machen – machen müssen. Dennoch spürt man den ursprünglichen Geist und die Gastfreundschaft hinter dem Plexiglas nach wie vor.

In einer Jugendherberge trifft man viele andere Jugendliche.
Der Hagebutten-Tee steht bereit.
Christo oder Corona? Jedenfalls ganz viel Zellophan.

Gemütlichkeit: aus Sicherheitsgründen verboten

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