Danke, Kleinkind.

Frau Life Science steht unter der Dusche. Hinter dem Duschvorhang plappert und klappert es wie gewohnt. Toilettendeckel ist geschlossen, WC-Bürste außer Reichweite. Von daher: safe!
Flapp…. Frau Life Sciences abgelegte Kleider landen im Duschwasser.
Danke für den Einwurf.

Frau Life Science räumt die Spülmaschine aus. Da kommt die Einjährige angekrabbelt, nutzt den aufgeklappten Spülmaschinendeckel als Trittstufe und den oberen Geschirrkorb als Geländer. Zugleich grabscht sie sich einen Teller und schwenkt ihn in der Luft herum, bis Frau Life Science die gefährliche Aktion beendet. Ein paar Teller und das Kind würde sie gerne behalten.
Aber Danke für die Hilfe.

Im Auto plötzlich Geschrei. Schnuller schmeckt nicht, Keks ist doof und Wasser wird im die Ecke gepfeffert. All das mit 120 Dezibel. Bis zum Ziel.
Danke für das Konzert.

Im Bus. Ruhig Sitzen ist doof, gelbe Stangen sind besser. Grüne Knöpfe erst recht.
„Haben Sie gedrückt?“, fragt der Busfahrer streng, als beim nächsten Halt keiner den Bus verlässt.
Danke für den Zwischenstopp.

Die Tonne für den gelben Sack hat eine schöne Klappe und eine ideale Arbeitshöhe. Verlorenes findet man jetzt oft dort: Schnuller, Milchbecher, Kartoffeln.
Danke fürs Aufzeigen: Nicht nur der Putzschrank und die Messerschublade – alles andere braucht auch einen Absperrriegel. Alles.

Der Tag ist noch jung, zum Haushaltschaos von gestern ist heute schon neues hinzugekommen. Wo anfangen? Wäsche? Aufräumen? Wischen? Alles gleichzeitig? Gut, dass die Kleine gerade ihren Vormittagsnap macht. Ach herrjeh, der ist ja, dem Quäken nach, auch schon wieder vorbei. Nach 25 Minuten. Frau Life Science hat eindeutig zu wenig Me-Time, in der sie endlich mal staubsaugen könnte.
Danke für neue Prioritäten.

Der Forschernachwuchs zieht eigene Tomaten und Co im Kinderzimmer. Frau Life Science hat damit nichts zu tun, die Babysitterin hat das mit ihm angefangen. Wer startet schon Projekte, wenn er eine Einjährige hat?
Letztere durchwühlt die sorgsam präparierte Erde, noch bevor erste Sprösslinge zu sehen sind. Das war’s dann wohl mit der Handaufzucht…
Einige Tage später kommen fast alle Pflanzen doch zum Vorschein.
Danke für die Zartheit beim Wühlen.

5 Gedanken zu “Danke, Kleinkind.

  1. Das Schöne am Elternsein ist ja, dass man noch sehr viele Jahre allerhand Gründe für Dankbarkeit hat:
    Wenn einen der 18jährige um 3Uhr nachts aus dem Bett klingelt, weil er den Schlüssel vergessen hat (du darfst den wunderschönen Vollmond betrachten).
    Wenn der Kühlschrank eine Stunde nach dem Großeinkauf schon wieder leer ist (Unterstützung beim Abnehmen)
    Wenn nach stundenlangem Aufräumen sofort wieder überall Häufchen entstehen (Üben von Gelassenheit)
    Punkt Punkt Punkt – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen… Wie langweilig wäre unser Leben ohne jede Menge Gelegenheiten fürs Dankbarsein 😉

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