Alles eine Frage der Planung

Wenn Frau Life Science bekannt gibt, dass sich ihr Reproduktionsstatus geändert hat, fragen viele:

„War’s geplant?“

Ja, was denn sonst? Natürlich hat Frau Life Science das von Grund auf geplant wie eine Kochlandschaft im Musterhaus Küchen Fachgeschäft. Sie hat genau geplant, wie sie die deutsche DIN-Familie a la Conni (die mit der Schleife im Haar) mit Jakob, Teilzeit-Anette und Vollzeit-Jürgen arrangieren würde, fehlt bald nur noch Kater Mau. Denn in der „vollständigen“ deutschen DIN-Familie liegt das Glück. Oder etwa nicht?

Wer Frau Life Science kennt, der weiß: sie plant alles bis ins Kleinste. Sonst wäre sie kaum auf dem zweiten Bildungsweg gelandet, sie würde nicht als Realschullehrerin an einer Grundschule unterrichten und sie wäre nicht als Landei schon zweimal mit Familie in eine Großstadt gezogen sein, die sie auch nicht näher kennt.

Das nämlich gar nicht wahr mit der durchstrukturierten Planung.

Ihre zweite Schwangerschaft (der Mutterpass folgt einer anderen Nummerierung – die totale „Planung“ eben) war erhofft und vermieden, gewünscht und befürchtet, miserabel getimed und doch irgendwie passend gemacht. Ein völliges „Gewurschtel“.
Der einzige, der sich sicher war, war der Lifescientist. Er hat leicht reden. (Nicht, dass es für ihn keine Konsequenzen hätte, aber andere).

Frau Life Science kam durch ihre Familien-un-planung bereits in unmöglichste Situationen: Drohendes Beschäftigungsverbot und zwar sofort, erst wegen unser aller Pandemie, einfach so mal pauschal, und auch wegen anderen Infektionskrankheiten wie Ringelröteln, gegen die man nicht impfen kann. Manch eine Lehrerin hätte sich vielleicht über ein paar ruhigere Wochen und Monate gefreut, aber nicht die, die gerade den zu lange rausgeschobenen Wiedereinstieg in die Schule in Angriff nehmen möchte.
Bald darauf folgte ein weiteres „nahegelegtes“ Beschäftigungsverbot wegen ihrem vierzigjährigen, kaisergeschnittenen und auch sonstwie bedenklichen Allgemeinzustand.
Bei zumindest einer Ärztin gilt Frau Life Science nun möglicherweise als uneinsichtige, vielleicht sogar schwierige Patientin, denn sie sagte zum Beschäftigungsverbot mit äußerstem Nachdruck: Neinaufgarkeinenfalldaskommtüberhauptnichtinfragedasgehtnichtunddasmacheichnicht.
„Dann unterschreiben Sie bitte hier!“

Die paar wenigen Stunden in der Schule, die sie fröhlich und zufrieden machen, lässt sie sich nicht nehmen! Zumindest jetzt nicht. Nach der Arbeitsbelastung zuhause hatte übrigens keiner gefragt. Nicht nach der Frequenz des Fensterputzens (wäre allerdings wirklich unbedenklich gewesen), nicht nach Wäsche aufhängen, Staubsaugen und dem Hin und Hertragen von Gegenständen. Nicht nach der Betreuung des eigenen Kindes. Nur außer Haus sollte sie keinem noch so reduzierten Beruf nachgehen.

Aber was wollte Frau Life Science denn ursprünglich schreiben? Das weiß sie auch nicht mehr genau. Da hat sie mal wieder ihren Blogbeitrag nicht zu Ende geplant.


2 Gedanken zu “Alles eine Frage der Planung

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