Herrchen! Wir müssen reden.

Jede Woche einmal tritt Frau Life Science mitten in die Scheisse.

Entschuldigung für die unverblümte Sprache, aber genau so wüst und deplatziert wie das Wort hier erscheint, hat man die Sache ja auch an der Sohle.

Man muss dazu sagen, Frau Life Science ist einfach nicht lernfähig: dass sie als Mensch im Berliner Grünstreifen nichts verloren hat. “Ist doch Wiese, kann ich durch”, denkt sie, wenn sie am Straßenrand parkt und den Gehweg erreichen will. “Ist doch Wiese, kann ich drauf”, sagt sie sich, wenn sie dem Opa mit Einkaufstrolly auf dem Gehweg ausweicht.

Aber Wiese ist Klo.

Sie muss es einfach akzeptieren: Alles, was nicht gepflastert ist = Toilette für den Hund. Ohne Ausnahme. Es herrschen die hygienischen Verhältnisse vom Mittelalter: eine schmale Gasse zum Gehen, seitlich überall die Exkremente.

Würde man allen Steglitz-Zehlendorfer Fellnasen fluoreszierendes Futter verabreichen, wären Straßenlaternen überflüssig, es würde aus dem Randstreifen herausleuchten, flächendeckend und bezirksweit.

Aber da leuchtet nix. Leider.

Da steht sie nun, die Frau Life Science, mit Kot am Absatz. Dem Besitzer war’s zu eklig ihn aufzuheben, jetzt hat sie ihn am Schuh – obwohl sie mit Hunden nichts am Hut hat.

Sie bringt doch die vollen Windeln von der Kleinen auch selber zur Mülltonne, und legt sie nicht der Nachbarin hin.

Was geht in diesen Menschen vor, die ihren Hund spazieren führen und weitergehen, wenn der sein Geschäft gemacht hat? Sind das dieselben, die auch die Corona-Maske unter der Nase tragen? Ist es „ok“, weil es „nur“ der Grünstreifen ist? „Mein Hund kackt nur in den Grünstreifen“? Also, in den vor dem Kindergarten?

Dieser lumpige Streifen Gras ist städtischer Raum und gehört somit allen. Oder keinem. Die einzige Entschuldigung für das Nichtentfernen der tierischen Hinterlassenschaften aus der öffentlichen Fläche übrigens wäre: es handelte sich um Blindenhunde.

Berlin, die Stadt der Blindenhunde.

(Dabei sind die wahrscheinlich am besten trainiert).

Wie es sich für ein zünftiges gesellschaftliches Problem gehört, ist auch dieses hier eins mit Saisonalität: Je weiter der Herbst voranschreitet, desto schlimmer wird’s. Stichwort Herbstlaub. Stichwort Dunkelheit. Darum hat Frau Life Science in diesen Wochen jeden dritten Tag Kot am Schuh statt nur jede Woche.

Da geht sie durch einen friedlich raschelnden Laubteppich, auf einmal wundert sie sich über ein Klumpen Bätter an der Sohle. Wie ist er denn da hingekommen und warum fällt er nicht ab?

Ach ja richtig, er wurde mittels ein paar stinkenden Darmbakterien sowie Spul-, Peitschen-, Haken- und Bandwürmern daran festgeklebt.

Teile eines solchen Klumpens verteilt man doch nur zu gerne im Fußraum des Autos, oder in heimischen Hausflur! Das nimmt man doch mit Vergnügen in Kauf, wenn wildfremde Tierhalter dafür ein bisschen weniger Arbeit haben.

Liebe hundeführende LeserInnen: Sie sind mit den Ausführungen hier gar nicht gemeint, denn Sie lassen das Häufchen Ihres Vierbeiners nicht einfach so zurück. Aber sagen Sie es weiter, wenn Sie jemanden kennen!

2 Gedanken zu “Herrchen! Wir müssen reden.

  1. Das ist tatsächlich einfach eklig. Selbst hier auf dem Land, wo die Felder und Wiesen, auch ein bisschen Wald immer nur ein paar hundert Meter weit weg sind, sind die grünen Kleinstflächen zugekackt. Aber ich lebe in meinem Bekanntenkreis da auch in einer Bubble. So wie alle geimpft sind, machen da alle Hundebesitzer die Haufen weg. Wenn ich einen Hund kacken sehe, bleibe ich inzwischen auch stehen und schaue zu. Dann wird auch eingebeutelt. Aber dann gibt es hier noch die Unart, den gefüllten Beitel an den nächsten Gartenzaun zu hängen… naja, dann tritt wenigstens keiner rein.

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