Es ist ja doch immer noch Unalltag

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler,

…ertönt kurz vor dem Ende der Schulstunde die besonnen klingende Stimme des Konrektors als Durchsage im ganzen Schulgebäude.

Es hat sich heute herausgestellt…

Da rattern im Lehrerkopf die Gedanken in Bruchteilsekundenschnelle. Was es heißt, wenn jetzt, in dieser Stunde, die Schule schließt, oder Teile von ihr, und wenn man jetzt, genau jetzt um 9.40 Uhr direkt nach Hause geschickt wird – Gehen Sie nicht über Los! – und fortan digital geschehen muss, was face to face schon eine hohe Kunst ist.

…es hat sich heute herausgestellt, dass es sich doch kräftig einregnet und wir daher heute eine Regenpause haben werden. Ich bitte die Aufsicht habenden Kollegen das zu beachten.

Glück gehabt. Regenpause können wir!

Während sich Schulleiter-Durchsagen bisher zum Glück immer als harmlos erwiesen haben, rücken die Einschläge dennoch näher. Ein Teil der Kita des Forschernachwuchses ist bereits vorübergehend geschlossen. Eine Infektion im Personalteam. Wenn das mal keine Kreise zieht!

Am Wochenende war Familie Life Science auf einer Familienfreizeit mit der örtlichen Kirchengemeinde. Familien aus dem Stadtteil trafen sich dabei in einer Begegnungsstätte in der Brandenburger Natur. Man stelle sich das mal vor! Gruppen. Menschen. Aus anderen Kohorten! Gemeinsam in einem Haus. Übernachten! Das so etwas überhaupt möglich ist.

Es war möglich, aber Abstriche mussten sein. Der Vergleich zum letzten Jahr drängte sich auf, als die Veranstaltung schon einmal stattgefunden hatte, in dieser längst vergangenen Zeit, als das einzige Hindernis, sich im Speisesaal zu einer anderen Familie aus dem Kiez an den Tisch zu setzen, die eigene Schüchternheit war, niemals aber ein abgeklebter Stuhl.

Besonders schlimm war es beim täglichen Essensbuffet, das getaktet stattfand und mit Anstehschlange erfolgte. Als Frau Life Science endlich an der Reihe war, musste sie angeben, welche Nahrungsbestandteile der Mensch hinter der Plexiglasscheibe ihr auf den Teller legen sollte: ja diesen Käse, Nein, drei Scheiben, Wie Bitte?! Ja, auch von dem Linsensalat. So ähnlich muss man sich in der Justizvollzugsanstalt fühlen. Am Ende des Buffets sah Frau Life Science erst, was es alles gab/gegeben hätte, aber da lagen schon zu viele Sachen auf dem Teller und die Nerven blank.
Nein, sie möchte nicht mit fremden Menschen, deren Charmereserven ob der herrschenden Betriebsumstände aufgebraucht sind, über die Anzahl von Käsescheiben sprechen, die sie zu sich nehmen möchte. (Ebenso wenig möchte sie in diesen Zeiten eine Begegnungsstätte betreiben oder dort arbeiten müssen).
Es war ein bisschen wie im Loriot-Sketch – „Ob es schmeckt, hab ich gefragt!“ – Einfach zu viel soziale Kontrolle beim Essen.
Ob man einfach schnell ins Dorf runter fahren und in einem Biergarten speisen könnte? Mit wem man Lust hat? Das wär´s!

Corona? Lass uns abhauen!! Kinder in der Begegnungsstätte.

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