Minigolf: Mit nicht mehr als sechs Schlägen zurück in die 60er

Das gute alte Minigolf geht mit der Zeit: Heute wird im Schwarzlicht gespielt oder mit 3D-Brille bei cooler Musik in klimatisierten Hallen.

Frau Life Science aber empfiehlt Minigolf bei Frischluft und einsetzendem Mairegen, auf Eternit-Bahnen aus den 60er-Jahren mit abblätterndem Farbanstrich aus wohl ebendieser Zeit. So muss das! Nur so entwickelt sich der ultimative Minigolf-Charme! Ihr Vorschulkind wird begeistert sein.

Mit dem Puky-Fahrrad, dessen Tage auch irgendwie gezählt sind, ist man schnell hingestrampelt, am Jägerzaun fest schließen und fertig. Jetzt das Zubehör entgegennehmen und los geht’s.

Die erste von den 18 standardisierten Bahnen ist noch einigermaßen machbar, nach und nach steigert sich der Schwierigkeitsgrad. Sechs Schläge höchstens pro Bahn, wenn’s mit denen nicht klappt, muss sich der Forschernachwuchs 7 Punkte auf dem Abrisszettel eintragen. Spiegelverkehrte Ziffer, aber das kann Mama trotzdem lesen. Die Rückseite des Schlägers, das lernt man schnell, hat eine Aussparung, um eingelochte Bälle aus der Ferne wieder zu angeln. Bahnen bloß nicht betreten! Sonst gibt’s Ärger.

Der Besitzer der Anlage scheint diesen Freizeitsport einst mit derselben Verve zu verfolgt zu haben wie der Lifescientist seinen Forschungen nachgeht. Er hat jedenfalls allerhand Tricks und Kniffe parat, wie steht man und wie zielt man, sogar sportpsychologische Beratung ist im Preis von 4 Euro pro Spieler inbegriffen und erfolgt persönlich am Bahnenrand. „Der Gegner…“, erläutert er dem Sechsjährigen, der partout gewinnen will, „bist immer du selbst.“

Denk mal drüber nach, Forschernachwuchs.

Es ist eine eigene, eine vergessene Welt, die Welt des Minigolfs. Oder auch gar nicht so vergessen: Bei schönem Wetter finden sich plötzlich alle möglichen Leute ein; wie kommen die nur auf die Idee, sonntags Minigolf zu spielen, so ohne Vorschulkind? Gar auch noch Singles und so?

Überhaupt scheint hier in Berlin bis heute jeder Stadtteil noch seine eigene Anlage zu haben, mit ihrer jeweils ureigenen Atmosphäre. Wo man trotz übermässig steigender Mieten und immer knapper werdender Flächen noch wie vor Jahrzehnten auf einen Gummiball klopfen kann, als wäre die Zeit stehen geblieben. Faszinierend.

Der Punkt links bestimmt die optimale Ball-Farbe für die jeweilige Bahn. Oftmals geht es allerdings trotzdem schief.
Ballkörbchen und Klemmbrett, dazu kommen ein Bleistift und die Schläger – immer hat man eine Hand zu wenig für den Gang zur nächsten Bahn.
Sauber! Leandro hat offenbar einige der 18 Bahnen mit nur einem Schlag geschafft.
Eternit-Stillleben am 8. Loch

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