Lörning Inglisch

In der 2. Klasse an Frau Life Sciences Einsatzschule gibt es Früh-Englisch, also erste Begegnung mit dem Fach Englisch, bevor es in der 3. Klasse reguläres Unterrichtsfach wird.
Englischunterricht findet im Deutschunterricht statt, wo sonst. Es sind eher nur so ein paar Minuten. Und jetzt raten Sie mal, welche qualifizierte Lehrperson rekrutiert wurde, um diesen Erstbegegnungsunterricht zu erteilen. Richtig! Keine geringere als Frau Life Science! Lachen Sie nicht.

„Ich hab´s dir immer gesagt“, sagt der Lifescientist mit erhobenem Zeigefinger, „unser New York-Aufenthalt war die reine Qualifizierungsmaßnahme!“ Und wie sie sich qualifiziert hat, die Frau Life Science. Wenn Sie beim Straßenhändler eine Coke geordert hat, bekam sie einen Hotdog angeboten. Klingt ja fast gleich!?

Wenn die Lehrkraft schwächelt, braucht sie Medien und Methoden. An ersterem, den Medien, mangelt es nicht. Ist ja schließlich 2020. (Kaum ist man mal ein paar kurze Jährchen aus dem Schuldienst, schreibt man plötzlich nicht mehr mit Kreide, sondern mit einem Plastikstift auf eine Wandtafel, die zugleich Touchscreen ist und Videos abspielen kann, während man selbst noch mit blauen Kopien vom Matrizendrucker unterrichtet wurde und im Referendariat den Raum mit dem Beamer drei Tage vorher reservieren musste).

Und die Methoden? Singen würde sich anbieten! Dürfen Sie aber bis auf Weiteres nicht im Klassenzimmer. Da müssen Sie schon raus auf den Hof. „Zieht eure Jacken an, Kinder, wir haben Englisch!“
Frau Life Science muss auch darauf achten, wo sie gegebenenfalls singen. Denn ALLE Fenster im Schulhaus stehen auf Dauer-Kipp, d.h. sämtliche echte Englischlehrer hören mit! Und die anderen könnten sich allein durch die Lautstärke gestört fühlen. Pandemie ist, wenn sich die Katze in den Schwanz beißt.

Auch andere Unterrichts-Methoden fallen weg, so ziemlich alles was mit wechselnden Infektionen, äh, Interaktionen zusammenhängt oder sonst irgendwie spontan und unkontrolliert ist. Wenn der Unterricht so organisiert ist, dass man alle fünf Minuten haushoch durch die Lehrprobe fallen würde, dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Infektionsschutz gewährleistet.

Aber komisch: Die Kinder haben trotzdem Spaß. Auch und gerade an Englisch! Und Frau Life Science ist jeden Tag froh, an dem sich alle so treffen können – auch unter Bedingungen der beinahen Unmöglichkeit. Real Life ist immer noch besser.

Das mit den Englischminuten kriegt sie jedenfalls gerockt. Ist ja für begrenzte Zeit erstmal. Aber kurz nach Schuljahresbeginn kam im Lehrerzimmer noch eine Kollegin auf Frau Life Science zu und meinte, Frau Life Science müsse in ihrem Deutschunterricht, in dem sie auch Englisch macht, noch NaNu anbieten (oder FixFax? Frau Life Science weiß es nicht mehr. Irgendwas mit seltsamen Buchstaben). Also das [Buchstabenkombination] müsse stattfinden, und zwar mit ihr. Sehr gerne mit dieser sympathischen und kompetenten Dame! Aber [Buchstabenkombination] AUCH noch? Und was ist das überhaupt? Es sei kurz gesagt eine Förderung der Kinder, führte die Kollegin aus, die nicht schon Deutsch oder Mathe wäre, sondern eine andere Art. Man müsste in der Richtung selbst etwas zusammenstellen. Aha!

Später stellte sich heraus, dass doch jemand anderes für [Buchstabenkombination] vorgesehen war. Schade um die Zusammenarbeit! Aber Frau Life Science kann dann mehr von dem tun, das sie am liebsten macht: eines ihrer Fächer unterrichten. You know?

2 Gedanken zu “Lörning Inglisch

  1. Musste gerade herzlich lachen! Danke für dieses (oder diese?) amüsante „Insight“ in den multilingualen Schulalltag… 😉 Ja, ja, Improvisation ist alles – war’s als Lehrerin vor Corona aber auch schon!… Lieben Gruß m, gerade aus der familiär bedingten Lehrpause, Sarah

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  2. You made my day. Außerdem schön, so einen Einblick zu bekommen, wenn man selber noch in der Schule war als Englisch ab der fünften Klasse Wahlfach war und nur auf der „höheren Schule“ Pflichtfach.

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